FederLesen

Der Mann im Mond und andere nette Gesellen

»Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner vierhundert Mann starken Besatzung fünf Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt, dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.«

Erinnern Sie sich noch? Mit diesen, mit viel Pathos vorgetragenen Worten begann jede Folge der Serie Raumschiff Enterprise, auch Star Trek genannt. Egal ob Jules Verne mit seinen beiden Romanen »Von der Erde zum Mond« und »Reise um den Mond«, Raumschiff Orion (lang, lang ist’s her – Dietmar Schönherr in jungen Jahren!) oder »Star Wars« in der Form eines modernen Märchens, das außerirdische Leben scheint seit ewigen Zeiten die Menschen zu faszinieren und deshalb zu interessieren.

»Punkti, Punkti, Strichi, Strichi, ist das nicht ein Mondgesichti?« lautet schon ein alter Kinderreim anhand dessen sogar ein des Zeichnerischen völlig unbegabter Mensch wie Ihr FederLesen-Autor in der Lage ist ein Strichmännchen zu Papier zu bringen. Wie in vielen Sprüchen liegt auch darin ein Körnchen Wahrheit: die menschliche Sehnsucht nach außerhalb unser Mutter Erde beheimateten Lebewesen. So haben sich mit dem berühmten »Mann im Mond« von Wilhelm Hauff bis Gus Backus, um zwei kulturelle Antipoden als Beispiele heranzuziehen, schon zahlreiche Menschen auseinandergesetzt. Dass hier immer von einem Mann die Rede ist und nie von einer Frau, ist wohl auch dem Zeitgeist der beiden genannten Herren zu verdanken.

Seit Neil Armstrong seinen Fuß auf den Mond gesetzt hat, verliert dieser (der Mond, nicht Mr.Armstrong) jedoch an Bedeutung in der Fantasy-Welt. Fremde Galaxien und was-weiß-ich für Sterne rücken mit den eingangs erwähnten Star-Trek- und -Wars-Filmen in den Fokus der menschlichen Aufmerksamkeit. Die Marsmenschen und ähnliche grüne Männchen in fliegenden Untertassen kann ich an dieser Stelle ruhig beiseitelassen. Die Frage, warum die Männchen grün und deren Raumschiffe ausgerechnet Untertassen sein sollen, muss an dieser Stelle ebenfalls unbeantwortet bleiben.

Aber die Frage, ob es außer uns da draußen im Weltall noch irgendwo Leben gibt, scheint die Wissenschaft zu beschäftigen. Wieder einmal sind es Amerikaner, dieses Mal von der Washington State University, die untersucht haben, ob und wo Voraussetzungen ähnlich jenen unserer Erde herrschen, die Leben ermöglichen könnten. Habitabilität und in der Steigerungsform Superhabitabilität (finden Sie diese Wortschöpfungen nicht auch wunderschön?) nennen sich diese Voraussetzungen. Nicht nur das Vorhandensein von Wasser und Sauerstoff spielen da eine Rolle, sondern auch die Größe des Planeten und die seines Sternes. Wichtig ist auch das Alter des Planeten; hat der einmal mehr als acht Milliarden Jahre am Buckel, wird das einfach nix mehr mit dem Leben dort.

Und – welche Überraschung – die Forscher wurden fündig und fanden in einer Untersuchung von viertausend Exoplaneten vierundzwanzig geeignete Kandidaten. Na immerhin! Einer davon, er trägt den allerdings wenig einladenden Namen »KOI 5715.01« soll sogar Voraussetzungen haben, die weitaus besser sind, als wir sie auf unserer Erde vorfinden. Wer jetzt sagt »na dann los, nichts wie dorthin!«, den muss ich bedauerlicherweise aus seinen intergalaktischen Träumen reißen: der Typ ist zirka dreitausend Lichtjahre von uns entfernt.

2020 11 14/Fritz Herzog

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