Die Schönheit des Mannes
Auch wer Torbergs Tante Jolesch nicht gelesen hat, kennt den Kalauer, dass es für einen Mann Luxus sei, schöner als ein Affe auszusehen. Bei genauerer Betrachtung finde ich das Zitat als nicht political correct – bezüglich der Affen. Aber davon wusste Torberg noch nichts. So sind Torberg und die Tante Jolesch längst Geschichte, heute ist »Looksmaxxing« angesagt. Sie kennen den Ausdruck nicht?
Looksmaxxing, wie der Name schon sagt, dient der Maximierung des Aussehens, diesfalls konkret des Mannes und fragen Sie mich bitte nicht warum mit Doppel-X. Alles was die Natur an männlicher Schönheit seit Adams Zeiten im Paradies nicht ordentlich zusammengebracht hat, soll durch verschiedene Maßnahmen und Eingriffe verbessert werden.

Begonnen wurde der Spaß von den sogenannten »incels«, was für »involuntary celibates« steht, was soviel heißt wie »unfreiwillig zölibatär lebende Männer«. Diese ohnehin schon aufgrund ihrer unfreiwilligen (?) Lebensweise als arme Hund‘ zu bezeichnenden Männer, haben sich auf einer der einschlägigen Plattformen wie Insta-Tok oder Tik-Gram und wie die alle heißen, zusammengetan, um sich gegenseitig in ihrem Körperkult anzufeuern und Tipps zur äußerlichen Optimierung, oder dem, was sie dafür halten, zu geben.
Dass die ganze Sache in einen krankhaften Männlichkeitskult ausartet, sei da am Rande erwähnt. Wer jedoch beispielsweise der Meinung ist, dass 80% aller Frauen nur zu 20% der Männer als potenziellen Partner attraktiv finden, der hat – Sie verzeihen den Ausdruck – ohnehin einen gewaltigen Sprung in der Schüssel seines Selbstwertgefühls.
Und wie optimieren sich diese Typen? Das fängt noch harmlos in den diversen Fitness Studios an, wo sie sich Muckis antrainieren, die einen Schwarzenegger verblassen ließen. Aber dort endet es nicht. Wichtig für einen schönen Mann – so deren Ansinnen – soll ein markantes Kinn sein. Dafür gibt es dann Tipps, wie ständig Kaugummi kauen oder die Zunge gegen den Gaumen zu pressen, weil das angeblich die Form des Kinns in ihrem Sinne verändern würde. Wie lange man da kauen oder pressen muss – keine Ahnung.
Geht das alles dem Looksmaxximierer zu langsam, gibt es auch den Trick, sich mit einer Kugel selbst gegen das Kiefer zu schlagen und so den gewünschten Effekt eines markanten (männlichen?) Kinns herbeizuführen. Mit Verlaub, was für einen Knall muss »man(n)« haben, um sich selbst in die Goschen zu hauen? Als Jugendlicher zu wenig Schlägereien gehabt?
Auch der richtige Augenwinkel und Haaransatz spielen eine Rolle und was durch Zungenpressen und Goschenhauen nicht funktioniert, wird mittels Operationen ausgeglichen. Fliegen ihnen nach diesen masochistischen Maßnahmen noch immer nicht die Frauenherzen zu, kommen sie nicht auf die Idee, dass das ganze Looksmaxxing ein Schmarren ist, den sie besser lassen sollten, nein, sie machen, angefeuert von geschäftstüchtigen Influencern weiter und weiter.
Aber warum sollen nur Männer so blöd sein? Auch manche Damen meinen mit Plastikbrüsten und aufgespritzten Lippen, die jedes Schlauchboot vor Neid erblassen lassen, die Männerherzen erobern zu können. Also, meine geschätzten FederLeserinnen, bleiben Sie wie sie sind und wenn Ihr Liebster kein markantes (männliches?) Looksmaxximererkinn hat und stattdessen eine Glatze und einen Bauch, nehmen Sie ihn wie er ist. Und umgekehrt, meine geschätzten FederLeser, auch wenn Ihre Liebste vorne flach ist wie die ungarische Tiefebene oder – im anderen Extrem – die Schwerkraft Sie an die »Hängenden Gärten der Semiramis« erinnern lässt, schön ist ihre Liebste ganz sicher auch damit.
2026 04 12/Fritz Herzog