FederLesen

Pfingsten

»Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen« reinekte schon weiland Geheimrat Goethe, der alte Fuchs, vor geschätzten zweihundert Jahren. Was das Liebliche an diesem Fest ist, blieb jedoch auch seither unklar. Gut, es fällt in die Jahreszeit des Frühlings, der Zeit des Sprießens und Wachsens, also jener Zeit, die schon die Comedian Harmonists in den Roaring Twenties des zwanzigsten Jahrhunderts besangen, als sie einer gewissen Veronika augenzwinkernd erklärten, dass der Lenz da sei und der Spargel wachse. Vielleicht hat ja auch Goethe, dem nachgesagt wird ein Schwerenöter gewesen zu sein, beim Schreiben dieser Zeilen an das Wachsen des Spargels gedacht. Wer weiß?

Pfingsten fällt auch fast immer in den Monat Mai, dem wiederum zugeschrieben wird, dass er der Wonnemonat sei. Ob zwischen Wonne und dem wachsenden Spargel ein Zusammenhang besteht, bleibt unklar. Vielleicht schaffte es der Mai genau deshalb zum beliebtesten Hochzeitsmonat. Auch hier gilt: wer weiß?

Johann Wolfgang Goethe – Reineke Fuchs

Pfingsten, das nach Ostern und Weihnachten wichtigste Fest des Kirchenjahres, fristet, obwohl es zu den sogenannten Hochfesten im Christentum gehört, eine bedauernswerte Nebenrolle. Meist wurde dieses Hochfest nicht dazu gebraucht die Kirchenbänke zu füllen, sondern, das verlängerte Wochenende nutzend, mehr die Strände zwischen Grado und Jesolo. Dort gab es dann Pizza und Gelati statt Spargel. Ich schrieb jetzt bewusst »gab« und nicht »gibt«, weil heuer ist wohl nix mit Dolce Vita, Pizza, Pasta und Gelati. Aber vielleicht gibt es am Pfingstsonntag zu Mittag wenigstens Spargel. Wer weiß?

Das Wort Pfingsten kommt, so lese ich, aus dem Griechischen »pentēkostē hēméra«, was so viel heißt wie der »fünfzigste Tag« (nach Ostern). Seit dem Ostersonntag sind es zwar nur neunundvierzig Tage, aber ich will jetzt nicht kleinlich und spitzfindig sein und sage mal, so ungefähr und aufgerundet stimmt es schon. Ich weiß auch nicht was neunundvierzig auf Griechisch heißt. Ob sich daraus so ein schönes Wort wie Pfingsten abwandeln ließe? Wer weiß?

Jedenfalls berichtet uns die Apostelgeschichte, dass die Apostel zu Pfingsten die neunundvierzig- oder von mir aus fünfzigtägige Quarantäne beendeten, die sie im Obergeschoß eines Hauses in Jerusalem verbracht hatten. Sie gingen hinaus auf die Straße und beendeten so den selbstgewählten Shutdown oder Lockdown um es in zeitgemäßem Neusprech auszudrücken. Aber, und das ist wohl das Besondere an der Geschichte, sie sprachen mit den Menschen da draußen in den verschiedensten Sprachen. Sie kamen also klüger aus dem Lockdown heraus, als sie zuvor hineingegangen sind. Ob das heute, nach der Beendigung unserer Quarantänezeit auch der Fall ist? Na-Ja!? Wer weiß?

2020 05 30/Fritz Herzog

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