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FederLesen

World Naked Gardening Day

Fast hätte ich es vergessen, was heute für ein Tag ist. Ja, ich weiß schon, es ist Wochenende und es ist Samstag, genauer gesagt der erste Samstag im Mai. Bis vor Kurzem hätte es bei mir ob dieser Information auch nicht geklingelt. Okay, es ist der Tag vor dem Muttertag, dem Tag des Hochfestes des einschlägigen Süßwarenhandels sowie der Gärtner und Floristen – wir kommen der Sache schon näher.

Doch das meine ich alles nicht. Auf die Gefahr hin, dass es für heute zu spät ist – ich weiß ja nicht wann all meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser FederLesen lesen (war das jetzt ein bissl viel »lesen« in einem Satz?). Aber machen Sie sich nichts draus, merken Sie es sich eben für kommendes Jahr und alle folgenden vor.

Der erste Samstag im Mai ist der – in der Überschrift habe ich es schon verraten – »World Naked Gardening Day«, zu Deutsch etwa der Welttag des nackten Gärtnerns (nicht der nackten Gärtner!).

Als Gartenbesitzer ist mir wohlbekannt, dass der Monat Mai, wenn die Bäume ausschlagen, wie es in einem alten Volkslied besungen wird, ein arbeitsmäßig intensiver ist. Alles wächst und blüht und gedeiht. Veronikas Spargel wächst und, wie gesagt, die Bäume schlagen aus (keine Ahnung wie beziehungsweise womit die ausschlagen). Egal, es gibt jede Menge Arbeit im Garten, gleich ob in blühender Wildnis oder auf kahl gestutztem Rasen hinter der ebenso frisierten Thujenhecke.

Aber warum sollte man das nackt erledigen? Keine Ahnung! Ehrlich! Wächst der Salat schneller oder ist er dann vitaminreicher? Wohl kaum! Blühen die Rosen prächtiger? Sicher nicht! Wozu dann als Nackerpatzl sich zwischen den Beeten tummeln, Samen streuen, Blumen pflanzen und Unkraut zupfen? Der Botanik wird das alles hoffentlich egal sein und so wie es keine positiven Auswirkungen auf das Gedeihen der Pflanzen haben wird, sind auch negative auszuschließen. Dem Gemüse ist es sicher ziemlich wurscht, ob ich es bekleidet oder unbekleidet hege und pflege.

Irgendetwas müssen sich die Gründer dieses Tages doch gedacht haben? Ich muss Sie an dieser Stelle aber enttäuschen, ich fand trotz Recherche keine Hinweise auf den Sinn des Nacktgärtners. Ja, lustig soll es sein. Einzig darauf, dass er Anfang Mai begangen wird: Im März oder im November wäre es dafür zu kalt und im Juli wäre die Gefahr eines Sonnenbrandes an heiklen Stellen zu groß. Aber sonst?

Nicht einmal die Gründer dieses Tages sind gänzlich geklärt. Kommt der Trend aus den USA – no-na: typisch für die Amis – oder, was fast plausibler klingt, waren es nicht Adam und Eva im Garten Eden, die dort als erste Menschen pudelnackert herumgeparadiesgärtnert haben?

Wesentlich erhellender als die Frage nach den Gründern sind da schon die Warnhinweise. So sollte man die Arbeit an Rosen und anderen dornigen Gebüschen an diesem Tag meiden. Ebenso das Pflücken von Brennnesseln. Auch das Pflanzen und Umtopfen von Kakteen wird an diesem Tag nicht empfohlen. Und, sollte man keinen Garten besitzen und an diesem Tag einen Besuch in einem botanischen Garten in Erwägung ziehen, dann sollte man dies schon bekleidet tun.

Eines weiß ich jedoch gewiss, auch am ersten Samstag im Mai des kommenden Jahres werden meine Liebste und ich nicht nackt in den Garten gehen. Nicht weil ich skurril-lustigen Nonsens-Tagen abgeneigt bin, aber ich will mit dem Anblick meine geschätzten Nachbarinnen und Nachbarn nicht verschrecken. Gemüse und Blumen gedeihen auch so in meinem Garten.

2022 05 07/Fritz Herzog