Emil und …
Alle reden von Emil, FederLesen auch. Was sind schon Teuerung, Krieg in der Ukraine oder die Seltsamkeiten des Orangen aus dem Weißen Haus gegen einen Emil. Emil der Elch. Zugewandert in heimische Gefilde beschäftigt dieses Nordlandtier seit Tagen sämtliche heimischen Medien und generiert Schlagzeilen, die jeden politischen Gschaftlhuber, wurscht welcher Fraktion, vor Neid erblassen lassen. So durchwandert er halb Niederösterreich. Was er auf seiner Sightseeing-Tour bisher sah? Wenn man den Fotos im Internet glauben darf, waren es Landstraßen, Tankstellen, Einkaufszentren und sonst noch was.
So erfreut sich der Emil seines Lebens. Als sich vor einigen Jahren ein Elch ebenfalls nach Österreich verirrt hatte, war diesem leider nur ein kurzes Leben beschieden. Ein fröhlicher Jägersmann verwechselte ihn mit einem Wildschwein und … Bumm … war es um ihn (den Elch, nicht das Jägerlein) geschehen. Ob der (diesfalls das Jägerlein) nach dem Blattschuss und dem Halali zum Augenarzt musste, ist nicht überliefert. Sinnvoll wäre es gewesen.

Dabei gibt es zahlreiche Emils, die diesen verirrten Elch bei Weitem überstrahlen. »Emil und die Detektive« zum Beispiel. Jenes Kinderbuch des großen Erich Kästners, mit der Geschichte des Buben, dem in Berlin das Geldtaschl gefladert wird und der sich mit Freunden auf die Suche nach dem Dieb begibt, bis sie diesen zur Strecke, sprich zur Polizei, bringen können. Wahrscheinlich wird das Buch heute kaum mehr gelesen, die Generation des FederLesen-Autors-plus, wird sich jedoch mit einiger Sicherheit erinnern.
Oder Emil Steinberger, jener Schweizer Kabarettist, bekannt nur unter seinem Vornamen »Emil«, der schon Jahrzehnte bevor Hazel Brugger den Satz prägte »Schweizer haben keinen Humor, die haben Geld« deren Feststellung auf seine Art widerlegt hat. Neben dem Schwyzer Humor hatte er uns auch noch ein bissl das Schwyzerdütsch nähergebracht.
Oder Emil Zatopek, der legendäre tschechische Langstreckenläufer der Nachkriegszeit, der durch die Gegend hirschte wie ein Elch und zu seiner Zeit alles gewann, was es zu gewinnen gab. Der Nurmi seiner Zeit, sozusagen.
Wer es etwas ernster haben will, wie wäre es mit Émile Zola? Aktueller denn je! Das 21. Jahrhundert harrt noch auf seinen Émile Zola, der so etwas wie »J’accuse« verfasst, das die Zustände des Weltgeschehens rings um uns aufgreift und angreift. Ich fürchte, bevor das geschieht, haben wir eher eine ganze Elchherde im Tullnerfeld oder im Weinviertel.
Von Zola und »J’accuse« ist es nur ein kurzer Weg zu Gotthold Ephraim Lessing und dessen Drama »Emilia Galotti« (ja, neben der männlichen Form muss an dieser Stelle auch eine »Emilia« her). In diesem Klassiker der Aufklärung (nebstbei: auch die hätten wir wieder einmal dringend nötig) geht es um den Zwiespalt des Lebensstils des Adels (aktuell würde man sagen: der Superreichen Oligarchen) und jenem des Bürgertums (aktuell: des »kleinen Mannes« oder das, was früher einmal Proletariat genannt wurde). Auch hier eine topaktuelle Emil(ia).
So, jetzt ist aber genug des Ernstes, FederLesen soll doch der Erheiterung dienen und außerdem geht es um Emil und nicht um Ernst. Was wünsche ich Elch Emil? Möge es ihm auf seiner Reise durch Niederösterreich gut gehen und möge er bald seine Emilia treffen und alles nur keinen schlecht sehenden Jägersmann.
2025 08 31/Fritz Herzog