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FederLesen

Sommerloch und saure Gurken

Es wird meinen treuen FederLeserinnen und -Lesern nicht entgangen sein, dass ich mich zuletzt federlesenmäßig etwas rar gemacht habe. Das liegt nur bedingt an meiner Trägheit. Es ist halt Sommer und dazu gehören eben auch das Sommerloch und die Sauregurkenzeit. Diese erkennt man am besten daran, dass im Radio ständig »In the Summertime« und »Mambo No.5« gespielt wird.

Trotzdem hat FederLesen auch so etwas wie einen Bildungsauftrag und dem will ich heute nachkommen und mich einer der drängendsten Fragen dieser sommerlichen Tage zuwenden. Nein, es geht nicht um Klima, Krieg und Inflation. Derlei Fragen sollen die Fachleute des Bermudadreiecks zwischen den drei »B‘s«, nämlich Brüssel, Berlin und Ballhausplatz, klären. Ich will mich der bis dato ungeklärten Frage zuwenden, ob denn die sauren Gurken der gleichnamigen Zeit tatsächlich im Sommerloch und nirgends anders gemacht werden.

Das Sommerloch ist bekanntlich jenes Loch aus dem das Ungeheuer von Loch Ness mit einer Regelmäßigkeit hervorsteigt, dass man beinahe die Uhr – oder zumindest den Kalender – danach richten könnte. Neben jenem von Ness gibt es noch jede Menge andere Löcher auf dieser Welt, doch keines hat es zu jener Bekanntheit gebracht wie dieses. Dem dortigen Ungeheuer sei Dank.

Vielleicht noch das Loch im Rasen des Stadions, das aber so schnell wie es aufgetaucht auch wieder zugeschüttet und damit medial verschwunden ist. Wahrscheinlich mangels Ungeheuers, vermute ich. Also, es wäre doch das Mindeste gewesen, dass daraus der Geist eines Matthias Sindelar oder Ernst Happels hervorsteigt. Doch, nichts dergleichen und so ist es zu Recht in der Versenkung verschwunden (Zwischenfrage: Kann ein Loch in der Versenkung verschwinden?).

Das Sommerloch wird landläufig auch als Sauregurkenzeit bezeichnet. Ob die Fermentierung – neuerdings wird ja alles fermentiert, was nicht niet- und nagelfest ist – in besagtem Sommerloch stattfindet oder ob dazu andere Gebinde herangezogen werden, entzieht sich meiner Kenntnis. Sie merken schon, die Mode der Fermentiererei zieht ebenso an mir vorbei wie ein Gebräu mit dem komischen Namen »Kimchi«. Nix gegen Sauerkraut und andere Formen der Vergärung, wie sie beispielsweise so netten Menschen, Winzer genannt, hervorragend in der Verarbeitung von Weintrauben gelingt, aber fermentiert wird bei mir nix. »Sauer macht lustig« hin oder her und ob das Zeug gesund ist, ist mir – je nachdem – Wurscht oder Powidl.

Doch zurück zum Sommerloch und den Gurken. Letztere gibt es bekanntlich nicht nur in der Form »sauer«, sondern auch »süßsauer« und als »Salzgurken«. Trotzdem sprechen wir nur von der Sauregurkenzeit und nie von einer Salzgurkenzeit. Fragen Sie mich nicht warum!

Dabei hätten diese jede Menge Berechtigung das Sommerloch zu füllen, denn im Sommer, so erinnere ich mich, stand vor dem Stadionbad immer ein Salzgurken Verkäufer, der diese anbot und mittels einer hölzernen Zange aus seinem mit trüber Lake gefüllten Bottich fischte. Da der Mann nur sommers dort stand, war für ihn doch eher der Winter die Sauregurkenzeit; zumindest dann, wenn er das Winterloch (gibt es das neben dem Sommerloch auch?) nicht als Maronibrater füllen konnte.

Ich fürchte, ich konnte mein eingangs gegebenes Versprechen, aufzuklären, wie denn die sauren Gurken in das Sommerloch kamen, wieder nicht erfüllen. Wenn Sie, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser eine Antwort darauf haben, würde ich mich außerordentlich freuen: Beißen Sie dazu am besten in eine saure Gurke, meditieren Sie darüber im Sommerloch und hinterlassen Sie mir einen Kommentar mit Ihrem Ergebnis. 2022 07 05/Fritz Herzog