FederLesen

Kuscheln ist fein!

Ehrlich, wer kuschelt nicht gerne? Schon unsere Urahnen, die Winter für Winter in ihren Höhlen froren, kuschelten sich zusammen um so wenigstens ein wenig Wärme zu spüren. Nicht viel anders tun wir es heute. Gut, wahrscheinlich eher nur mehr paarweise und nicht im Rudel wie die Steinzeitmenschen, aber sonst? Auch Ihr FederLesen-Autor kuschelt gerne mit seiner Liebsten und hofft, dass auch meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser ebenso jemand zum Kuscheln haben.

Jetzt erleben wir aber seit einem Jahr einen mehr oder minder permanenten Lockdown, der uns zu einem »social distancing« zwingt, welches aber in Wirklichkeit ein »physical distancing« ist. Die beinahe allwissende Statistik-Austria hat erhoben, dass es in Österreich im Jahr 2019 beinahe 1,5 Millionen Singlehaushalte gab, übrigens mit einem deutlichen Überhang bei den Frauen. Da ist also bei 1,5 Millionen Menschen in unserem Land seit einem Jahr nix mit Kuscheln. Zumindest mit dem legalen, quasi behördlich genehmigtem, Kuscheln.

Doch, dem kann abgeholfen werden. Zumindest – wieder einmal – in den USA. Wie uns die als seriös geltende Washington Post kürzlich mitteilte, gäbe es auf einer Farm für alte, kranke oder verletzte Tiere – also so eine Art amerikanisches Gut Aiderbichl – die Möglichkeit mit Rindern zu kuscheln.

Nun wird vielleicht die eine oder andere FederLeserin einwenden, sie hätte auch schon einmal mit jemand gekuschelt, der sich in weiterer Folge als Rindvieh oder gar als Hornochse erwiesen hat. Da muss ich wiederum einwenden, das gehört nicht hierher und das ist auch nicht so zu verstehen.

Aimee Takaha, die in Queen Creek in der Nähe von Phoenix/Arizona Aimees Farm betreibt, bietet neuerdings für 75 Dollar in der Stunde Kuh-Kuscheln an. Laut ihrer Aussage hat sie täglich bis zu zwanzig Anfragen von einsamen Herzen, die mit einer ihrer Kühe kuscheln wollen. Sie ist für Monate ausgebucht.

Eine ihrer Kunden, Renee Behinfar, eine alleinstehende Psychologin aus Arizona, erhielt die 1000 Kilo schwere Kuh Sammy als Objekt ihres Kuschelns zugeteilt. »It was really my first real hug of the year«, also ihre erste Umarmung seit einem Jahr, reagierte Mrs. Behinfar danach voll Begeisterung. Die Pandemie sei für sie eine Zeit beispielloser Einsamkeit gewesen, berichtete sie nach der Stunde unter Tränen und wollte Sammy gar nicht mehr loslassen, so glücklich sei sie gewesen.

Auch die Kuh dürfte Gefallen an der Nähe von Renee Behinfar gefunden haben, denn sie ist, so wird weiter berichtet, während der innigen Umarmung sanft eingeschlafen; so hatten doch beide ihre schöne Kuschelzeit. Fairerweise muss ich aber auch erwähnen, dass die Besitzerin der Farm erklärt, dass nicht jede Kuh sich gerne kuscheln lässt, aber Sammy und ein paar andere hätten das sehr gern.

Zu guter Letzt jedoch zwei kleine Warnhinweise: Bitte fahren Sie jetzt nicht auf die nächstbeste Alm und versuchen dort mit der ersten Kuh, die Ihnen über den Weg läuft zu kuscheln. Und zweitens, es soll auch vorgekommen sein, dass Menschen nach dem Kuscheln und dem damit verbundenen nahen Blick in die tief braunen Augen einer Kuh spontan zu Vegetariern geworden sind; soll mir später niemand vorwerfen, ich hätte sie oder ihn vor den Gefahren nicht gewarnt!

Sollte mit dem heutigen FederLesen Beitrag trotzdem jemand auf den Geschmack des Rinderkuschelns gekommen sein, so darf ich noch ergänzen, dass man nicht unbedingt bis nach Arizona reisen muss, um mit einer Kuh zu kuscheln. Angeblich gibt es das auch schon in den Niederlanden, dort unter dem schönen holländischen Namen »koe knuffelen«. Doch, so hofft Ihr FederLesen-Autor für Sie, dass Sie einen richtigen Menschen und kein Rindvieh zum »knuffelen« haben.

2021 03 17/Fritz Herzog

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