FederLesen

Q wie QAnon vs. Q wie Quargel

Der Buchstabe »Q« ist in der deutschen Sprache bekanntlich ein eher seltenes Exemplar. Beim Scrabble gibt es dafür nur einen einzigen Stein und der bringt dafür immerhin zehn Punkte. Dabei gibt es so viele schöne Worte mit »Q«. Worte wie Quelle, Qualität oder Quaste und noch zahllose andere bis hin zu Quargel und Qual.

Apropos Quargel und Qual: Damit bin ich auch schon bei QAnon. Die quälen den gesunden Menschenverstand nämlich mit jeder Menge Quargel – für die FederLeserinnen und -Leser jenseits des Inns: In diesem Fall kann man statt Quargel auch Quark (=Topfen) sagen, auch wenn es sich vordergründig um zwei völlig verschiedenen Milchprodukte handelt – im übertragenen Sinn von Unsinn kann man Quargel und Quark gerne als Synonym nehmen.

Dieses sogenannte QAnon-Netzwerk verbreitet im Internet Verschwörungstheorien in der gesamten Bandbreite von skurril bis furchtbar und von einfach nur blöd bis hin zu brandgefährlich. Das »Q« in diesem Kunstwort steht angeblich für einen Code, der Zugriff auf die höchsten Staatsgeheimnisse zulässt und «Anon« steht schlicht und einfach für anonym. Ob die Gründungsväter (-mütter schließe ich eher aus, denn Frauen sind üblicherweise nicht so deppert) Legastheniker waren und es statt »Anon« »Onan«, benannt nach dem biblischen Entdecker des Coitus Interruptus, dem wiederum fälschlicherweise die Erfindung der Masturbation unterstellt wird, heißen sollte, ist unklar. Ausschließen kann ich in diesen wirren Zusammenhängen gar nichts.

Der ganze QAnon-Schmarren kommt wieder einmal aus den USA, dem Land der auch hinsichtlich des Irrsinnes unbegrenzten Möglichkeiten. Verbreitet über die diversen Plattformen finden sich zahlreiche Anhänger, die in ihrer Leichtgläubigkeit jeden Unfug glauben, den irgendwer absondert. Da zählen keine Fakten, da genügt es, etwas zu behaupten.

Dass QAnon früher oder später auch nach Europa übergeschwappt ist, darf weiter nicht verwundern. Meine persönliche, wenn auch statistisch nicht belegte, Theorie besagt, dass die Quote der (wie formuliere ich es höflich?), nun, ja, der eher einfach gestrickten Mitglieder der Spezies Homo Sapiens auf der ganzen Welt gleich ist. Jeden Quargel zu glauben (fast hätte ich jetzt »jeden Schas zu glauben« geschrieben, aber das schickt sich nicht) ist halt allemal simpler als zu hinterfragen und Fakten zu checken.

Ich nenne hier bewusst keine Beispiele der verbreiteten Verschwörungstheorien, denn ich will nicht einmal unbewusst zu deren Verbreitung beitragen. Teilweise sind sie auch zu ekelerregend und Ihr FederLeser will hier, bei aller Pointiertheit, der ich mich oft und gerne mit Freuden hingebe, wenigstens halbwegs seriös bleiben. Ein wenig will FederLesen ja nicht nur zur Unterhaltung, sondern, erlauben Sie mir die kleine Arroganz, auch zur Weiterentwicklung seiner Leserinnen und Leser beitragen.

Darum heute ein ganz einfacher Apell: Glaubt nicht jeden Quargel aus dem Internet! Olmütz und seine Quargel sind real und bekömmlich. Verschwörungstheorien sind hingegen irreal und schwer verdaulich. So, und jetzt habe ich Gusto auf ein Quargelaufstrichbrot.

2020 09 23/Fritz Herzog

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