Carbonara – Spaghetti oder Körper?
Speck, Pecorino, ein paar Eier und den ganzen Spaß unter die al dente gekochten Spaghetti rühren und fertig sind die Spaghetti al Carbonara. »Lecker« nennen es die Deutschen, unsereins sagt schlicht und einfach »guat«, oder, in der Steigerungsform, »sauguat«. Wer jetzt meint es handle sich dabei um ein seit Jahrhunderten von den italienischen Nonnas über die Mamas zu den Bambinis weitergegebenes geheimes Familienrezept, der irrt. Erst in der Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts taucht der Name auf und 1952 ist das Rezept erstmals in einem Kochbuch zu finden – noch dazu einem aus Chicago. Also nix mit alt und einer Traditionsspeise, die schon weiland Cäsar oder Nero in den Trattorien rund ums Forum Romanum zu schätzen wussten oder die, die die diversen Päpste seit Anbeginn sich von frommen Klosterschwestern im Vatikan zubereiten ließen.

Aber genug von den Spaghetti, sonst bekommen Sie, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser noch einen Appetit, laufen in die Küche oder in die nächste Pizzeria und lesen den Rest dieser Geschichte nicht. Sie wollen doch noch wissen, was ein Carbonara-Körper ist.
Aber was, um zum zweiten Teil der heutigen Überschrift zu kommen, ist ein Carbonara Körper nun wirklich? Ist er dünn wie Spaghetti, würzig wie Pecorino oder gar fett wie der Speck? Das passt doch alles nicht zusammen.
Zunächst einmal, in den Genuss eines Carbonara Körpers können, soweit ich das herausgefunden habe, nur Frauen kommen. Wir Männer müssen uns da eine andere Speise suchen. »Schweinsbraten-Kraut-Knödel-Körper« würde vielleicht passen, wäre aber als Schlagwort wahrscheinlich etwas zu sperrig und »Bierbauch« oder »Gössermuskel« beschreiben letztendlich nur einen Körperteil und nicht die männliche Gesamtheit.
Das weibliche Idealbild hat sich ja im Laufe der Zeit auch verändert. In der Antike war es ein anderes als für Rubens und wiederum anders als es in den Sechzigerjahren Twiggy vorgelebt hat und nochmal ein anderes, als heute, wo mit Silikon und Botox rundherum nachgeholfen wird, um das angebliche, von den diversen Magazinen und Influencerinnen vorgegebene weibliche Idealbild zu erreichen.
Wenn Sie mich fragen, ein Schmarren ist das eine wie das andere. Hab ich »Schmarren« gesagt? Nein, »Carbonara« wäre der richtige Begriff gewesen. Carbonara-Körper beschreibt eine Frau, die fit ist wie ein Turnschuh, regelmäßig in den Fitnessclub pilgert, die auf ihr Aussehen achtet, ohne mit künstlichen Hilfsmitteln nachzuhelfen. Also eigentlich etwas Natürliches. Oder vielleicht doch wieder nur etwas Un- oder Übernatürliches so à la Lara Croft?
Carbonara heißt es angeblich deshalb, weil Kohlehydrate und Muckies irgendwie zum Körperaufbau zusammengehören und die Erfinderin des Begriffs, die Journalistin Rabea Weihser, es mit »Stärke, Speck und gute Laune« definiert hat. Das ist für mich aber nur die halbe Erklärung. Bolognese oder Pizza oder Lasagne oder wasweißich für ein deftiges kohlehydratgeschwängertes italienisches Gericht hätte genauso gepasst. Aber von mir aus: soll es so heißen und schwuppdiwupp ist ein neuer Trend geschaffen, dem die interessierte Damenwelt hinterher hechelt und die Männerwelt hat wieder was zum Schauen und Staunen.
Warum aber »Stärke, Speck und gute Laune« nur den Frauen vorbehalten sein soll, erschließt sich mir nicht. Vielleicht also doch Schweinsbratl, Kraut und Knödel mit einem Sixpack Bier. Ob das dann allerdings für »gute Laune« in der Damenwelt sorgt, das lasse ich dahingestellt.
2026 08 10/Fritz Herzog