FederLesen

Adipositas und die Python

»Früher war alles besser«. Sicher kennen Sie auch diesen ebenso häufig gehörten wie dämlichen Spruch, denn die sogenannte »gute alte Zeit« war zwar alt, aber alles andere als gut. Damals, als man einen Bladen noch blad, einen Ausgfressenen noch ausgfressen und eine fette Wettl noch eine fette Wettl nennen konnte. Nein, Gottseidank sind wir darüber hinaus und mag die political correctness auch gelegentlich seltsame Blüten treiben, es ist schon gut, dass wir im täglichen Sprachgebrauch ein wenig sorgsamer sind.

Wenn Sie, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser sich an dieser Stelle fragen, warum ich diese Aussage an obigen Beispielen festgemacht habe, ja, ich will heute über das Thema Fettleibigkeit, die sich neuerdings Adipositas nennt, schreiben. Ich glaube das nannte man so, damit das Wort »positiv« wenigstens teilweise drinsteckt, denn wäre der Begriff negativ besetzt, hieße es wahrscheinlich »Adinegatas«. Heikles Thema, zugegeben, aber ich versuche aufzupassen, damit mir nicht die Finger an der Tastatur noch weiter durchgehen und ich in noch blöderes Terrain abgleite.

Das heutige Bild wurde mittels AI generiert, jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen wäre zufällig und unerwünscht.

Abnehmtipps und -tricks gibt es seit es Lifestyle- und Frauenmagazine gibt, die regelmäßig versprechen mit welcher Diät man mehr oder weniger blitzartig schlank werden kann. Meistens intensiv beworben mit irgendeinem abgetakelten Hollywood-Starlet oder dem Namen eines exotischen Gemüses. Und wie das Murmeltier täglich grüßt, kommen auch bei diesem Thema beinahe täglich neue »Wundermittel« auf den Markt; man nimmt zwar nicht ab, dafür nehmen jedoch die Konten ihrer Hersteller zu.

Solche Abnehmdrinks oder Cocktails sind derzeit – im wahrsten Sinn des Wortes – in aller Munde und Mägen. Es gibt sie in ebenso vielen Geschmacksrichtungen wie Preiskategorien. Ich will da den diversen Anbietern dieser Drinks nicht zu nahetreten, aber ich hege den Verdacht, dass bei allen genannten Unterschieden sie eines eint, nämlich, dass ihre Wirkung eine bescheidene ist. Aber, wie gesagt, ich kenn mich nicht aus, habe nichts untersucht und zu tieferer Recherche hatte ich keine Lust.

Doch vielleicht kommt jetzt Abhilfe aus dem Reich der Natur. Forscher der University of Colorado stellten sich die Frage welches Tier, hat es sich einmal ordentlich den Wanst vollgeschlagen, dann eine ganze Weile ohne weitere Nahrung leben kann. Und so kamen sie auf die Python Schlange. Dieses nette Viech wird riesengroß, verschnabuliert, wenn es hungrig ist, auch einmal eine ganze Gazelle mit Putz und Stingel und kann sich nach so einem Festmahl monatelang auf die faule Haut legen, sich die Sonne auf den vollen Ranzen scheinen und ansonsten den Herrgott einen guten Mann sein lassen. Klingt doch reizvoll?

Wieso kann die Python etwas, das wir Menschen nicht können? Die Forscher fütterten die Pythons und untersuchten danach regelmäßig deren Blut auf verschiedene Inhaltsstoffe. So kamen sie dahinter, dass nach der Fütterung bestimmte sogenannte Metaboliten im Blut erheblich angestiegen sind, die den weiteren Appetit der Schlange zügelten. Eines tat sich dabei besonders hervor, ein »pTOS« genanntes Molekül. Dieses verabreichten die Forscher an Mäuse und – siehe da – die kleinen Nager hatten weniger Appetit, ohne die Nebenwirkungen Muskelschwund und Kraftverlust in Kauf nehmen zu müssen.

Was den Mäusen recht ist, sollte doch uns Menschen billig sein und uns dabei helfen können, den Gössermuskel und den Schwimmreifen um die Leibesmitte in einen straffen Sixpack oder in die gewünschte Bikinifigur umzuwandeln? Also bitte, nix wie her mit den Pythons und wir werden alle schlank und rank wie eine Gazelle. Aber wollen wir gazellengleich sein? Hat nicht eben die Python eine ganze Gazelle verspeist?

2026 03 28/Fritz Herzog

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten