FederLesen

Blue Monday

Und? Wie geht’s? Alles Okay? Den vergangenen Montag gut überstanden? Jetzt ist ja schon Wochenende und Sie, geschätzte FederLeserinnen und-Leser haben Sie diesen besonderen Montag – zur Erinnerung, es war der 18. Jänner – halbwegs gut hinter sich gebracht? Also ich persönlich kann nicht klagen! Hoffe Ihnen ging es ebenso.

Aber was ist denn so das Besondere an diesem vergangenen Montag gewesen? Es handelt sich, um Sie nicht länger auf die Folter zu spannen, um den sogenannten »Blue Monday«, den blauen Montag.

Wobei der blaue Montag diesfalls nicht in dem Sinn zu verstehen ist, dass man sich montags früh, noch einmal im Bett umdreht, den Herrgott oder den Chef (wahlweise) einen guten Mann sein lässt, sich unpässlich meldet, nicht zur Arbeit geht und einfach einmal »blau macht«. Auch nicht so wie Wolfgang Ambros in der letzten Strophe seines Schifoan-Gassenhauers besingt, dass er Sonntag abends feststellt »und i schau‘ no amoi aufe und denk‘ ma, aber wo, I foar‘ no ned z’Haus, i bleib‘ am Montog a no do« und noch einen blauen Montag im Stubaital oder in Zell am See anhängt.

Nein, der Blue Monday, des vergangenen Montags ist gänzlich anderer Natur. Im Jahr 2005 erhielt die University of Cardiff von einem Reiseveranstalter den Forschungsauftrag den schiachsten, grauslichsten und unglücklichsten Tag des Jahres zu ermitteln. Gesagt getan und sie kamen mit wissenschaftlicher Akribie dahinter, dass dieser besondere Tag im Jahreskreis der dritte Montag im Jänner sei. Der «Blue Monday« war geboren.

Warum ist schnell erklärt und auch für einen Laien der menschlichen Psyche, wie Ihr FederLeser einer ist, leicht verständlich. Der Jänner ist ohnehin der Monat mit wenig Tageslicht, trüben Tagen und, zumindest hier im Osten Österreichs, meist von depressionsförderndem Hochnebel verhangen. Die allgemeine Motivation geht gegen den Nullpunkt. Doch damit nicht genug.

Hinzu kommt die Feststellung so ungefähr um die Monatsmitte des Jänners, dass nach dem exzessiven Weihnachtsshopping das eigene Konto leergeräumt ist und noch zu viel Monat am Ende des Geldes vorhanden ist. Gleichzeitig tut sich die Erkenntnis auf, dass die zu Neujahr groß gefassten Vorsätze sich auch heuer wieder aufgrund des inneren Schweinehundes nicht in die Tat umsetzen ließen. Diese frustrierenden Erkenntnisse kulminieren alle um die Monatsmitte des Jänners.

Warum dann ausgerechnet ein Montag? Nun, weil der Montag nach dem Wochenende generell ein mieser und schlecht beleumundeter Tag ist: Das Wochenende ist vorbei und der Freitag bedauerlicherweise noch in weiter Ferne.

Forscher wären nicht Forscher, hätten sie das alles nicht auch in einer mathematischen Formel ausgedrückt:

[(Wetter + Einkommen – Kontoüberziehung) multipliziert mit Zeit seit Weihnachten hoch der Zeit seit Feststellung der nicht eingehaltenen Neujahrsvorsätze] dividiert durch den niedrigen Motivationsstand x Bedürfnis eine Aktion zu setzen.

Alles klar? Nein? Macht nix! Mir auch nicht, aber es ist egal. Vielleicht habe ich ja bei meiner Recherche nur falsch abgeschrieben – soll ja in den besten Kreisen vorkommen.

Jedenfalls hoffe ich Sie nicht noch weiter in die Jännerdepression geschickt zu haben. Deshalb zum Abschluss ein Hoffnungsschimmer: Freuen Sie sich auf den 25. Juni 2021, den Freitag nach der Sommersonnenwende, denn der ist, auch das haben dieselben Forscher festgestellt, der glücklichste, schönste und überhaupt der beste Tag des Jahres.

2021 01 22/Fritz Herzog

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