FederLesen

Die Intelligenz und die Pronatalisten

Der Wunsch aller Eltern, dass es ihre Kinder einmal besser haben sollen, dass sie möglichst studieren und überhaupt es im Leben zu etwas bringen sollen, ist ebenso alt wie verständlich. Wer, ehrlich gesagt, würde sich das Gegenteil für seinen Nachwuchs wünschen? So weit, so klar.

Nimmt man den IQ, also die Intelligenz als Maßstab, so taucht die Frage auf woher diese denn komme, mehr Mama, mehr Papa, beides, oder eh Wurscht? Na, Gottseidank gab es da einmal eine Cambridge-Studie nach der herausgefunden wurde, dass die Intelligenz am X-Chromosom hängt und da Frauen zwei davon haben, Männer bekanntlich nur eines, liegt es auf der Hand, Intelligenz ist weiblich (es heißt ja auch »die Intelligenz« und nicht »der Intelligenz«) und wird folglich von der Mutter auf ihre Kinder übertragen. So weit, so simpel.

Bild: Gabriela Waberer: Albert Einstein

Es spielte für die Grundausstattung des Oberstübchens des Nachwuchses, folgte man dieser Studie, keine Rolle, wenn eine gescheite Frau einen Deppen als Partner hat. Umgekehrt wäre es um das Hirnschmalz des Nachwuchses schon dürftiger bestellt.

Nun tauchen da in jüngster Zeit einige bekennende Pronatalisten in den Klatschspalten einschlägiger Medien auf. Kurz erklärt sind Pronatalisten Menschen – oder eigentlich richtiger: immer Männer – deren Ziel es ist, möglichst viele Kinder in die Welt zu setzen. Sie fürchten einerseits, dass ohne sie die Menschheit über kurz oder lang aussterben würde. Naja, bei neun Milliarden Menschen erachte ich das Risiko hierfür für gering, aber sollen sie es halt glauben. Und andererseits halten sie ihre Gene für derart einzigartig und wichtig, dass sie im Glauben sind, von dieser Einmaligkeit könne es nicht genug geben. Gut, als uneitel kann man diese Typen auch nicht gerade bezeichnen. So weit, so eingebildet.

Da hat doch unlängst so ein g‘stopfter Milliardär verfügt, dass einmal sein Erbe an über hundert mit seinem Samen gezeugte Kinder gehen solle. Wie der Mann neben seinen Aufenthalten in den diversen Samenbanken zwecks Abgabe seiner Gene noch Zeit zum Geldverdienen und Nochreicherwerden verfügt, ist unbekannt.

Und da ist auch der verhaltenskreative Milliardär, dessen Verkaufszahlen für sein Stromauto Richtung Keller gehen und dessen Weltraumraketen regelmäßig vor Erreichen ihrer intergalaktischen Ziele mit einem ordentlichen Feuerwerk verglühen. Auch der verstreut seine Gene anscheinend an jede Dame, die entweder nicht bei drei auf einem Baum oder vielleicht auch nur durch sein massenhaft vorhandenes Gerschtl geblendet ist. So weit, so jeder das ihrige.

Der Beispiele wären da noch mehrere, aber ich belasse es dabei. Jedenfalls scheint es so, dass diese Männer die oben zitierte Studie nicht kennen.

Doch jetzt kommt der Clou in Form einer Untersuchung von diesfalls chinesischen Forschern. Die fanden heraus, dass im X-Chromosom nur 16% der die Intelligenz bestimmenden Gene enthalten sind und das X-Chromosom überhaupt nur 3,4% aller Gene, die unser Leben bestimmen, beträgt. So weit, so alles unklar.

Ergo: Zurück zum Start. Ob aus Ihren Kindern, meine sehr geehrten FederLeserinnen und -Leser ein kleiner Einstein wird, ein Durchschnittskind oder – heute war Zeugnistag in Ostösterreich – ihr Nachwuchs ein Zeugnis mit ein paar Fleck darin nach Hause gebracht hat, hängt von allen möglichen Faktoren ab, Mutter, Vater, Umfeld, Erziehung, das ganze sozio-psychologische Brimborium. Dazu muss man keine hundert Kinder in die Welt setzen.

2025 06 27/Fritz Herzog

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