Der Hl. Josef von Copertino, Kerzerl anzünden und die Matura
Bald zieht der Mai ins Land und damit auch die Zeit, in der Maturantinnen und Maturanten ordentlich ins Schwitzen kommen. »Schaff ich es? Hab ich genug gelernt?« Undsoweiter. Fragen über Fragen und Angst und Unsicherheit und Ungewissheit überkommen die Kandidaten. Ob sie auch Stoßgebete gen Himmel schicken, weiß ich nicht – wohl eher deren Eltern, die nach zwölf oder mehr Jahren Schule ihren Nachwuchs endlich in die Reife geschickt wissen wollen.
Neuerdings – apropos Stoßgebet – bietet die Kirche den Maturaaspiranten an, ein Kerzerl für sie anzuzünden, ein Gebet zu sprechen und am Prüfungstag am Morgen einen Segenswunsch per WhatsApp zu schicken. Ob es hilft, wird sich weisen, jedoch gilt: »nutzt’s nix so schadt’s nix«. Drauf verlassen würde ich mich nicht, auch wenn angeblich der Glaube Berge versetzen kann.

Meine eigene Matura ist schon mehr als ein halbes Jahrhundert her, damals hieß der Trick, um eine Prüfung zu schaffen noch Lernen statt Beten, wobei ich nicht ausschließen kann, dass meine Eltern damals ohne mein Wissen so manches Stoßgebet gen Himmel geschickt haben, dass alles gut ausgehen möge mit dem Buben. Aber, wie gesagt, seither hat sich maturamäßig einiges verändert und ich bin da nicht auf dem aktuellen Stand.
Zuletzt gibt es da auch noch den Hl. Josef von Copertino, einen Heiligen, der bei uns, wie ich meine, viel zu wenig bekannt ist. Er gilt als Schutzpatron der Schülerinnen und Schüler und ihn anzurufen soll ganz besonders bei Prüfungsangst helfen.
Josef, 1603 in ärmsten Verhältnissen in Apulien geboren, hatte früh den Wunsch Mönch zu werden. Zunächst lehnte ihn der Franziskanerorden ab – man kann vermuten, weil er denen einfältig war. Ebenso warfen ihn danach die Kapuziner nach acht Monaten in deren Kloster wegen Unfähigkeit hinaus. War er nur ungebildet oder doch strunzdumm? Nein, Letzteres, wie wir gleich sehen werden, war er wahrscheinlich nicht.
Über einen befreundeten Padre schaffte er doch noch die Aufnahme bei den Franziskanern, lernte fleißig Latein und alles was ein Mönchlein damals zu wissen hatte und konnte schließlich sogar die Priesterweihe erlangen. Die Legenden um ihn, dass er regelmäßig während seiner Predigten durch das Kirchenschiff geflogen, um himmlischere Luft zu inhalieren ist, die erspar ich mir an dieser Stelle, aber vielleicht sind seine Flüge auch eine Metapher für den Höhenflug, den man mit Fleiß und Lernen erreichen kann. Immerhin hat er es mit seiner Fliegerei so weit gebracht, dass man seinen Leichnam noch heute in einem schwebenden gläsernen Sarg in der Krypta des Santuario in Osimo bei Ancona besichtigen kann.
Die Moral von der Geschicht‘? Fleiß kann Unwissenheit und ein bissl sogar Dummheit besiegen. Oder, wie ich Jahre später meinen Mathematikprofessor ohne dass er es je erfahren hat, widerlegen konnte, der zu mir in der dritten oder vierten Klasse Gymnasium meinte »Herzog, du bist nicht nur faul, du bist auch blöd«. Abgesehen davon, dass der gute Mann damals zum Teil recht hatte, großer Pädagoge war er keiner. Aber, Ende gut, alles gut.
So wünsche ich allen Maturantinnen und Maturanten für die bevorstehenden Tage alles Gute und lernt noch fleißig bis dahin. Und dann erst – nach dem Lernen – lasst euch von mir aus ein Kerzerl mit einem Stoßgebet anzünden und dann, wenn nix mehr geht und alle Stricke reißen, ruft von mir aus auch den Heiligen Josef von Copertino an. Mit dem richtigen Mix wird die Übung gelingen.
2026 04 24/Fritz Herzog