FederLesen

Bach, Beethoven und Bluthochdruck

In Zeiten des Lockdowns in dem wir mehr oder weniger zu Couch-Potatoes mutiert sind und die Lieferservice uns mit ausreichend Pizza und asiatischem Junkfood versorgen, kann es schon sein, dass unser Blutdruck in rekordverdächtige Höhen schießt. Wenn dann noch der Hausarzt unseres Vertrauens ob der aktuellen Werte die Stirn runzelt, gilt es endgültig Gegenmaßnahmen ins Auge zu fassen.

Pulverl zu schlucken ist, ebenso wie mehr Bewegung und Sport, nicht jedermanns und jederfraus Sache und letzterem steht ohnehin meist binnen kürzester Zeit ein Phänomen namens »Innerer Schweinehund« im Weg. Wer kennt diesen nicht?

Doch, freuen wir uns, es gibt einen Hoffnungsschimmer. Forschungen am Klinikum der Ruhr-Universität Bochum und der Universitätsklinik Leipzig eröffnen uns die Rettung. Ihre Forschungen haben ergeben, dass Musik den Blutdruck senken kann. Was ich bei meinen Recherchen zu diesem Thema nicht herausgefunden habe ist jedoch die Frage der Dosis. Genügen morgens und abends wie bei einem Medikament je fünf bis zehn Minuten Musikgenuss oder bedarf es einer Dauerbeschallung und steigt der Blutdruck wieder, sobald die jeweilige CD zu Ende ist?

Hingegen wurde die Frage, welche Musik besonders geeignet ist, von den Forschern geklärt. Es ist leicht zu erraten, es sind Bach und Mozart. Zu Bach erklärt die von den Forschern beigezogene Musikpädagogin Heike Drobner: »Bachs Werke weisen eine Gleichmäßigkeit, eine geordnete musikalische Struktur auf. Er schafft das durch die unterschiedliche Anordnung wohl sortierter Harmonien« und sie erklärt weiters »Mozart verstand es, allen melancholischen Stücken auch eine heitere Note zu geben und allen heiteren Werken etwas Melancholisches. Verbunden mit einer bestimmten Tonhöhe erzeugt das eine Balance, die uns in eine innere Mitte versetzt«.

Das klingt sogar für jemand der unmusikalisch ist wie Ihr FederLesen-Autor, sehr plausibel. Medizinisch erklärt wird das Ganze dann noch, dass sich diese Musik positiv auf den Sympathikus auswirkt und die Einflüsse des Parasympathikus zurückdrängt; aber das ist mir jetzt wirklich zu hoch und FederLesen ist schließlich kein Wissenschafts-Blog.

Neben dem positiven Einfluss bestimmter Musik auf unseren Blutdruck gibt es auch solche, die das Gegenteil bewirkt oder zumindest diesen nicht beeinflusst. Hier nennen die Forscher Beethoven. Warum das bei Beethoven so sein könnte, haben möglicherweise zwei spanische Musiker herausgefunden. Beethoven hat in seinen Partituren oft Tempi vorgegeben, die selbst die besten Virtuosen nicht zu spielen in der Lage sind.

Weshalb er das tat, so meinen die Pianistin und Physikerin Almudena Martín-Castro und ihr Ehemann der Klarinettist Iñaki Úcar herausgefunden zu haben. Entweder war Beethovens Metronom kaputt oder er hat es schlicht und einfach falsch abgelesen. Überliefert ist jedenfalls, dass der gute Ludwig van sein Metronom öfter zur Reparatur geben musste.

Wie auch immer, mit Beethoven senken Sie, geschätzte FederLeserinnen und -Leser ihren Blutdruck nicht. Übrigens, so ergab die Forschung weiter, auch Musik von Abba eignet sich nicht als blutdrucksenkendes Mittel. Hingegen – und das ist wirklich überraschend – sprechen die Forscher dem Hardrock eine positive Wirkung auf den Blutdruck zu. Ihr FederLesen-Autor, der seine Adoleszenz in den 70er Jahren durchlebt hatte, ist der Musik von Deep Purple, Led Zeppelin oder AC/DC bis heute nicht abgeneigt, aber als blutdrucksenkend hätte ich sie wirklich nie erlebt.

2021 04 25/Fritz Herzog

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten