Ein Fetisch gefällig?
Nichts liegt mir ferner als hinter die verschlossenen Schlafzimmertüren meiner geschätzten FederLeserinnen und -Leser zu blicken und nachzusehen ob, was und wie es dort zugange geht. Ob in der Art der Missionare oder doch eher konträr, ob mit oder ohne diverse Utensilien, in trauter Zweisamkeit oder gar im Rudel, das alles hat mich nicht zu interessieren und interessiert mich auch nicht. FederLesen ist auch kein Beziehungsratgeber, weder für intime, noch für andere Dinge. Das überlasse ich einschlägigen Medien, die uns in der Tradition des legendären Dr. Sommer aus den Bravo-Heftln seit undenklichen Zeiten mit Tipps und Tricks für unser Beziehungsleben zur Seite stehen.
FederLesen hat aber so eine Art selbst gestellten Bildungsauftrag und berichtet deshalb an dieser Stelle regelmäßig von neuen Trends und Entwicklungen. Nicht immer ganz ernst.
Nicht jeder und jede hat einen Fetisch, oder doch? Ich weiß es nicht so genau, es geht mich wie gesagt auch nix an, jedenfalls macht sich in den Weiten des Internets jemand die Mühe jährlich zu erheben welcher Fetisch gerade im Trend liegt und wofür es die meisten Anfragen in den einschlägigen Suchplattformen gibt. Und das – siehe Bildungsauftrag – will ich Ihnen nicht vorenthalten.
Dem jüngst hinter uns gebrachten Jahreswechsel verdanken wir die Kür des Fetisch‘ 2024. Es handelt sich um die sogenannte Macrophilie. Was das ist, dazu komme ich gleich. Früher einmal war sie nicht einmal unter den Top 50, schaffte es erst 2017 unter die Top 20 und hat sich 2024 endlich auf Platz eins vorgearbeitet. Das nenne ich eine Karriere!

Um Sie nicht länger auf die Folter zu spannen, bei der Macrophilie handelt es sich um den Wunsch nach Beziehung mit einer Riesin oder einem Riesen – je nachdem. Fragen sie mich jetzt bitte nicht wie das in der Praxis funktionieren soll. Erstens, wie definiert man Riese? Und zweitens weiß ich nicht ob bulgarische Kugelstoßerinnen als begehrenswert gelten. Wahrscheinlich ebenso wenig wie amerikanische Basketballspieler.
Tatsächlich dürfte es den Wunsch nach einem Riesen oder einer Riesin vielfach geben – die Anzahl von Anfragen an Suchmaschinen lügen nicht und siehe da, auch ich hab‘ den Begriff gegoogelt. Rein zu Recherchezwecken, versteht sich! So titelte beispielsweise das Zeitgeist- und Lifestyle Magazin Vice fast schon ein wenig marktschreierisch »Godzilla im Bikini« über einem Artikel zum Thema Macrophilie und zählt gleich zahlreiche Beispiele auf:
Von »Tom und Jerry» über »Alice im Wunderland« bis zu »Bezaubernde Jeannie« und, ja, nicht zu vergessen, »King Kong« ist von lustig über unterhaltsam und märchenhaft bis gruselig alles in der Märchen- und Filmgeschichte zu finden, wo Großes und Kleines zu einem Paar wird. Den »Rübezahl« würde ich noch hinzufügen. Oder, wer Science-Fiction Filme mag, kennt vielleicht auch so cineastische Trash-Schinken wie »Village oft the Giants« oder »Angriff der 20-Meter-Frau«. Dass diese Filme nie in die Nähe der Oscar-Verleihung kamen spielt keine Rolle, aber sie offenbaren, dass bei vielen Menschen anscheinend doch eine gewisse Sehnsucht nach Größe und – jetzt sprech‘ ich es endlich aus: Dominanz und dominiert werden, vorhanden ist.
Meine Küchen-Psychologie lasse ich jetzt besser im Kuchlkastl und breite mich da gar nicht weiter aus wie denn das so sei mit Groß und Klein. Warum gerade jetzt, 2024, die Macrophilie, der Wunsch nach Größe, nach Dominanz so in den Vordergrund rückt, vielen Meschen scheinbar ein Traum, ein Fetisch ist, wäre sicher auch eine (gesellschafts-)politische Frage und diese zu beantworten, davon lässt FederLesen bekanntlich die Finger.
2024 01 09/Fritz Herzog