Senf dazu
Zu Vielem habe ich an dieser Stelle schon meinen Senf dazugegeben, doch noch nie zum Senf selbst. Höchste Zeit also, zum Senf selbigen hinzugeben und ihm auf diese Weise zu FederLesen-Ehren kommen zu lassen. Doch zunächst zur Frage warum gibt man Senf dazu? Ich meine da nicht jenen zum Burenhäutl oder Leberkäs am Würstelstand, wo nur die Frage »schoaff oda siaß« beantwortet werden muss. Ich meine jene Zeitgenossen, fast ausschließlich männlichen Geschlechts, die zu Allem und Jedem glauben einen Kommentar abgeben zu müssen oder mit ihrem Wissen prahlen, welches sich oft genug nur als ein Halb- oder Viertelwissen erweist. Doch will ich es heute versuchen, auch wenn mein Wissen diesbezüglich nur bescheiden ist.
Nein, heute geht es um den Senf, den es fast ausschließlich in Tuben und nur selten im Glas verpackt gibt. Doch wächst der Senf nicht in Tuben, nein das zermahlene Senfkorn wird mit Essig, Zucker Salz und anderen Gewürzen zu einem Gatsch vermanscht und kommt dann erst in die Tube.

Schon in der Bibel steht geschrieben, dass aus dem Senfkorn, einem der kleinsten Samenkörner eine riesige Pflanze werden kann; so groß, dass darin die Vögelein zwitschern können. In Wahrheit gibt es viel kleinere Samenkörner und so riesengroß wird die Pflanze auch nicht (maximal 2 Meter). Aber so genau haben es die drei Evangelisten, die uns diese Geschichte unisono erzählen auch wieder nicht genommen. Schließlich handelte es sich bei ihnen um fromme Gottesmänner, die uns das Himmelreich erklären wollten und nicht um Biologen.
Durch die biblische Aussage, »kleiner« Samen, »großer« Baum, »Vöglein zwitschern«, kam der Senf seit Alters her in den Ruf ein Aphrodisiakum zu sein. Na, aber Hallo – her mit dem Senf! Ob es tatsächlich so ist, weiß ich nicht, aber schon im Mittelalter haben Mönche herausgefunden, dass Scharfes, wie eben der Senf, scharf macht. Etwas, dass es für die zahlreichen gottesfürchtigen Mönchleins zu verhindern galt. Die, respektive deren Obrigkeit, hatten eher das Gegenteil im Sinn und so aßen sie lieber Mildes und lebten nach dem Wahlspruch »Salat ist gut fürs Zölibat«; zumindest theoretisch und über den Rest schweigen die Chroniken und folglich wir auch.
Genauere wissenschaftliche Untersuchungen der Eigenschaften des Senfs, jenseits der mittelalterlich-klösterlichen Forschungen, sind mir nicht bekannt, aber wenn Scharfes tatsächlich scharf macht, wäre Dijon- oder Englischer-Senf dem Kremser- (dem »Siaßn«) oder dem Estragonsenf vorzuziehen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.
Die Frage, warum nicht gleich Chili der Schärfe acht bis zehn und nicht den im Vergleich dazu milden Senf zum Scharfmachen der Partnerin, des Partners verwenden, ist hingegen leicht erklärt. Bei einer Nummer 69 oder ähnlichen erotophilen Verrenkungen würde sich die Schärfe des Chilis mit Sicherheit kontraproduktiv auf die Freuden des Partners oder der Partnerin auswirken (an dieser Stelle, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser, bitte das Kopfkino ausschalten!). Übertreiben wir es also mit den Scharfmachern nicht und bleiben wir lieber beim Senf, dass es nach dem »Schoafn« ganz süß werden möge.
2026 08 19/Fritz Herzog