FederLesen

Z’tod gfiacht is a gsturbm

Ich denke diesen weisen Spruch aus dem rar gewordenen Dialekt des sogenannten Wienerischen muss ich, vor allem für die jüngeren Leserinnen und Leser, die nur mehr die Sprache der norddeutschen Wenzel-Lüdecke synchronisierten Fassungen der diversen amerikanischen Serien und Sitcoms beherrschen, übersetzen: Zu Tode gefürchtet ist auch verstorben. So die korrekte Übersetzung.

Wobei fürchten, also die Furcht, die falsche Bezeichnung ist. Vielmehr geht es um die Angst. Ich habe jetzt aber keine Lust den Unterschied zwischen »Angst« und »Furcht« zu erläutern und bleibe beim »Fürchten«, da dieses, wenn auch falsch, umgangssprachlich der geläufigere Ausdruck ist.

Aber wovor fürchten wir uns? Nein, hier geht es nicht um den …, nein, den … verkneife ich mir an dieser Stelle, denn der ist sowieso in aller Munde oder sonst wo.

Ganz anderes Beispiel: Wenn sich unsere Ur-Ur-Ahnen vor dem Säbelzahntiger fürchteten, was hindert uns heute daran es ihnen gleichzutun und uns ebenfalls vor selbigem oder sonstwem zu fürchten? Ausgestorben oder nicht ist doch belanglos. Oder? Auch Nestroys Knieriem hatte sich vor dem Kometen ohne Kometen gefürchtet und Majestix davor, dass ihm der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Der Fürchtungsmöglichkeiten sind gar viele. Heute kann man sich beispielsweise problemlos vor einem Börsencrash fürchten ohne eine einzige Aktie zu besitzen. Oder drei Packerl Marlboro am Tag rauchen, obwohl man sich vor dem Lungenkrebs fürchtet. Oder, oder, oder … [an dieser Stelle bitte die eigenen Ängste nach Belieben einsetzen].

Wer fürchtungstechnisch vorankommen will, von dem ist da einfach mehr Flexibilität und Kreativität gefordert. Eigenschaften, die, neben der berühmten Teamfähigkeit, fixer Bestandteil jeder Stellenausschreibung sind. Also bitte: Nur her damit! Sonst wird das nie was mir dem professionellen Fürchten.

Eine der beliebtesten Arten des Fürchtens ist bekanntlich jene vor dem Tod. Sie ist aber gleichzeitig eine der unsinnigsten. Das Fürchten ist ja ein Schutzmechanismus vor dem Eintritt dessen, vor dem man sich fürchtet. Wenn der erwähnte Ur-Ur-Ahn des Säbelzahntigers ansichtig wurde, fürchtete er sich, floh deshalb auf den nächsten Baum und der Tiger sah hungrig durch die Finger und musste sich andernorts Nahrung suchen. Im besten Fall fand er einen Furchtlosen, der nicht auf einen Baum flüchtete und der ihm in weiterer Folge den Magen für ein paar Tage füllte. Die Furcht hat also unseren Ahnen gerettet und damit erst unser Hiersein als sein Nach-Nach-Komme ermöglicht. Der furchtlos Gefressene hingegen wurde aufgrund seiner Furchtlosigkeit der Möglichkeit beraubt späterhin zu einem Ahnen zu werden. Wir lernen daraus, welch wichtige Funktion die Furcht in der Evolution gespielt hat und immer noch spielt.

Vor dem Tod ist aber, leicht verständlich, der Schutzmechanismus des Fürchtens nicht wirksam – er kommt einfach irgendwann. Egal wie sehr wir uns davor fürchten, es ist sinnlos. Ein hoffnungsvolles Beispiel gibt uns da die Schweizer Kabarettistin Hazel Brugger, die sinngemäß meint, der Tod käme irgendwann an einem Tag, aber all die Tage davor sind wir eben NICHT verstorben. Na? Das ist doch was! In diesem Sinne: »Z’tod gfiacht is a gsturbm« und bleiben Sie gesund!

2020 03 16/Fritz Herzog

www.fritzherzog.at

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