FederLesen

Peter Henisch: Nichts als Himmel

Der österreichische Autor Peter Henisch, bekannt geworden in den 70er Jahren mit Werken wie »Der Baronkarl« oder »Die kleine Figur meines Vaters« und zahllosen anderen Büchern seither, hat mit »Nichts als Himmel« kürzlich seinen jüngsten Roman veröffentlicht.

Paul Spielmann, der Protagonist des Romans, ist ein ehemaliger Lehrer und Musiker aus Wien, den die Coronazeit in eine Lebenskrise geführt hat. Um wieder zu sich selbst zu finden bietet ihm ein befreundetes Paar an, er könne einige Zeit ihre leerstehende Wohnung in San Vito in der Toskana benützen. Die Zeit vertreibt er sich, neben Gesprächen mit verschiedenen Bewohnern des Ortes, mit Beobachtungen und dem Fotografieren von Vögeln, ganz besonders aber des Himmels und seinen verschiedensten Wolkenformationen.

Bis in diese idyllische Beschaulichkeit eines Tages ein fremder Mann über das Dach kommend auf seiner Terrasse erscheint. Der Mann stellt sich als Abdallah vor, behauptet er sei Bootsflüchtling aus Afrika, hätte eine Zeit in Riace in Kalabrien gelebt, wo der dortige Bürgermeister Domenico Lucano das Flüchtlingsprojekt »Stadt der Zukunft« initiiert hat. Dort lebte Abdallah bis zur gerichtlichen Auflösung des Projekts und der Inhaftierung des Bürgermeisters durch die italienische Rechtsregierung Salvini. Danach schlug er sich mangels anderer Möglichkeiten als Drogenhändler durch, saß im Gefängnis, von wo er direkt nach San Vito und in die Arme Paul Spielmanns geflohen sei.

Paul lässt Abdallah bei sich wohnen und trotz anfänglicher Skepsis und Distanz freunden sich die beiden Männer an. Der Roman endet, dass Abdallah durch die Hilfe einer Nachbarin die Möglichkeit erhält nach Deutschland weiter zu reisen.

Das ist kurz beschrieben der Inhalt, aber was Peter Henisch so brillant gelungen ist, ist Vieles mehr. Da ist einmal eine Liebeserklärung an die Toskana und den Ort, der im Buch San Vito genannt wird, hinter dem sich aber tatsächlich San Quirico d’Orcia verbirgt, in dem Peter Henisch einen Teil des Jahres lebt. Beschrieben wird unter anderem der für diesen Ort berühmte Horti Leonini, ein von Domenico Leonini, einem Freund Michelangelos, im Jahr 1580 angelegter Renaissancegarten.

Es ist aber auch eine Geschichte des Projekts »Stadt der Zukunft« wo eine kleine, vom Aussterben bedrohte Ortschaft in Kalabrien mit Hilfe von angesiedelten Bootsflüchtlingen versucht hatte, das Fortleben der Gemeinde zu sichern. Und es ist die Geschichte des engagierten und zu internationalen Ehren gekommenen Bürgermeisters Domenico Lucano, der trotzdem von der italienischen Regierung angeklagt, seines Amtes enthoben, verurteilt und aus seiner Gemeinde verbannt wurde.

Letztendlich ist es auch eine Geschichte der Coronakrise und was diese mit den Menschen gemacht hat; eben am Beispiel des Lehrers und Musikers Paul Spielmann.

Ganz schön viel hat Peter Henisch da auf 230 Seiten hineingepackt. Es ist ein aktuelles Buch, es ist ein politisches Buch, ein Buch das nachdenklich macht, es ist aber auch ein Buch über die Schönheit Italiens und ganz besonders der Toskana. Was will man als Leser mehr: Ganz große FederLesen Leseempfehlung.

2023 10 13/Fritz Herzog

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