Saharastaub und andere Wetterkapriolen
Worüber kann man sich außer über die Politik und ihre Politiker noch ebenso emotional wie sinnlos aufregen, wenn nicht über das Wetter? Immer ist es schlecht, egal ob zu heiß oder zu kalt, zu nass oder zu trocken, zu windig oder zu irgendwas. Wurscht! Immer ist es falsch oder grad nicht passend. Will ich einen Sonntagsausflug machen, schüttet es wie aus Schaffeln, will ich, dass im Garten alles grünt und sprießt, brennt die Sonne vom Himmel.
Dazu noch diese Wetter Vorhersagen, die manchmal nur aus Hinterhersagen bestehen, wenn uns wortreich erklärt wird, warum es heute so oder so war, alles, nur nicht so wie die – ebenso wortreich erklärte – Prognose von gestern. Zum Drüberstreuen gibt es dann noch zahllose Wetter-Apps, die sich dadurch unterscheiden, dass laut dem einen die Sonne scheint und es beim anderen regnet, als wäre es an der Zeit wieder einmal eine Arche zu bauen, wie seinerzeit Noah.
Auch die Bauernregeln sind längst nicht mehr das, was sie einst waren. Wir sind grad mitten im April, der bekanntlich macht, was er will und der bauernregelmäßig besonders viel hergibt. So kluge Sätze wie:
»Gehst im April bei Sonne aus,
lass nie den Regenschirm zu Haus«
könnten genausogut auf den September oder Oktober angewendet werden, nur reimt es sich da noch holpriger als mit April.
All das sind alte Hüte und wir kennen sie, seit wir abends die Meteorologinnen und -ologen in den Nachrichten hören und sehen und uns am nächsten Morgen hören und sehen vergeht ob des Nichteintretens der Prognose. Aber es gibt auch neue Hüte, Dinge, die es wettermäßig meiner Erinnerung nach in der Vergangenheit nicht gegeben hat und die erst seit ein paar Jahren regelmäßig über uns kommen wie ein Sommergewitter.

Saharastaub ist so ein neuer Hut. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser, aber es ist mir nicht erinnerlich, dass es zu Zeiten, als uns ein Dr.Kletter oder Herr Belcredi im TeVau das Wetter erklärt hat, dass es damals schon einen Saharastaub gegeben hätte. Doch seit ein paar Jahren ist er da. Zuerst über uns, als verfinstere sich der Himmel wie beim Untergang von Sodom und Gomorra und dann, wenn er sich mittels Regen zu uns herablässt, pickt er als klebriger Dreck auf frisch gewaschenen Autos und Fensterbrettln.
Und gibt’s schon Bauernregeln mit Saharastaub? Mir ist keine bekannt, drum kreiere ich schnell eine:
»Regnet‘s im April Saharastaub
Pickt er am Auto und am Laub«
(Tschuldigung, ich weiß, der Reim ist wirklich schwach, mir ist auf die Schnelle kein besserer eingefallen und zum länger Herumtüfteln hatte ich keinen Bock).
Wie ist das, wenn das so weiter geht? Wieviel Staub hat die Sahara? Haben die genug? Wie lange dauert es, bis die dort keinen Staub mehr haben und aller bei uns ist? Geht der Sahara irgendwann der Staub aus? Oder haben die eh ausreichenden für die nächsten paar hundert Jahre?
FederLesen wäre jedoch nicht FederLesen, wenn es nicht auch über kuriose Verschwörungstheorien in Zusammenhang mit dem Saharastaub berichten würde. Die reichen von angereichertem giftigen Aluminium, das dunkle Mächte über uns ausstreuen über mysteriösen Magnetismus im Staub bis hin zu der Behauptung der Dreck käme gar nicht aus der Sahara, sondern sei von Traktoren in Brasilien aufgewirbelter Staub (ja, echt jetzt!), der irgendwie den Weg nach Europa findet; vermutlich, so füge ich hinzu, geht das leicht, weil die Erde ohnehin eine Scheibe ist – oder so ähnlich. Der Zusammenhang zwischen Saharastaub und den Chemtrails harrt ohnehin noch tieferer verschwörungstheoretischer Untersuchungen. Gibt’s hier Neues, Sie erfahren es auf FederLesen.
2026 04 21/Fritz Herzog