Schokolade und Nobelpreis
Schokolade ist doch etwas Wunderbares. Ich kenne kaum jemand, der sie nicht mag. Man kann diskutieren ob eher hell oder dunkel, Nougat oder Trüffel, aber grundsätzlich mag sie jede und jeder, egal ob als Seelentröster in schwierigen Zeiten, zwischendurch um den Zuckerspiegel im Blut anzufeuern oder vor dem Fernseher so nebenher.
Und da ist der FederLesen-Autor auf eine belgische Studie gestoßen, veröffentlicht im Journal of Environmental Psychology, die einen Zusammenhang zwischen dem Duft nach Schokolade und dem Kaufverhalten in Buchhandlungen herstellt. Mit meiner Freude am Lesen interessierte mich das. Da wurde in einer Buchhandlung Schokoladenduft verbreitet und schwuppdiwupp, die Kunden blieben länger im Geschäft, stöberten mehr, fragten die Buchhändler mehr nach Empfehlungen und kauften letztendlich auch mehr Bücher.
Na wenn das nicht zum Lesen anregt. Her mit dem Schokoduft im Buchhandel! Klar, in Amazonien und sonstigen Onlinebuchhandlungen funktioniert das nicht, aber es wäre vielleicht ein Verkaufsmodell für die kleinen Buchhändler, die ohnehin ums Überleben kämpfen.

Bei genauerer Recherche stellte ich jedoch fest, dass unter Schokoaroma hauptsächlich Kochbücher und diese wiederum in erster Linie von Frauen gekauft wurden. Okay, immerhin, kann ich da nur sagen, auch wenn die Belletristik wieder einmal auf der Strecke bleibt.
Schokolade hat aber auch noch eine ganz andere Wirkung. So titelte das renommierte Time-Magacine schon im Jahr 2012: »Secret to winning a Nobel Prize? Eat more chocolate«. Also wollen Sie, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser den Nobelpreis gewinnen, dann essen Sie mehr Schokolade und schon sind Sie dem Nobelpreis ein Stück näher. Warum, das hat Dr. Franz H. Messerli, ein Kardiologe am St. Luke’s–Roosevelt Hospital in New York City in einer Studie, veröffentlicht im »New England Journal of Medicine«, erhoben.
Wie das?, fragen Sie jetzt wahrscheinlich. Dr. Messerli erhob zunächst einmal für 23 Länder wieviele Nobelpreisträger je zehn Millionen Einwohner das Land hervorgebracht hat und verglich das mit dem jährlichen Schokoladekonsum je Einwohner. Und siehe da, Länder mit einem hohen Verbrauch an Schokolade haben auch die meisten Nobelpreisträger. Wenn das so ist, dann muss da doch ein Zusammenhang bestehen. Geht doch gar nicht anders – oder?
Von den untersuchten Ländern stellte sich heraus, dass die Schweiz vor Schweden und Dänemark nicht nur beim Schokoladenkonsum, sondern auch bei den Nobelpreisträgern vorne liegt. Die USA, Niederlande, Irland, Frankreich, Belgien und Deutschland liegen irgendwo im Mittelfeld und am Ende der Liste finden sich China, Japan und Brasilien. Österreich kommt in der Studie leider nicht vor.
Wobei, das gesteht Dr. Messerli zu, die Schweden haben ein bissl geschummelt, denn nach ihrem Schokoladenverbrauch dürften sie nur halb so viele Nobelpreisträger haben. Es dürfte also auch der Lokalpatriotismus des schwedischen Nobelpreiskomitees bei der Vergabe des Preises eine Rolle gespielt haben. Ob ein Zusammenhang zwischen Schokoladenverbrauch und Lokalpatriotismus besteht, wäre dann eine eigene Studie wert.
Was also ist zu tun, um mehr Nobelpreisträger hervorzubringen? Auch darauf liefert die Studie eine Antwort: Um einen zusätzlichen Nobelpreisträger zu erhalten müsste der Schokoladenkonsum um 0,4kg je Einwohner und Jahr erhöht werden. Also bitte, liebe Leute, strengt Euch ein bissl an, 0,4kg mehr im Jahr ist nicht die Welt. Bevor das Wort Shrinkflation erfunden wurde, waren das vier Tafeln mehr im Jahr, jetzt sind‘s halt a bissl mehr.
2026 03 14/Fritz Herzog