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FederLesen

Glatziologie

Nein, es geht heute nicht um Gletscher und deren trauriges Dahinschmelzen in unserer mit CO² geschwängerten Atmosphäre. Der kleine feine Unterschied zur Gletscherkunde liegt etwas verborgen im »tz« anstelle des »z«; also Glatze statt Gletscher!

Ich weiß schon, dass ich mich damit in die Riege jener Menschen einordne, die über Dinge schreiben und reden, von denen sie mangels eigener Betroffenheit rein gar nichts verstehen. Jene meiner geschätzten FederLeserinnen und -Leser, die mich persönlich kennen werden wissen wovon ich rede. Aber ich denke, da befinde ich mich nicht in der allerschlechtesten Gesellschaft bei den Besserwissern und Eh-schon-immer-Gewussthabenden. Millionen Fußballtrainer sind da ein ebenso gutes Beispiel wie die Kohorten von seit letztem Jahr aus dem Nichts aufgetauchten Virologen – lauter selbsternannte Experten!

Und noch etwas: wieder einmal komme ich zu spät, denn der Tag der Glatze wurde bereits vorgestern, am 14.Oktober – wie sagt man da? – begangen? gefeiert? Gefeiert ist wahrscheinlich das richtige Wort, denn mit Ausnahme der Friseure, die von glatzköpfigen Menschen um ihr wohlverdientes Geschäft gebracht werden, kann der Rest der Menschheit diesen Tag ruhigen Herzens feiern. Ganz besonders trifft dies naturgemäß auf die Toupet- und Perückenerzeuger zu.

Wie die meisten weltbewegenden Feiertage hat auch dieser Tag seinen Ursprung in den USA. Sie nennen ihn »be bald and be free day«, was soviel heißt wie »sei kahl und frei Tag«. Als Schöpfer dieses Festtages gilt das amerikanische Ehepaar Ruth und Thomas Roy. Welche Intention die dabei hatten, bleibt unklar, allerdings sind die beiden in Sachen aller möglichen und unmöglichen Feiertage ziemlich umtriebig. Der »be bald and be free day« ist also nicht ihr einziges Feiertagsbaby.

Aber welche Vorteile hat denn so eine Glatze außer, dass man Shampoo, Kamm und Bürste spart? Glatzköpfige – wir reden selbstverständlich immer nur von Männern – sind, so sagt die Wissenschaft, mit einer Überdosis Testosteron gesegnet, was wiederum angeblich Damenherzen höherschlagen lässt. Doch da kenn‘ ich mich nicht aus, das könnten mir meine FederLeserinnen wahrscheinlich besser erklären. Diesbezügliche Erfahrungsberichte nehme ich selbstverständlich gerne entgegen. Pablo Picasso, Yul Brynner und Telly Savalas werden da gerne als Inbegriff der glatziologischen Männlichkeit gepriesen. Dem halte ich entgegen, dass die allesamt schon verblichen sind und sich Ihr FederLesen Autor demgegenüber noch guter Gesundheit erfreut. Also wo ist der Vorteil? Okay, Jeff Bezos lebt noch und der ist, das sei neidlos anerkannt, erfolgreicher als ich es bin.

Da es nichts gibt, worüber es nicht schon eine wissenschaftliche Studie gibt, so gibt es auch eine über Glatzköpfe. Diesfalls hat man sich an der University of Pennsylvania den Kopf (kahl oder nicht) zerbrochen. Anhand von Fotos kahler und nichtkahler Männer hatten die Probanden, je etwa zur Hälfte Männer und Frauen, bestimmte Einschätzungen der Persönlichkeit vorzunehmen. Das Ergebnis war, dass glatzköpfige Männer hinsichtlich Dominanz, Selbstvertrauen, Männlichkeit, Alter, Größe und Stärke deutlich besser eingeschätzt wurden als behaarte.

Jetzt reicht es mir aber mit meinen Locken, denn schön langsam blicke ich neidvoll auf die Glatzerten! Ich halte es da viel lieber biblisch mit dem alten Samson, dessen unbändige Kraft und Stärke, so lesen wir im Alten Testament im Buch der Richter, in seiner Haarpracht lag. Und so lange meine Liebste sich nicht zu einer von Philistern bestochenen Delilah wandelt und mich der Pracht oberhalb meiner Stirn beraubt, fürchte ich gar nix. Und, ehrlich, diese Gefahr schätze ich gering ein.

2021 10 16/Fritz Herzog