FederLesen

Welt-Pasta-Tag

Heute vor fünfundzwanzig Jahren, am 25. Oktober 1995 traf sich in Rom eine illustre Runde von vierzig mehr oder minder namhaften Teigwaren Produzenten aus aller Welt zum »World Pasta Congress«. Die Runde trägt seither den nicht gerade Gusto nach Pasta fördernden Namen »Union des Associations de Fabricants de Pates Alimentaires« oder – ebenso sperrig – abgekürzt »UN.A.F.P.A«. Sollte heute Pasta auf Ihrem Speiseplan stehen, so bitte ich schon jetzt um Entschuldigung, falls Ihnen jetzt der Appetit vergangen ist, aber die Herren (ich vermute mal, dass es sich nur um Männer handelte, denen dieser unmögliche Name eingefallen ist) nannten ihre Organisation nun mal so.

Immerhin war das wesentlichste Ergebnis dieses Kongresses, dass sie den 25.Oktober jeden Jahres zum Welt-Pasta-Tag ausriefen. Nun, dieser Aufruf hatte zweifelsfrei keine altruistischen Gründe, sondern war viel eher ein Aufruf »Leute, esst mehr Pasta, damit wir mehr Kohle machen!«. Was sie sonst noch beschlossen haben, entzieht sich meiner Kenntnis; Rezepturen werden sie als Konkurrenten kaum ausgetauscht haben.

Wahrscheinlich war ihnen auch nicht bewusst, dass sie den neu kreierten Feiertag ausgerechnet einen Tag vor dem österreichischen Nationalfeiertag angesetzt hatten, der, österreichischer kulinarischer Tradition folgend, wohl eher Schnitzel, Schweinsbratl und der Sachertorte gewidmet ist. Die Vielfalt der Pasten scheint hierzulande ja auch etwas eingeschränkt und endet meist irgendwo bei Suppennudeln und Pasta Asciutta. Als FederLesen-Schreiberling muss ich an dieser Stelle hinzufügen, dass auch die Buchstaben-Suppeneinlage nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Die Italiener sind da viel einfallsreicher. Was den Teilnehmern des Kongresses von Oktober 1995 nicht gelungen ist, nämlich einen schönen appetitanregenden Namen zu schaffen, gelang den italienischen Mamas, wenn sie für ihre Bambinis neue Pasta Sorten schufen. Sie gaben ihnen so wunderschön klingende Namen wie Fusilli (Spindel), Farfalle (Schmetterlinge), Orecchiette (Ohr) oder – mein persönlicher Favorit: Strozzapreti (erwürgter Priester). Ich hoffe letzterer Name ist im Sinne des Lebens von geistlichen Herren nicht wortwörtlich zu nehmen. Irgendwas wird sich die Erschafferin dieser Art Teigware bei der Namensgebung allerdings schon gedacht haben; aber das fällt wahrscheinlich unter das Beichtgeheimnis.

Mit einer »urban legend«, oder sollte ich besser sagen »italian legend«, muss ich an dieser Stelle aber auch noch aufräumen: Die Legende, die besagt, dass Marco Polo die Pasta von seiner Reise durch das China des 13.Jahrhunderts in seine Heimat gebracht hat. Das wird zwar gerne erzählt, stimmt aber, wie das Legenden oft an sich haben, nicht. Viel eher, auch wenn man das wiederum nicht so gerne hört, brachten Araber schon viel früher die Pasta nach Sizilien, von wo aus sie in der Folge ganz Italien eroberte.

Ich verstehe schon, dass der italienische Held und Weltreisende Marco Polo als Begründer der Pasta Tradition besser ins Bild passen würde. Uns soll es egal sein. »Pasta macht glücklich«, wie die Italiener sagen, soll viel mehr als Motto für gute Pasten in jeder Variation gelten. In diesem Sinne »Buon appetito!«

2020 10 25/Fritz Herzog

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