FederLesen

Bucket List

So ein shutdown, in dessen zweifelhaften Genuss wir dieser Tage wieder gekommen sind, eignet sich zu so mancherlei. So nützen die einen das allgemeine Ausgehverbot dazu bei Schönwetter die Wiener Parkanlagen zu füllen, dass es dort nur so wimmelt und wurlt. Andere hingegen versuchen sich brav zu Hause in Brot backen oder alle möglichen und unmöglichen Kräuter und Gemüse zu fermentieren oder zu verkimchinieren (heißt das eh so?). Was soll man sonst tun in dieser stillsten Zeit des Jahres, die bald auf uns zukommt und heuer vielleicht tatsächlich eine solche sein wird? Keller zusammenräumen, alte Fotos sortieren und den Lurch hinten aus dem Kleiderschrank hervorkehren, das hatten wir doch schon im Frühjahr erledigt – oder?

Wie wäre es mit dem Erstellen einer Bucket List? Kurz zur Erklärung: Eine Bucket List ist eine Liste jener Dinge, die man in seinem restlichen Leben unbedingt noch erleben bzw. erledigen will. Diese Liste wird mit Sicherheit bei jedem Menschen anders aussehen.

Bei jemand wie Ihrem FederLesen Autor, der schon längst in der zweiten Halbzeit seines Lebens spielt, wird sie mit Sicherheit gänzlich anders aussehen, als bei einem jungen Menschen von vielleicht zwanzig oder dreißig Jahren. So steht beispielsweise Bungy Jumping ebenso wenig auf meiner Liste wie das Erklimmen des Großglockners (gut, ich gebe zu, das stand mit zwanzig auch nicht auf meiner Liste).

Den Klassiker unter den Bucket Lists »Haus bauen, Baum pflanzen, Sohn zeugen« kennt fast jeder. Abgesehen davon, dass das eine sehr männlichkeitslastige Bucket List wäre, ist sie zwar sehr schöngeistig, allerdings auch etwas kurz und nicht sehr einfallsreich. Eine noch kürzere Liste lautet ja »Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, ich würde heute noch einen Baum pflanzen«. Abgesehen von der Kürze der Liste, fragte ich mich in diesem Fall auch »wozu dann noch?«. Die einmal von einem Kabarettisten vorgenommene Umkehrung des Satzes »Wenn ich wüsste, dass ich morgen einen Baum pflanzen muss, ich ließe heute noch die Welt untergehen«, scheint hingegen wiederum etwas zu gewalttätig und übertrieben.

Aber Scherz beiseite, was könnte tatsächlich auf einer persönlichen Bucket List stehen? Bei mir sind es sicher eine ganze Reihe von Reisen, das eine oder andere Buch zu schreiben und – nicht nur zu schreiben – auch einen Verlag zu finden und es zu veröffentlichen. Und ein paar Dinge mehr, die jedoch nicht hierher gehören.

In wenigen Tagen beginnt der Advent, Zeit ein Brieferl ans Christkind zu schreiben. Wie wär‘s, geschätzte FederLeserinnen und -Leser heuer dem imaginären Christkind statt eines Wunsch-Brieferls (Ehrlich: Wir haben doch eh schon alles!) eine Bucket List zu schreiben? Ja? Wär‘ das was? Na dann! Ein Blatt Papier zur Hand und auf geht’s! Muss ja – selbstverständlich außer dem Christkind – sonst keiner lesen.

2020 11 22/Fritz Herzog

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