FederLesen

Konrad von Hochstaden

Bevor ich mich dem heutigen Thema zuwende muss ich meine geschätzten FederLeserinnen und (noch viel mehr!) -Leser auf die geltenden Jugendschutzbestimmungen hinweisen und ersuchen Kind und Kegel vom heutigen FederLesen-Beitrag fernzuhalten. Es wird nicht ganz jugendfrei!

Aber der Reihe nach. Beginnen wir bei seiner Exzellenz, dem Hochwürdigen Herrn Erzbischof Konrad von Hochstaden (1205 – 1261). Zunächst einmal hatte er sich das Amt des Domprobstes zu Köln »usurpiert« wie es Wikipedia so höflich formuliert, was aber, weniger freundlich formuliert, mehr oder weniger bedeutet, dass er sich dieses Amt illegal unter den Nagel gerissen hat. Mit dieser Leistung qualifizierte er sich konsequenterweise für das Amt des Erzbischofs.

Der gute Konrad war nicht nur eine Exzellenz seines Titels nach, er war auch exzellent situationselastisch, wie seine weitere Karriere zeigt: Mal zerstritt er sich mit dem Papst bis hin zur Exkommunikation und mal gehorchte er ihm wieder und mal zerstritt er sich mit dem Kaiser und mal gehorchte er ihm. Und wenn sonst alles paletti war, legte er sich zwischendurch noch mit den Kölnern Patrizierfamilien an. Alles je nachdem, wie es ihm gerade in den Kram passte und er fiel, wie man so sagt, in jedem Streit immer auf die Butterseite des Lebens.

Man muss zugeben, so ein Lebenswandel hätte ihn zweifellos zu noch Höherem qualifiziert, doch – Undank ist der Welten Lohn – beim Titel Erzbischof von Köln war für ihn karrieremäßig Endstation. Allerdings wurde ihm posthum die Ehre zu Teil, dass er bis heute in Form einer Skulptur am alten Rathaus von Köln verewigt ist. Dort ist seine zwar nur eine von hundertvierundzwanzig Dargestellten, aber immerhin!

Trotzdem würde heute kein Hahn und erst recht kein FederLeser nach diesem Erzbischof krähen, hätte es mit dieser Skulptur nicht etwas Besonderes auf sich. Unterhalb der Statue, zu Füßen des Hochwürdigen Herrn Erzbischofs befindet sich nämlich noch eine Figur. Auf den ersten Blick mag man dort nur ein nacktes Hinterteil eines Mannes erkennen, der dieses so dem Kölner Publikum präsentiert. Sieht man genauer hin erkennt man, dass der Mann so gebückt dargestellt ist, dass man sein Gesicht sieht, welches unterhalb seines Gesäßes ebenfalls Richtung Stadt blickt. Und, sieht man noch genauer hin, erkennt man, dass der Mann seinen eigenen Penis im Mund hat. Vornehm ausgedrückt nennt man das Autofellatio – einen weniger feinen Ausdruck erspare ich mir hier an dieser Stelle.

Als Warnung des Gesundheitsministers ersuche ich meine geschätzten FederLeser an dieser Stelle von Selbstversuchen Abstand zu nehmen; es steht ein langes Pfingstwochenende vor der Tür und die orthopädischen Praxen haben geschlossen, die Sie von bei dieser Übung eingeklemmten Ischiasnerven befreien könnten.

Wie kommt nun der arme – und hoffentlich doch auch keusche – Kirchenfürst Konrad zu einer derart obszönen Darstellung? Die Skulptur des Autofellationisten (kann man das so sagen?) stammt aus dem Mittelalter und hat den zweiten Weltkrieg überdauert, in dem das Rathaus weitgehend zerstört wurde. Die Figuren berühmter Kölner wurden hingegen erst im Zuge des Wiederaufbaus eingefügt, sie sind also wesentlich neueren Datums. So kamen die beiden Figuren zusammen. Ob es ein Irrtum oder ein Scherz war, der die beiden zusammenführte bleibt offen.

So können wir jedenfalls leichten Herzens dem Erzbischof Konrad das »Et ego te absolvo a peccatis tuis« zusprechen, er kann wirklich nichts für diese Darstellung zu seinen Füßen.

2021 05 21/Fritz Herzog

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