FederLesen

Die blauen Zonen

Mit »blaue Zonen« sind nicht jene Orte gemeint, wo freundliche Parksheriffs jenen Autofahrern, die keinen Parkschein ausgefüllt und bezahlt haben, wenig freundlich eine geschmalzenen Strafe verpassen. Es geht auch nicht um die diversen blauen Grotten oder blauen Lagunen, auch nicht ums Blaumachen am blauen Montag, nachdem man sich am Wochenende blau gesoffen hat und ebensowenig ums grün und blau ärgern und noch weniger darum jemanden grün und blau zu prügeln. Und politisch sind die blauen Zonen ohnehin nicht zu verstehen.

Nein, es geht um die fünf sogenannten blauen Zonen, die es weltweit angeblich gibt. Nein, der Begriff »angeblich« ist auch nicht ganz richtig, denn es gibt diese Regionen tatsächlich, die Frage ist nur, wie sie zu der Ehre gekommen sind und ob diese auch berechtigt ist.

Unter den fünf blauen Zonen versteht man jene Regionen der Erde, die sich dadurch auszeichnen, dass dort die Lebenserwartung der Menschen besonders hoch ist. Also jede Menge Leute mit hundert plus und so leben dort. Konkret sind das, so die Forschung des Amerikaners Dan Buettner, auf den der Begriff »blaue Zonen« zurückgeht, Okinawa in Japan, Sardinien, Nicoya in Costa Rica, die Insel Ikaria in Griechenland und Loma Linda in Kalifornien.

Bevor Sie, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser jetzt nicht weiterlesen und beginnen die Koffer zu packen, um in eine der genannten Regionen auszuwandern, haben Sie bitte noch ein bissl Geduld mit mir und lesen die paar Zeilen noch zu Ende. Vielleicht lebt es sich dort gar nicht so lustig, wie sich das zunächst anhört. Mir persönlich wäre Japan und Costa Rica ohnehin zu weit weg und Sardinien und Ikaria sind zwar schön, auf Dauer jedoch zu einsam. Den Ort in Kalifornien würde ich sowieso von vornherein ausschließen, denn dort leben irgendwelche seltsamen religiösen Sektierer und Weltverbesserer – also Spaßbremsen.

Was haben all die Regionen gemeinsam, dass die Menschen dort zuhauf so ein biblisches Alter erreichen? Alle liegen zunächst einmal in ziemlich einschichtigen Gegenden, oft auf Inseln oder Halbinseln. Sie können also davon ausgehen, dass das Leben dort ziemlich fad ist und es bis hundert wahrscheinlich langweilig werden wird. Auch die Ernährungsgewohnheiten spielen eine Rolle. Also nix mit Schweinsbratl und Schnitzel, dafür Hülsenfrüchte und Gemüse. Askese so weit das Auge reicht. Zugestanden werden grad noch ein bis zwei Gläser Rotwein am Tag, aber die vermiesen einem wiederum von der Weh-Ha-Ooh abwärts die diversen Gesundheitsapostel und Abstinenzler-Apologeten.

Sieht man noch einmal genauer hin, dann haben diese fünf blauen Zonen noch etwas gemeinsam und das hat nix mit Ernährung, Lebensweise und Lebensgewohnheiten zu tun. Wobei, Gewohnheiten? Naja, wenn man so Profanes wie unordentlich geführte Standesregister unter regionale »Gewohnheiten« oder gar Brauchtum einordnet, dann Ja. Da unterliegen schon einmal die Geburtsdaten der dort lebenden Menschen bestenfalls einer groben Schätzung und auch längst Verstorbene werden gerne statistisch ad Infinitum als quicklebendig weitergeführt – inklusive der stattlichen staatlichen Pensionen für die weniger tieftrauernden als vielmehr fröhlichen Hinterbliebenen. Besonders die Japaner dürften darin Profis sein, denn, wie eine Studie aus dem Jahr 2010 ergab, lebten 82% der angeblich über Hundertjährigen längst nicht mehr. Die Vermutung, dass an den anderen Orten der blauen Zonen ebenfalls japanische Verhältnisse herrschen, liegt nahe.

Also wieder nix mit dem Auswandern. Bleiben wir da, wo wir sind, genießen wir das Leben und – da kann ich nur von mir reden – wenn ich keine hundert Jahre alt werde, ist das auch kein Beinbruch; zumindest aus heutiger Sicht.

2026 05 03/Fritz Herzog

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten