FederLesen

Das Geheimnis des Voynich-Manuskripts

Nur ein Schelm erkennt den Schelm! So möchte heute ihr schelmischer FederLesen-Autor seine, wissenschaftlich in keiner Weise (wieso hört man manchmal »in keinster Weise« – gibt es eine Steigerung von »kein«? kein – keiner – am keinsten?) fundierte Theorie zum sogenannten Voynich-Manuskript der geschätzten Leserschaft unterbreiten.

Doch der Reihe nach. Das Voynich-Manuskript ist ein hundertzwei Blätter umfassendes Papier aus dem 15. oder 16.Jahrhundert dessen Inhalt bis heute nicht entziffert werden konnte. Die klügsten Wissenschaftler und die größten Computer schafften es nicht, es zu entschlüsseln. Dass sich daraus eine Menge Mythen ableiten lassen, liegt auf der Hand. Für Verschwörungstheoretiker und sonstige Aluhutträger ein gefundenes Fressen.

Erwiesen ist nur, dass ein gewisser Wilfried Voynich es seit 1912 besessen hat und seine Erben es nach dessen Tod weiter verkauften und es im Wege einer Schenkung 1969 an die Yale-University in Connecticut ging, wo es bis heute alle möglichen Forscher in der Hoffnung aus der Bibliothek hervorkramen, es endlich entziffern zu können. Bis jetzt vergeblich.

Seite aus dem Voynich-Manuskript

Voynich, ein Mann mit, vorsichtig formuliert, bewegter Vergangenheit, hat es angeblich von italienischen Jesuiten erworben. Davor gab es eine ganze Reihe von merkwürdigen Vorbesitzern bis hin zu Kaiser Rudolf II., der den Titel Römisch-Deutscher-Kaiser und darüber hinaus noch so ein paar weitere schöne Titel führte, deren komplette Anführung hier den Rahmen sprengen würde. Das war so um das Jahr 1608. Ob Kaiser Rudolf mit seiner Habsburgernase und -lippe den mystischen Hintergrund der Schrift gerochen oder geschmeckt hat scheint unsicher. Dank habsburgischer »tu felix Austria nube« Politik, die auf verwandtschaftliche Verhältnisse bei Eheschließungen und den daraus resultierenden cerebralen Folgen keine Rücksicht nahm, scheint es unwahrscheinlich. Entziffern konnte er es jedenfalls nicht.

Bis hin zu den Jesuiten, den vor Mr.Voynich letzten Besitzern des Manuskripts, die trotz all ihrer Bildung und Weisheit mit dem Text in der nicht entschlüsselbaren Schrift (Geheimschrift?) ebenfalls nichts anzufangen wussten, gab es eine Menge mehr oder weniger fragwürdiger Besitzer des Manuskripts. Alles, wie gesagt, nur angeblich. Nix ist fix beim Voynich-Manuskript!

Untersuchungen ergaben zwar, dass das Papier vermutlich aus dem 15. Jahrhundert stammt. Das Alter der Tinte konnte allerdings nicht festgestellt werden, was die Theorie, es handle sich um eine Fälschung des dubiosen Mr.Voynich, untermauern sollte. Ich denke allerdings, der war nicht geschickt genug; Meisterfälscher wie Konrad Kujau war er mit Sicherheit keiner.

Wer aber war der Autor dieser Schrift? Angeblich hat man festgestellt es waren vier verschiedene. Und, wiederum angeblich, sollen es Frauen gewesen sein, genauer gesagt Nonnen. Wie man das feststellt? Fragen Sie mich nicht! Andere meinen wiederum, dass Nostradamus hinter dem Text stecke. Gut, dem wird ja alles, was irgendwie mystisch ist oder komisch klingt in die Schuhe geschoben. Aber das hat er sich mit seinen seltsam formulierten Weisheiten auch selbst eingebrockt.

Doch jetzt will ich meine FederLesen-Leserinnen und -Leser nicht länger auf die Folter spannen und meine eingangs erwähnte Theorie zu diesem Manuskript offenlegen. Wie der Schelm ist, so denkt er und damit ist für mich sonnenklar, dass sich im 16. Jahrhundert ein paar Scherzbolde einen solchen erlaubt haben und einfach einen Nonsens-Text oder eigentlich Nicht-Text verfasst haben, der nur so aussieht, als wäre er einer. Um künftige Forscher an der Nase (Habsburgernase?) herumzuführen, haben sie diesen zusätzlich mit wunderschönen Illustrationen von Pflanzen, badenden Frauen und astronomischen Darstellungen versehen. So plagen sich Kohorten von Forscherinnen und Forschern seit Jahrzehnten mit etwas herum, was einfach nur als Scherz gedacht war. Humor ist halt keine wissenschaftliche Dimension. Und die längst verstorbenen Autoren und der Mr.Voynich halten sich wahrscheinlich heute noch in ihren Gräbern den Bauch vor Lachen darüber, worüber sich manche Menschen Gedanken machen.

2020 06 06/Fritz Herzog

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