FederLesen

Jacques Cousteau

Von meinen jüngeren Leserinnen und Lesern wird sich kaum mehr jemand an Jacques Cousteau (1910 – 1997) erinnern. Er war ein französischer Meeresforscher und drehte von den Forschungsreisen mit seinem Schiff, der Calypso, zahlreiche Unterwasserfilme die, populärwissenschaftlich aufbereitet, in den Achtziger- und Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts im Fernsehen zu sehen waren. »Eintragung ins Logbuch der Calypso …«, mit diesen Worten begann bei Jacques Cousteau in seinen Filmen jedes neue Unterwasserabenteuer.

Meine geistige Logbucheintragung in Zusammenhang mit Jacques Cousteau ist jedoch eine ganz andere. Es war das Jahr 1983 und ich trat einen neuen Job in einer kleinen Tochterfirma einer namhaften Bank an. Der Geschäftsführer dieser kleinen Tochter der großen Bank wurde kurz bevor ich dort eintrat, wegen Erfolglosigkeit an anderer Stelle in diese, vermutlich für unbedeutend gehaltene, Position versetzt. Man dachte wahrscheinlich dort könne er nicht mehr allzu viel Unheil anrichten und im Übrigen ginge er ohnehin bald in Pension und dann wäre man das Problem los.

Dieser, wie gesagt mein neuer Chef damals, hatte zahllose Marotten. Eine davon war, dass ihm jeden Mittag seine Sekretärin (heute nennt man das im Glauben an mehr sprachliche Korrektheit »Assistenz«) ein Mittagessen zubereiten musste. Soweit ich mich erinnere immer nur Nudelsuppe. Und, die nächste Marotte, es mussten immer Nudeln der Marke Wolf sein. Was anderes kam für ihn nicht in Frage. Wieso? Keine Ahnung! Nach der Wolfnudelsuppe hielt er in seinem Büro ein ausgiebiges Mittagsschläfchen. Vor seiner Tür wachte zu dieser Zeit seine Sekretärin/Assistenz wie weiland Cerberus vor dem Hades, dass nur ja niemand sein Büro betrete und ihn in seiner heiligen Mittagsruhe störe. Gut informierten Quellen zufolge schlief er ausgestreckt auf dem Teppichboden – angeblich wegen seines Rückenleidens.

Für uns als seine Mitarbeiter war er zu dieser Zeit auf Tauchstation. Auf Tauchstation, wie Jacques Cousteau aus dem Fernsehen. So nannten wir diese Zeit am frühen Nachmittag auch kurz »Jacques Cousteau«.

Warum ich gerade jetzt diese alte Geschichte ausgrabe? Nun, dieser Tage, wo unser gewohntes Leben in so vielfältiger Weise zur Ruhe gekommen ist, habe ich auch manchmal den Eindruck die gesamte Welt sei auf Tauchstation, auf »Jacques Cousteau«. Nur eben mit Mundschutz statt Taucherbrille und Desinfektionsflascherln statt Sauerstoffflaschen. Und ohne Fische und Korallen und versunkenen Galeeren sowieso.

Bleiben Sie gesund und … bis auf Weiteres auch auf »Jacques Cousteau«.

2020 04 06/Fritz Herzog

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