FederLesen

R.I.P. Mike Hughes oder »Heute gibt es Pizza«

Mein heutiger Beitrag hat einen traurigen Hintergrund. Vor wenigen Tagen am 22.Februar verunglückte in der kalifornischen Wüste Mike »Mad Mike« Hughes auf besonders tragische Art. Er wollte mit einer selbstgebauten Rakete 1500m in Richtung Weltall fliegen und damit einen neuen persönlichen Rekord aufstellen (sein bisheriger, auch von schweren Unfällen begleiteter, lag bei zirka 500m). Dass auch in 1500m Höhe noch nicht vom Weltall gesprochen werden kann, kümmerte ihn wenig. Diesmal ging leider schon beim Start etwas schief: Kurz nach dem »we had a lift off« verlor die Rakete ihren Fallschirm und schoss fallschirmlos weltallwärts. Aus irgendeinem Grund öffneten sich vor der Rückkehr zu Mutter Erde auch die Rettungsfallschirme nicht und der arme Mike stürzte mitsamt seiner Rakete aufgrund der Erdbeschleunigung g ≤ 9,81 m/sin den kalifornischen Wüstensand. Sein wagemutiger Versuch endete auf diese Weise tragisch.

Jetzt zur Frage warum tat er das? Aus Spaß? Nein! Aus Geltungssucht? Nein! Weil er ein spleeniger Millionär mit zu viel Geld war? Nein! Er hatte einen Traum und er wollte beweisen, dass dieser kein Traum, sondern Wirklichkeit ist. Mike Hughes war überzeugter Flat-Earther, er glaubte also, dass die Erde keine Kugel, sondern eine Scheibe sei. Und genau das wollte er von dort oben mit Hilfe von Fotos beweisen. Die Frage, warum er zu dieser Beweisführung kein Flugzeug nahm, sondern eine Rakete, bleibt unbeantwortet. Es wäre billiger, einfacher, weniger gefährlich gewesen und höher als 1500m wäre er auch gekommen. Er wird seine Gründe gehabt haben, warum er Flugzeugen nicht traute.

Jetzt soll man über derlei Theorien und ihre Vertreter ja nicht schmunzeln, denn die Frage was die Erde denn nun wirklich sei, beschäftigt die Menschheit seit Jahrtausenden. Der frühe Mensch war ja auch eher ein Flat-Earther und dachte, dort an den Rändern der Scheibe ginge es hoffnungslos ins Nichts. Und blöd waren die damals ja auch nicht. Kolumbus wiederum war überzeugter Kugel-Anhänger, dachte er doch in Richtung Westen nach Indien gelangen zu können. Sozusagen von der Maschekseite. Jedoch stellte sich ihm auf dem Weg dorthin Amerika frech in den Weg (immer diese Amis würden amerikanophobe Zeitgenossen jetzt sagen!). Er konnte damit seine Beweisführung nicht beenden; das gelang Ferdinand Magellan erst ein paar Jahre später.

Es gab dann im 19. Jahrhundert auch die Anhänger der Hohlwelttheorie. Nach deren Meinung befänden wir uns im Inneren einer Kugel und Sonne, Mond und Gestirne hingen irgendwie in der Mitte der Hohlkugel herum. Gescheitert ist diese Theorie wahrscheinlich daran, dass man das Tag-Nacht-Phänomen nicht glaubhaft begründen konnte, wenn die Sonne von der Mitte des Hohlraums aus schiene. Dass Schuhsohlen nach längerem Gebrauch der Schuhe eine konvexe Form annehmen, kann man ganz leicht selbst anhand des eigenen Schuhwerks feststellen. Das wiederum könnte ebenfalls darauf schließen lassen, dass wir uns ständig innerhalb eines konkaven Hohlraumes, einer Kugel, befänden. Aber auch diese Beweisführung scheiterte. Wahrscheinlich wegen des doch zu geringen Radius‘ der Wölbung unserer Schuhsohlen.

Wie sieht nun diese Flat-Earth aus, die uns der selige Mike Hughes beweisen wollte? Damit komme ich zum kulinarischen Teil meines heutigen Beitrags, zur Pizza. Bestellen Sie eine Pizza Salami vom Pizza-Service oder in der Pizzeria Ihres Vertrauens. Ein runder Teig mit einem knusprigen Rand, darauf die Tomatensauce mit dem Käse und wiederum darauf – mehr oder weniger üppig belegt – die Salamischeiben. Die Salamis, symbolisieren die Kontinente, die Tomatensauce und der Käse die Weltmeere und – jetzt wird es spannend – der knusprige Rand der Pizza die Antarktis. Konsequenterweise liegt dann im Zentrum der Pizza eine besondere Salamischeibe: die Arktis und der Nordpol. Warum es nicht umgekehrt ist, die Antarktis – immerhin Festland – innen und das ewige Eis der Arktis außen, weiß ich nicht. Ich vermute es liegt daran, dass die Landmasse der Nordhalbkugel weit größer ist als die im Süden und wir halt sehr nordhalbkugelzentrierte Menschen sind. Überzeugte Flat-Earther werden mir nun vorhalten, dass das Unsinn ist, denn mangels Kugel kann es auch keine Nord»Halbkugel« geben. Wie auch immer – ich weiß es nicht. Die Flat-Earther werden es wissen.

Ist jetzt außen herum auf dieser Pizza/Scheibe alles antarktisches Eis, so erschließt sich uns, dass Amundsen und Scott seinerzeit nie gemeinsam den Südpol erreichen konnten, da wahrscheinlich jeder an einem anderen Ende des Randes der Pizza war. Was sie dort am Abgrund gesehen hatten, hat uns Amundsen verschwiegen und Scott konnte bekannterweise nichts mehr berichten, da er auf seiner Rückreise in gewisser Weise auch ein Mike-Hughes-Schicksal erlitten hatte.

2020 02 27/Fritz Herzog

www.fritzherzog.at

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten