FederLesen

Die Lieblingsnachbarn

Das Verhältnis der Österreicher zu ihren Lieblingsnachbarn, den Deutschen, oszilliert meist so zwischen Königgrätz und Cordoba. Diese beiden Orte, obwohl in völlig unterschiedlichen Weltgegenden und mit mindestens ebensolchen Unterschieden in der historischen Erinnerung, haben unser Verhältnis dauerhaft geprägt. Hie der fatale Irrtum des »so schnö schiassn de Preißn net« und da die die »legendäre« Schusskraft des Goleadors Hans Krankl.

Mögen die Deutschen uns »Ösis« auch ein wenig belächeln (sollen sie ruhig!), uns ist es – war’s trefflich? Nein, mehr hinterlistig – gelungen der Welt glauben zu machen, dass Hitler Deutscher und Beethoven Österreicher war.

Einigen meiner geschätzten FederLeserinnen und -Lesern wird zuletzt nicht entgangen sein, dass meine Liebste und ich den Urlaub im Nachbarland verbracht haben. Genauer gesagt in jenen Regionen, die in den österreichischen Köpfen vielfach noch immer unter DDR und in den deutschen Köpfen unter »im Osten« firmieren.

Keine Sorge, jetzt folgt kein Reisebericht ähnlich der Diaabende mit der Familie und Freunde in früheren Zeiten gelangweilt wurden. Nein, nur ein paar Beobachtungen möchte ich mit Ihnen teilen und, wie könnte es auf FederLesen anders sein, solchen sprachlicher Natur. Denn, wie heißt es so schön, »Deutschland und Österreich trennt die gemeinsame Sprache«.

Da ist einmal der Hang der Österreicher zum Konjunktiv, der Möglichkeitsform, die einem Deutschen nie im Leben in den Sinn käme. Die Bestellung im Gasthaus »ich hätte gern ein Bier« oder »ich würde gern bezahlen« schließt sprachlich immer die Möglichkeit ein, dass mir der Kellner kein Bier bringt oder ich eben nicht bezahlen will. Jenseits von Rhein und Main hört man derlei Formulierungen nie, er oder sie wollen ein Bier oder sie wollen bezahlen. Punktum, dort regiert mehr der Imperativ.

Dem gegenüber steht die Liebe der Deutschen zum Diminutiv, zur Verkleinerungsform. Da wimmelt es nur so von Brötchen und Würstchen und Häuschen und so weiter. Vielleicht sind uns da die Deutschen wieder einmal voraus, denn in Zeiten wo alles korrekt gegendert werden muss, ist der Diminutiv, weil immer sächlich, ein probates Mittel das Gendern zu umgehen. Das Bürschchen, das Fräulein etc. sind sprachlich immer sächlichen Geschlechts, genderkorrekt, also Wurscht.

Auch das Anpreisen der »Fischbrötchen« oder der in deutschen Landen weltberühmten »Currywurst« bei den diversen Fischstandeln oder Würstelbuden erfolgt gänzlich anders als hierzulande. Fischbrötchen oder Currywurst einfach adjektivlos anzubieten käme den Budenbesitzern niemals in den Sinn. Es müssen unbedingt »leckere« Fischbrötchen oder »leckere« Currywurst sein. Mir stellt sich da die Frage, ob es im Gegensatz dazu eben auch solche gibt die »nicht lecker« oder gar grauslich sind, ob also jeweils zweierlei Sorten angeboten würden? Diese Frage blieb mir, wie zu erwarten, unbeantwortet.

Dass auch die Kommunikation zwischen „Ösis“ und „Piefkes“ (so, jetzt ist das böse Wort endlich raus) manchmal schwierig ist, das musste auch meine Liebste erfahren. So, als sie bei einem Bäcker ein »Weckerl« (okay, auch ein Diminutiv) bestellte und an einer Wursttheke »zehn Deka Schinken«. Doch mit der raschen Übersetzung in »Brötchen« und »hundert Gramm« war auch dieses Verständigungsproblem umgehend behoben.

Ansonsten konnten wir uns problemlos verständigen. Jedenfalls besser als im Rest der Welt, von Vorarlberg ganz zu Schweigen.

2023 09 19/Fritz Herzog

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