Happy Birthday Arschgeweih
Erstmals urkundlich erwähnt wird der Begriff »Arschgeweih« in einer Aussendung der APA im März 1999. Die besagte Körperverzierung gab es schon vorher, aber damals wurde der Begriff zum ersten Mal verwendet. Einer Legende nach – keine Ahnung ob wahr, ob unwahr, aber gut erfunden – prägte den Begriff ein Tattoostecher aus der Steiermark; er hat verabsäumt den Begriff markenrechtlich schützen zu lassen und darum ist er heute Allgemeingut. Wie auch immer es war, das Arschgeweih feiert heuer seinen 25. Geburtstag. Ein Grund zu feiern?

Was aber noch schlimmer ist, Anno Domini 2024 feiert es fröhliche Urständ am Rückenende junger, jüngerer und jung gebliebener Damen. Ein Revival, auf das die Menschheit auch problemlos hätte verzichten können. Sei’s drum, Moden kommen, Moden gehen, das Arschgeweih bleibt unverändert an Ort und Stelle.
Habe ich geschrieben »bleibt unverändert«? Ohne ins Detail gehen zu wollen, schließe ich nicht aus, dass so manches, vor 25 Jahren gepeckte stolze Geweih sich im Laufe der Jahre, der Schwerkraft und der Seneszenz folgend, sich sukzessive mehr in eine Trauerweide verwandelt hat. Glück für die Trägerin desselben (Träger gibt es meines Wissens keine oder nur vernachlässigbar wenige), dass sie dieses nie zu Gesicht bekommt, befindet es sich doch an einer Stelle, wo man bestenfalls mit Verrenkungen, nach jahrelangem Yoga-Training oder mit Hilfe eines Spiegels hinsehen kann. Der mehr oder minder erfreuliche Anblick bleibt also dem Rest der Menschheit vorbehalten; im Bad oder beim Bücken knapp oberhalb des Maurerdekolletés.
Ich will mich an dieser Stelle gar nicht weiter in die Sache … ääh … wie sagt man? vertiefen? Drum hör ich auch schon auf, denn vielleicht hat ja so manche meiner geschätzten FederLeserinnen ein solches und könnte mir ob meiner Auslassungen gram sein. Und bei meinen ebenso geschätzten FederLesern will ich das Kopfkino auch nicht weiter strapazieren.
Die Geschichte der Tattoos ist uralt. Als Körperkunst kannten es schon die Urvölker. Später dann waren es Matrosen, die sich das Bild eines nackten Mädchens auf den Arm stechen ließen, so als eine Art ständig bei der Hand befindliches Pornoheftl. Da es in Österreich bekanntlich wenige Matrosen gibt, galten Tattoos, die übrigens früher einmal Tätowierung hießen, bei uns auch als Hinweis, dass der Träger einmal durch schwedische Gardinen gesiebte Luft irgendwo zwischen Stein und der Karlau geatmet hat; Tattoos blieben lange Zeit der Halbwelt vorbehalten.
Allgemeingut wurden Tattoos erst viel später, ich verorte das in der Zeit knapp vor der Erfindung des Arschgeweihs.
Wahrscheinlich haben Sie es schon erraten, der FederLesen-Autor trägt kein solches, weder hinten, noch vorn, noch sonst wo. Außerdem, ich gebe es zu, bin ich viel zu feig. Ich lasse mir auch kein Loch ins Ohrwaschel oder an eine x-beliebige andere Körperstelle stechen um mich mit einem Piercing zu verschönern (Naja?) und genauso wenig lasse ich mich tätowieren. Überspitzt kann ich sagen: »I hab ja kan Pecker und lass mi pecken!«
Doch, des Menschen Wille ist sein Himmelreich, soll jeder und jede es nach eigenem Gutdünken handhaben und, ich gebe es zu und gestehe, als Blickfang kann ein Arschgeweih samt näherer Umgebung durchaus auch reizvoll sein. In diesem Sinne alles Gute zum 25. Geburtstag – ad multos annos Arschgeweih!
2024 03 27/Fritz Herzog