FederLesen

Auf den Hund gekommen

In diesem dritten Lockdown eine Lockdown-Geschichte zu erzählen lockt wahrscheinlich keinen Hund hinter dem Ofen hervor. Jedoch, geschätzte FederLeserinnen, bleiben sie locker am Hocker, ich berichte Ihnen heute, wie Sie auch im strengsten Lockdown die gesetzlichen Einschränkungen locker umgehen können. Gut, jetzt ist es aber genug mit lockeren Lockdown-Wortspielen, wir wollen heute ja, wie in der Überschrift ankündigt, auf den Hund kommen.

Auch im fernen Kanada gelten in diesem Lockdown strenge Regeln: Zwischen 20 Uhr abends und 5 Uhr morgens gibt es eine Ausgangssperre. Spaziergänge in dieser Zeit sind nur mit einem Hund zum Gassigehen und auch das nur im Umkreis von einem Kilometer erlaubt.

In der Stadt Sherbrooke, vermutlich irgendwo in den kanadischen Wäldern hinter den sieben Bergen, wo sich nicht nur die Füchse Gutenacht sagen, kam eine Lady auf die findige Idee, wie sie die gebotene nächtliche Ausgangssperre umgehen könnte. Sie erwarb im örtlichen Petshop eine Hundeleine (ob eine kurze oder eine Laufleine ist leider nicht bekannt), band sie ihrem innigst geliebten Ehemann um den Hals und führte diesen des Nachts Gassi. So weit, so kreativ.

Da die Polizisten von Sherbrooke, wie überall am Erdenrund, dienstbeflissen aber meistens eher spaßbefreit sind, hatten diese wenig Verständnis für die Dame mit ihrem Mann/Hund und verdonnerten sie zu der geschmalzenen Strafe von 1.500 kanadischen Dollar wegen des Übertretens der Ausgangsbeschränkungen. [Wer es ganz genau wissen will, zum heutigen Tageskurs entspricht das Euro 977,68; also nicht gerade das, was man mit der Flatulenz eines Lercherls vergleichen könnte].

Zweifellos war die Dame nicht so schlau, wie sie glaubte zu sein. Ihr Mann ging zwar an der Leine, jedoch nicht nach Hundeart auf allen Vieren. Und dass er bei jedem Laternenmast und an jeder Ecke das Bein gehoben hätte, darauf vergaßen sie (respektive er) ebenso wie auf das vorgeschriebene Mitführen ausreichender Mengen Sackerl fürs Gackerl. Ja, es sind oft Kleinigkeiten, an denen große Vorhaben scheitern.

Dabei wäre es doch ganz einfach gewesen, wie uns kürzlich Nachrichten von den britischen Inseln erreichen. Dort kamen findige (oder eher windige?) Erziehungstheoretiker dahinter, dass man auch Kinder wie einen Hund erziehen könne. Folgt das Kind gibt es ein Leckerli, folgt es nicht, gibt’s nix. Weil der Menschheit (und den Privatfernsehsendern) nichts zu blöd ist, ist die Erziehungsmethode »Train your Baby like a Dog« mittlerweile auch einem deutschen Sender eine eigene TV-Show wert.

Hätte die Sherbrooker Dame ihren Mann kindgemäß vor dem Lockdown-Gassigehen rechtzeitig und hundeschulmäßig abgerichtet, wer weiß, vielleicht wäre sie dann der Amtshandlung entgangen oder hätte zumindest bessere Argumente ins Treffen führen können. Als Leckerli hätten sich beispielsweise Schokis, oder, wir befinden uns schließlich in Kanada, ein Glas guten Bourbons angeboten. Mit Frolic hätte das bei einem Mann sicher nicht geklappt.

Sollte jetzt die Frage auftauchen, ob denn Ihr FederLeser als Mann gar kein Mitleid mit seinem kanadischen Geschlechtsgenossen habe, dann kann ich in diesem Fall nur die empathiefreie Antwort »Nein« geben. Ich möchte aber meinen FederLesern abschließend den Tipp geben, sehen Sie nach, ob Ihre Liebste vielleicht schon eine Hundeleine erworben hat. Sicher ist sicher!

2021 01 17/Fritz Herzog

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