FederLesen

Ein Prost auf das Eheleben!

Eine erfreuliche Nachricht erreicht uns aus den USA, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Diese sind dort so unbegrenzt, dass jedermann zu Hause in seinem Schlafzimmerschrank ein Waffenarsenal sein Eigen nennen darf, dass jeder Boss der Camorra oder der ´Ndrangheta vor Neid erblassen würde. Trotzdem, so unbegrenzt sind die Möglichkeiten auch wieder nicht, denn Wehe du trägst eine Flasche Wein unverpackt vom Supermarkt nach Hause, um sie dort gemeinsam mit deiner Liebsten zu leeren.

Umso überraschender ist es, dass ausgerechnet aus den USA, wo erst Anno 1933 die Prohibition aufgehoben wurde, eine interessante neue Studie das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Genauer gesagt kommt sie von der University of Michigan. Dass die University of Michigan geografisch ziemlich genau in der Mitte zwischen Chicago und Detroit, den Städten des Wirkens von Al Capone (Chicago) und der Purple Gang (Detroit), also jener netten Typen, die durch illegalen Alkoholhandel reich und durch Niederballern ihrer Gegner berühmt geworden sind, liegt, kann da kein Zufall sein.

Dr. Kara Birditt, die Studienautorin, befragte im Abstand von zehn Jahren 2767 Ehepaare über ihre Trinkgewohnheiten. Um genau zu sein, die Ehepaare waren so um die fünfzig Jahre alt und seit durchschnittlich dreiunddreißig Jahren verheiratet; also, so kann man alles in Allem annehmen, waren sie mit einer erklecklichen Lebens- und Eheerfahrung ausgestattet. Dabei, und das dürfte das Kernergebnis der Studie gewesen sein, kam heraus, dass Ehepaare die gemeinsam Alkohol trinken eine glücklichere und harmonischere Ehe führen, als solche, wo nur ein Partner pipperlt.

Trinken beide Ehepartner, gibt es weniger Streit, weniger Konflikte und auch weniger gegenseitige Kritik. Interessant auch, dass dabei weniger hohe Anforderungen an den jeweils anderen Partner gestellt werden. Dass letzteres vor allem die Frauen und weniger die Männer so sahen, kann vielleicht als kleiner Wermutstropfen aus der Studie herausgelesen werden. Um mich hier keiner weiblichen Kritik auszusetzen, will ich auf diesen Punkt jetzt gar nicht weiter eingehen.

Wichtig sei, in der komischen wissenschaftlichen Sprache ausgedrückt, die sogenannte Konkordanz (hat nix mit dem Konkordat zu tun!), also die Übereinstimmung in den Handlungsweisen der Partner. Gut, dazu sage ich jetzt »No-Na«, denn dafür hätte es keine Studie gebraucht.

Die Studie spricht ganz allgemein von »alkoholischen Getränken« ohne diese näher zu definieren. Als Beinahe-Weinviertler würde ich natürlich für den Grünen Veltliner plädieren, aber ich denke – und darüber schweigt die Studie – es ist auch kein Problem, wenn meine Frau beispielsweise einen Rosé und ich einen Welschriesling trinke. Anderslautende Erfahrungsberichte meiner geschätzten FederLesen-Leserschaft nehme ich jederzeit gerne entgegen.

Wer waren nun die Auftraggeber dieser Studie? Es waren weder die Anonymen Alkoholiker, noch der Verband der Paartherapeuten. Eh klar! Eher, könnte man meinen, war es ein Verband der Önologen oder ein Spirituosenhersteller. Doch es ist viel banaler, es war das »National Institute on Aging«, ein Institut der Altersforschung.

Abschließend verweist die Studie darauf hin, quasi im Beipacktext im Kleingedruckten, dass es selbstverständlich nicht darum ginge täglich gemeinsam bis zum Umfallen zu saufen um dann sternhagelvoll ins eheliche Bett zu fallen. Auch hier bleibt mir nichts anderes übrig als ebenfalls »No-Na« zu sagen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Eheleuten und jenen, die es noch werden wollen ein herzliches Prost, hebt ein Gläschen und lasst es euch gut gehen! Ich werde das mit meiner Liebsten jetzt auch tun.

2020 06 28/Fritz Herzog

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