FederLesen

2x Venedig

Meinen heutigen Buchempfehlungen muss ich vorausschicken und gestehen, dass ich befangen bin. Der eine Autor, Gerhard Roth, ist unter den zeitgenössischen österreichischen Autoren mein erklärter Favorit. Der andere, Wolfgang Salomon, ist der Inhaber meines Stammlokals und sozusagen zweiten Wohnzimmers am Karmeliterplatz in der Leopoldstadt.

***

Gerhard Roth: Die Hölle ist leer – die Teufel sind alle hier

Gerhard Roth, der sich in seinem Spätwerk dem Genre des Kriminalromans zugewandt hat, hat nach Die Irrfahrt des Michael Aldrian mit Die Hölle ist leer – die Teufel sind alle hier (übrigens ein Shakespeare Zitat) seinen zweiten Venedig Krimi geschrieben.

Emil Lanz, ein Übersetzer lebt allein in einem Haus am Lido und will seinem Leben ein Ende setzen. Er fährt mit dem Vaporetto auf Torcello, betrinkt sich mit zwei Flaschen Rotwein und will sich in der Nähe der Teufelsbrücke erschießen. Doch anstelle des beabsichtigten Selbstmords wird er Zeuge eines Mordes. Statt zur Polizei zu gehen verstrickt er sich immer mehr in seine Zeugenschaft dieses Mordes. Er verliebt sich in eine mysteriöse Fotografin und gerät so immer mehr in den Strudel des Verbrechens. Sein reicher Nachbar vom Lido und dessen Mitarbeiterin, ein Falkner, der etwas hilflose Inspektor und ein liebenswürdiger afrikanischer Postbote begleiten ihn auf seiner schwindelerregenden Reise durch Venedig, den Lido, die Friedhofsinsel San Michele und Pellestrina. Mit ganz viel Liebe zum Detail, beschreibt Roth die Orte, die Lanz auf seiner irrwitzigen Fahrt kennenlernt. So penibel, dass man beim Lesen Gusto bekommt, all diese Orte abzugehen und sie mit den Augen des Autors selbst zu sehen.

Wie geht die Geschichte aus? Nun, bis zuletzt weiß man nicht, ist das, was Lanz erlebt Wirklichkeit oder ist sein Selbstmord vielleicht doch geglückt und er erfährt all das als Verstorbener schon in einer Art Parallelwelt.

Meine Empfehlung: Wer nur einen Krimi lesen will, wird vielleicht ob der extensiven Ortsbeschreibungen enttäuscht sein. Wer aber Venedig liebt und viele Plätze noch nicht kennt und gleichzeitig große Literatur, verpackt in einen Kriminalroman zu schätzen weiß, dem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen.

Wolfgang Salomon: Venedig und die Lagune – für Fortgeschrittene

Mit diesem Buch legt Wolfgang Salomon sein mittlerweile drittes Venedig Buch vor. Wie soll man es beschreiben? Es ist ein Reiseführer und doch wiederum keiner. Es ist ein Sachbuch, aber kein bisschen trocken. Es ist schlicht und einfach eine ganz große Liebeserklärung an die Serenissima, an Venedig und die umliegenden Inseln der Lagune. Es gelingt ihm den Plätzen und Orten mit Geschichten und Geschichtchen Leben einzuhauchen. Es verführt die Leserinnen und Leser an Orte weit abseits des Mainstreams zwischen Markusplatz und Rialtobrücke. An Orte, die man vielleicht bei einem der Besuche in Venedig schon gesehen, denen man aber nicht oder viel zu wenig Beachtung geschenkt hat. Man erfährt auch hier Beschreibungen von zahlreichen Plätzen, verbunden mit der Geschichte der Orte. Und – schließlich ist der Autor nicht umsonst Gastronom – wird das Ganze noch aufgepeppt mit zahlreichen Rezepten, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.

Verpackt in kleine schmackhafte Häppchen in wunderbarem Layout, machen das Buch zu einem leicht lesbaren Genuss. Man kann das Buch lesen, wieder weglegen, nach ein paar Tagen wieder hervorholen, einen neuen oder einen schon gelesenen Abschnitt lesen und wird immer wieder Neues erfahren und erleben.

Meine Empfehlung: Der Buchtitel wird nicht umsonst durch den kleingedruckten Zusatz für Fortgeschrittene ergänzt. Wer erstmals nach Venedig reist, wird mit einem ganz normalen Reiseführer das Auslangen finden. Wer jedoch diese Stadt liebt und, wie so Viele, immer wieder in sie zurückkehrt, für den ist dieses Buch eine Bereicherung und auch eine Hilfe immer wieder Neues in und an dieser geheimnisvollen Stadt zu entdecken.

***

Abschließend – und das will ich nicht verleugnen – muss ich für beide Bücher auf die Nebenwirkung hinweisen: Das Verlangen, demnächst nach Venedig reisen zu wollen, wird durch deren Lektüre verstärkt werden.

Keep on reading!

Fritz Herzog/2020 02 20

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten