Weihnachten, der Planet Merkur und die Diamanten
Auch wenn es uns jedes Jahr aufs Neue überrascht, Weihnachten naht, Sie werden es nicht für möglich halten und damit stellt sich die ewige Frage, wem schenke ich was. Mit dem Last-Minute-Shopping wird es heuer etwas schwierig, da der 24. Dezember auf einen Sonntag fällt und die Geschäfte geschlossen sein werden. Es sei denn Sie finden etwas im Tankstellen-Shop. Wäre aber nicht einfallsreich, sage ich mit dem Blick auf das dortige Sortiment.
Aber, meine geschätzten FederLeser (die -Leserinnen sollen kurz wegschauen), wie wäre es mit ein bissl Luxus? »Diamonds are a girl’s best friend« hauchte Marilyn Monroe schon Anno Neunzehnhundert-was-weiß-ich. Sie können dafür ins sogenannte »Goldene Quartier« in Wien gehen (zumindest solange es das noch gibt), dort vorbei an diesen wuchtigen Türstehern, die in jedem drittklassigen Mafia Thriller den Killer spielen könnten und eines dieser aufgemotzten Geschäfte betreten. Die haben sicher passendes – jedenfalls für übergroße Brieftaschen und unbegrenzte Limits auf den Kreditkarten.

Es tun sich allerdings neue Optionen auf um an die von der Monroe besungenen Diamanten heranzukommen. Gut, ich gestehe, für die heurigen Weihnachten wird sich das nicht mehr ausgehen, aber vielleicht ist es für 2024 eine Option.
Der Geologe und Planetenforscher Kevin Cannon von der »Colorado School of Mines« glaubt festgestellt zu haben, dass auf dem Planeten Merkur 16 Billionen Tonnen Diamanten herumkugeln. (Äääh, 16 Billionen? Das ist ein 16er mit hinten dran 15 Nullen – alles klar?). Dieses, auf einer Computersimulation beruhende Forschungsergebnis präsentierte er heuer auf der Lunar and Planetary Science Conference in Texas.
Entstanden sein sollen die Glitzersteinchen vor etwa vier Milliarden Jahren durch heftige Kometeneinschläge am Merkur. Da dessen Oberfläche hauptsächlich aus Grafit besteht und Diamanten nichts anderes als Kohle sind, die unter hohem Druck zu dem werden, was sie dann sind; nämlich best friends der girl’s, um nochmals Marilyn Monroe zu Wort kommen zu lassen.
Na bitte, da werden doch ein paar Klunker für Ihre Liebste dabei sein. Sei es für einen Ring, eine Kette oder ein Ohrwaschel Gehänge. Broschen sind, so glaube ich nicht mehr ganz zeitgemäß und nur mehr für etwas antiquiertere feine Damen. Und es muss auch nicht gleich ein Nachbau des verschollenen Hortensia-Diadems sein, irgendwas kleines Feines, oder so, genügt.
Ich weiß schon, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser, Sie finden jetzt sicher gleich das Haar in der Suppe und werden herummosern, dass der Merkur erstens für einen X-Mas Shopping-Trip ein bissl weit weg ist (durchschnittlich so zirka 75 Millionen Kilometer) und es zweitens dort auch zu heiß oder zu kalt (zwischen −173 °C und +427 °C) zum Steine suchen ist.
Ja, wenn man sich von solchen Bagatellen beim Weihnachtseinkauf abhalten lässt, dann bleibt für das Geschenk an die Liebste wieder nur eine Bonboniere, der x-ste Schal oder die grünen Gutscheinmünzen in der Hoffnung, dass sie sich sexy Dessous darum kauft und nicht einen Feinripp Liebestöter für kalte Wintertage.
Doch, wieder nix, die schlechte Nachricht kommt zum Schluss: Kevin Cannon hat zuletzt auch eingestanden, dass die merkurischen Diamanten wahrscheinlich nur über Industriequalität verfügen, sich also bestenfalls für Schneidwerkzeuge oder ähnliche Zwecke eignen würden. Na, vielleicht liegt dann wenigstens für ihn ein neuer Winkelschleifer mit oder ohne Diamant-Trennscheibe unter dem Christbaum. Flex statt Klunker? Eine Alternative?
2023 12 13/Fritz Herzog