FederLesen

Lob der Faulheit

»Schaffe, schaffe Häusle baue und ned nach de Mädle schaue« singen die Schwaben und »Dann wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt« tönte vor vierzig Jahren die deutsche Band »Geier Sturzflug«. »Ohne Fleiß kein Preis« sagt ein altes Sprichwort, das uns schon zur Schulzeit eingetrichtert wurde und dass gilt »Müßiggang ist aller Laster Anfang« gibt dem Ganzen dann obendrauf auch noch einen moralischen Anstrich.

Es muss folglich was dran sein am »schaffen« und am »in die Hände spucken« und damit am Fleiß, der angeblich den Preis brächte. Was der Preis ist, ob das Haus im Grünen und das neueste Auto oder doch das Burnout und der Herzkasperl, die Antwort darauf bleibt offen.

Dass allgemein den Deutschen und da wiederum besonders den bereits erwähnten Schwaben eine große Portion Fleiß nachgesagt wird, ist bekannt, hat doch sogar einmal ein deutscher Finanzminister die schwäbische Hausfrau als Vorbild für den Staatshaushalt herangezogen. Dass das volkswirtschaftlicher Humbug war, soll hier nur der Vollständigkeit erwähnt werden – nicht alles was hinkt ist bekanntlich ein Vergleich, oder so ähnlich.

Andererseits gelten die Menschen in südlicheren Gefilden bei uns gemeinhin, wenn auch ungerechterweise, als wenig fleißig, gar träge. Auch das ist natürlich Humbug, aber man hört es dann und wann.

Was mir bis dato unbekannt war, dass den Montenegrinern unter den angeblich Faulen eine ganz besondere Faulheit nachgesagt wird. Doch, so schlimm kann es nicht sein und sie dürften auch ein pfiffiges Völkchen mit einer ordentlichen Portion Humor sein, denn sie machten aus der Not eine Tugend und erfanden den Wettbewerb der Olympischen Spiele der Faulheit.

In einer Scheune im Dorf Brezna rittern fünf Finalisten – drei Frauen und zwei Männer – seit einem Monat um den Titel des Faulheitsolympiasiegers, einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde und das Preisgeld von tausend Euro; den bisherigen Rekord haben die fünf längst gebrochen.

Den Tag verbringen sie liegend in dieser Scheune. Alle acht Stunden dürfen sie für fünfzehn Minuten aufstehen und das war es dann auch schon mit den Aktivitäten.  Der Wettbewerb erfolgt unter strenger Aufsicht, damit keiner auf die Idee kommt zu schummeln. Auch medizinische Betreuung ist gewährleistet.

Ein Kandidat hat in der Zeit sogar abgenommen – Faulheit als Diät wäre einmal etwas völlig Neues und lässt einen die oft seltsamen Diättipps aus den diversen Magazinen und Zeitungen hinterfragen. Die der Fitness-Gurus sowieso.

Wie der Wettbewerb ausgeht und wer als Sieger daraus hervorgehen wird, ist zur Zeit, da ich diesen Text schreibe, nicht bekannt. Noch sind alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer wild entschlossen durchzuhalten und weiter zu machen. Halten wir ihnen die Daumen.

Und die Moral von der Geschicht‘, die überlasse ich an dieser Stelle meinen geschätzten FederLeserinnen und -Lesern selbst. Um dahinter zu kommen, muss man sich keine fünf Wochen mit Nichtstun ins Bett legen. Heute ist Sonntag und so wünsche ich Ihnen – vielleicht erinnern Sie sich noch an den Hit der »Small Faces« – einen wunderschönen »Lazy sunday afternoon, I’ve got no mind to worry, close my eyes and drift away«. Einfach mal ein bissl faul wegdriften kann nie schaden.

2023 09 24/Fritz Herzog

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