Pizza mit Allem
Wer kennt sie nicht, die Pizza? Kaum jemand, der sie nicht mag und wahrscheinlich überhaupt niemand, der nicht je eine verspeist hätte. Sei es eine üppig belegte aus dem Holzofen mit knusprigem Rand in der Pizzeria des Vertrauens. Sei es eine lätscherte Lieferservicepizza aus dem Pappkarton oder sei es eine lauwarme Pizzaschnitte im Stehen an einem Würstel-Kebab-Pizza-Noodle-Standl bei einer U-Bahn Haltestelle. Oder vielleicht eine Tiefkühlpizza, die man schnell ins Backrohr schiebt (Kleiner Tipp: Der auf der Packung angebrachte Hinweis vor dem Backen die Plastikfolie zu entfernen, wird sich bezüglich des Geschmacks und der Konsistenz als sinnvoll erweisen).
Die letzte Variante, nämlich selbst einen Germteig anzurühren – angeblich kommt’s dabei auf das richtige Mehl an – auszuziehen, auf das Backblech zu platzieren und wunschgemäß und individuell zu belegen, wird gelegentlich auch angefertigt, wird aber statistisch gesehen eher vernachlässigbar sein. Das ist nur was für Hobbyköchinnen und -köche sowie für ausgesuchte Pizzaaficionados
Was, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser ist Ihre Lieblingspizza? Soll der Teig dünn oder eher fluffig sein? Zweifellos soll der Rand knusprig sein, ihn jedoch mit Knoblauch zu bestreichen halte ich für eine Unsitte; Derartiges sollte den Langos vorbehalten bleiben. Ein Langos ist schließlich keine Pizza und umgekehrt. Und was ist Ihr Lieblingsbelag? Da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Von Standards wie Prosciutto und Salami bis hin zu allen möglichen oder vielmehr unmöglichen Auflagen –zu letzteren komme ich noch – ist (fast) alles erlaubt.
Da es beinahe für alles auf der Welt Rankings gibt, konnte selbstverständlich auch die Pizza nicht »ungerankingt« davonkommen. Ein deutsches Marktforschungsinstitut hat kürzlich im Auftrag eines Lieferservicedienstes (ja, so einer mit den lauwarmen Pappkartonpizzen!) erhoben, welche die besten Pizzerien der Welt sind. Keine Überraschung, die beiden ersten Plätze belegten je ein Lokal aus Neapel, der Heimatstadt der Pizza, und aus Caserta, einer Kleinstadt etwas nördlich von Neapel. Dahinter tummeln sich Pizzerien aus aller Herren Länder. Platz 17 wird übrigens von einer österreichischen Pizzeria belegt und, nein, ich verrate nicht wer und wo die ist – FederLesen ist schließlich werbungsfrei, ich verrate nur: in der Josefstadt in Wien; Genaueres können Sie gerne googeln.
In einem Aufwaschen wurde dann auch gleich erhoben, welche Belegungen den deutschen Gaumen denn die liebsten seien. Da führt die Salami vor dem Thunfisch, gefolgt von der Pizza Margherita (Büffelmozzarella) und der Diavolo, also der teuflisch scharfen mit Pfefferoni und womöglich noch Tabascosauce drüber.
Doch auch dieses Ranking ist nicht frei von pizzologischen Untaten, die jedem echten Neapolitaner die Galle hochgehen und die Haare zu Berge stehen ließen. Auf Platz sieben (wohlgemerkt, es handelt sich um ein deutsches Ranking und die deutsche Küche hat ja angeblich ihre Vorzüge nur, wenn man die englische kennt) liegt die Pizza Hawaii; wer’s nicht weiß, das ist die mit einer Scheibe Dosenananas belegte. Und auf Platz acht eine Pizza – ich zitiere das Ranking wörtlich: »Pizza Gyros, Dönerfleisch, Sucuk oder Hot-Dog«. Ich lasse das alles lieber unkommentiert, Gusto und Ohrfeigen sind bekanntlich verschieden und jeder und jede soll nach seiner Fasson glücklich und satt werden. Mahlzeit und buon Pranzo!
2023 10 18/Fritz Herzog