Kryo und die Unsterblichkeit
Ob es in den USA eine Vorschrift gibt, dass Personen mit üppigst ausgestattetem Bankkonto schrullig, um nicht zu sagen meschugge, sein müssen, weiß ich nicht. Da ist beispielsweise der Typ mit dem orangefarbigen Haar, der noch immer glaubt er sei der Kaiser von China (oder war’s der Präsidentenjob?). Oder jener mit dem Elektroautomobil und seinem Weltraumfaible, der gerade mit lautem Gezwitscher eine ehemalige Zwitscherplattform gegen die Wand fährt. Alle die sprechen für diese These. Neuerdings reiht sich noch einer in diese illustre Runde ein. Bekannt geworden ist jener hierzulande, seit er einem ehemaligen österreichischen Politiker, dessen Name mir zwischenzeitlich entfallen ist, zu einem Job verholfen hat.
Jener amerikanische Multimillionär träumt laut Medienberichten neuerdings von der Unsterblichkeit. Jetzt könnte man leichtfertig sagen »träum weiter«, aber der Mann meint es ernst und siehe da, das geht anscheinend wirklich. Der Spaß ist nicht ganz billig – um 200.000 Euro ist man dabei – und nennt sich Kryokonservierung. Da der Begriff »Kryo» aus dem Griechischen kommt und etwa soviel wie Frost bedeutet, könnte man meinen es sei eine Art postmortal-pränatale Tiefkühlung. Doch so einfach ist die Sache nicht, denn wer will schon irgendwann wieder erweckt werden und so verschrumpelt und vertrocknet aussehen wie der Ötzi? Der vom Gletscher, nicht der DJ!

Wenn ich das Verfahren richtig verstanden habe, steht unmittelbar nach dem Ableben die Organisation auf deren Konto brav einbezahlt wurde bereit – ohne aus Pietätsgründen näher darauf einzugehen denke ich, dass das schnell gehen muss ehe gewisse natürliche Prozesse einsetzen – übernimmt den Körper des Verblichenen, zapft das Blut ab und ersetzt es durch ein spezielles Medium. Danach geht’s ab in die Tiefkühltruhe bei minus 196°. Aufgeweckt wird man, so die Vereinbarung, wenn die Wissenschaft so weit ist jene Krankheit, die seinerzeit zum Tod geführt hatte, zu heilen.
Funktioniert es – Hollodaro – steigt man frisch wie Lazarus aus der Gruft aus der Tiefkühltruhe heraus und das ewige Leben ist gesichert. Funktioniert es nicht – shit happens, Pech gehabt, hat man einen Haufen Geld vergeblich ausgegeben, was in dem Fall allerdings bedingt durch das Nichtaufwachen auch schon egal wäre und maximal die Erben verärgern kann. Ich denke, dass es keine »Geld-zurück-Garantie« gibt, steht wahrscheinlich im Kleingedruckten der Vereinbarung.
Wahrscheinlich steht im Kleingedruckten auch, dass überhaupt jede Aufwachgarantie ausgeschlossen ist. Ich will an dieser Stelle gar nicht viel spitzfindig herumjuristern, soll jeder oder jede Verträge abschließen wonach ihm oder ihr der Sinn steht; solange kein Dritter geschädigt wird, ist es wurscht.
Doch, meine geschätzten FederLeserinnen und Leser, wie halten Sie es mit dem Wunsch nach Unsterblichkeit? Ist das erstrebenswert irgendwann aufzuwachen und man kennt keine Sau mehr? Lauter fremde Menschen in einer fremden Umgebung? Also ich hüpfte da gleich freiwillig in die Tiefkühltruhe zurück.
Was mich betrifft kann ich sowieso nur sagen, dass abgesehen davon, dass ich keine 200.000 Euro besitze, ich für mich die Unsterblichkeit nicht für erstrebenswert halte. Sigmund Freud soll angeblich gesagt haben, als man ihn fragte ob er sich Unsterblichkeit wünsche, dass ihn bereits der kleinste Stockschnupfen von diesem Wunsch heile. Ehrlich gesagt, ich sehe das genauso.
2023 11 18/Fritz Herzog