Fader Tag
Vater Tag ist ein fader Tag?! Da ich nicht sicher war, ob ich nach diesem Satz ein Frage- oder ein Rufzeichen setzen soll, habe ich beides getan. Was würden Sie, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser, bevorzugen?
Ich bin mir, wie gesagt, nicht ganz sicher. Einerseits ist der Vatertag ein müder Abklatsch des ein Monat davor gefeierten Muttertages und andererseits, warum soll man nicht auch die Väter einmal ein bissl ehren und feiern. Wobei, ich geb‘ es zu, ich bin naturgemäß befangen.

Bezeichnend ist jedenfalls, dass der Vatertag von einer Frau, nämlich der Amerikanerin Sonora Smart Dodd, im Jahr 1910 erfunden wurde. Wobei, »erfunden«, scheint mir da nicht ganz das richtige Verb zu sein, sagen wir besser: »erstmals begangen oder gefeiert«. Während sich die Welt beim Muttertag rasch auf ein Datum geeinigt hat (der zweite Sonntag im Mai), herrscht beim Vatertag weltweit ein ziemliches Chaos. Die erwähnte Mrs. Dodd fixierte den dritte Sonntag im Juni als den väterlichen Jubeltag, in Deutschland ist es der Christi Himmelfahrtstag, wo er auch etwas arrogant »Herrentag« genannt wird und an dem eher maskulinen Gruppenbesäufnissen gefrönt wird. In China ist es der 8.August, weil Papa dort »Bàba« ausgesprochen wird und 8.8. heißt »Bā-bā«; es war also die Namensähnlichkeit, die dem dortigen Vatertag zugrunde liegt.
Österreich, wie immer ein bissl spät dran, feierte den Vatertag erstmals 1955 und seit damals am zweiten Sonntag im Juni. Dass 1955 auch mein Geburtsjahr ist, scheint mir zufällig zu sein, denn ich bin sicher, dass mein seliger Vater diesbezüglich damals nicht initiativ wurde.
Aber wozu das ganze Remmidemmi um den Vatertag. Aus seinem stiefmütterlichen (verzeihen Sie mir das Wortspiel vom stief»mütterlichen Vatertag«) Dasein kommt er ohnehin nicht mehr hervor. Beim Muttertag scheint es klar zu sein, die Mutter ehrt man für Schwangerschaft, Geburtsschmerz und jahre-, um nicht zu sagen jahrzehntelange, Obsorge des Nachwuchses. Aber Väter? Für die paar Minuten der Zeugung? Eher nicht! Der Gedanke daran ist außerdem für Kinder stets peinlich. Und die Zeiten in denen Papa allein die ganze Aufzucht finanziert hat, die sind ohnehin und Gottseidank auch schon lange vorbei.
Oder haben die Gärtner und Floristen tatsächlich gedacht, sie könnten mit den Vätern ähnliche Höhenflüge ihrer Umsätze wie am Valentins- oder Muttertag machen? Oder dachten die Bonbonnieren- und Pralinenerzeuger ähnlich? Ich glaub‘ nicht. Welche Geschenke wären dann für die Väter des 21. Jahrhunderts gefragt? Die Zeiten von einem Flaschl Pitralon oder einer Krawatte, die Papa ohnehin nie umbinden würde sind vorbei und lustige bunte Socken waren eh schon letztes Jahr. Mit Frühstück ans Bett und kuchenbackenden Kindern wie letztens am Muttertag wird es eher auch nichts sein.
Wie ich es auch dreh und wende, der »Vatertag« bleibt ein »fader Tag« und, um zum Anfang zurückzukehren, diesfalls, zumindest für mich, fraglos nur mit Rufzeichen!
2026 06 13/Fritz Herzog