FederLesen

Requiescat in pace auf neuseeländisch

Keine Sorge, FederLesen ruht noch lange nicht in Frieden, doch, wie sagt eine ebenso kluge wie allseits bekannte Volksweisheit: »Alles hat sein End‘, nur die Wurst hat zwei«. So hat auch unser Leben früher oder später – aber, ehrlich: doch lieber später! – ein End‘. Im Eintrittsfall desselben stellt sich für unsere mehr oder minder trauernden Hinterbliebenen die Frage der Bestattung. Würdevoll soll es sein. Meist umrandet von getragener Musik und begleitet von in Pathos triefenden Ansprachen, in denen selbst das zu Lebzeiten größte Gfrast posthum noch einen Heiligenschein umgehängt bekommen kann. Den Satz des griechischen Philosophen Chilon »de mortuis nil nisi bene«, man solle über Tote nur Gutes sagen, kann man halt so oder so auslegen.

Doch bevor meine geschätzte Schar der FederLeserinnen und -Leser in Depression und »the end is near«-Stimmung verfällt, möchte ich Sie heute ans andere Ende der Welt entführen. Genauer nach Neuseeland. Im Land der Kiwis nimmt man das Ableben von der heiteren Seite. Wenn schon Trauer, dann soll sie wenigstens heiter und bunt sein.

Als sich im August 2020 Debra und Phil McLean in Tauranga auf der Nordinsel Neuseelands das Ja-Wort gaben, konnte die gute Braut noch nicht ahnen, dass ihren eben angetrauten, um ein paar Jahre älteren Liebsten, nur wenige Monate später das Zeitliche segnen würde. So weit, so traurig. Der gute Phil liebte zu Lebzeiten nicht nur seine Frau, sondern auch Donuts mit extra viel Schlagobers. Die Frage, ob der Grund seines Dahinscheidens im Zusammenspiel junge Frau und dem häufigen Genuss größerer Mengen Schlagobersdonuts zu suchen ist, muss an dieser Stelle unbeantwortet bleiben.

Jedenfalls staunte die versammelte Trauergemeinde nicht schlecht, als der Sarg in Form eines Donuts in die Friedhofskapelle zur Verabschiedung gebracht wurde. Nach kurzem Staunen brach die Versammlung ob dieses besonderen Sarges in schallendes Gelächter aus. Na, gibt es was Schöneres als eine lachende Trauergemeinde? »It overshadowed the sadness and the hard times in the last few weeks«, meinte die junge Witwe dazu und das entspräche auch genau dem Humor des Verstorbenen.

Ein Cousin des Verblichenen, Ross Hall, betreibt in Auckland die Firma »Dying Art«, die mit dem Motto »kreativer Abgang« um Kunden wirbt und so kam die Witwe auf die Donut-Idee für den Sarg für ihres Phil.

Aber es sind nicht nur Donuts, die der kreative Sarghersteller in seinem Angebot hat. Es gibt die einfachen Särge mit allen möglichen Aufdrucken, wie zum Beispiel Blumenmuster, Landschaften oder, den Hobbys der Verstorbenen entsprechend, alles vom Klavierdesign bis zu Motocross-Szenen.

Für Schokoladeliebhaber gibt es sie in Form einer (sogar in original lila) verpackten Schokorippe, für Verspielte als überdimensionale Legosteine oder für Star-Trek-Fans in Form des Raumschiffs Enterprise. Der Kreativität sind, wie es scheint, keine Grenzen gesetzt. Bei der Form eines Segelbootes, das ebenfalls im Angebot ist, bleibt unklar, ob der arme Totengräber extra tief graben muss um das Boot mitsamt dem Segel versenken zu können oder ob das Segel zu guter Letzt doch noch aus der Grabstelle herausragt.

Ein wenig plagt mich abschließend das schlechte Gewissen nach diesem heute etwas makabren FederLesen-Beitrag. Ich wollte niemand einen Gusto aufs Ableben machen, denn eines weiß ich gewiss: Dem- oder Derjenigen die da in diesem lustigen Ding drin liegen ist das Design völlig Wurscht. In diesem Sinne wünsche ich allen meinen FederLeserinnen und -Lesern ganz viel Gesundheit und ein langes Leben – nehmt euch ein Beispiel am Alter des eben verblichenen Prinz Philip – mindestens!

2021 04 19/Fritz Herzog

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