FederLesen

Adam und Eva (Teil 1)

Die Geschichte von Adam und Eva geht, kurz zusammengefasst, ungefähr so. Sechster Tag, ER ist von der langen Woche schon etwas müde und unkonzentriert, bastelt schnell noch den Adam und weil dieser herummosert, dass ihm in dieser Einsamkeit fad sei, bastelt ER ihm noch schnell, knapp vor Freitag Frühschluss – husch-husch – eine Eva dazu. Dann beginnt die übliche Geschichte: Zuerst alles eitel Wonne-Liebe-Waschtrog, bis sie zum falschen Apferl greift. Von nun an ging’s bergab! »Raus mit euch da, aber dalli!« räsoniert ER. Der Rest der Geschichte besteht dann aus Feigenblatt und Kinder kriegen, die allerdings etwas missraten waren, und so weiter …

So ungefähr, denke ich, kennen Sie, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser, die Geschichte. Tja, Irrtum! Denn erstens war es anders und zweitens als man denkt. Jetzt, liebe FederLeser, ich kann Euch nicht helfen, müsst ihr stark sein.

Nicht nur, dass Eva den Adam gar nicht gekannt haben kann, war sie angeblich auch noch vor ihm da. Na, was sagt Ihr jetzt? Diese Erkenntnis ist schon ziemlich starker Tobak, der uns Y-Chromosomlern da zugemutet wird.

Ohne jetzt allzu sehr in die Wissenschaftlichkeit abzugleiten, sagen die Forscher – vereinfacht – dass gewisse sogenannte Mitochondrien nur von der Mutter an die Tochter und gewisse Teile des Y-Chromosoms nur vom Vater an den Sohn weitergegeben werden. Auf diese Art und Weise lässt sich die Menschheitsgeschichte rückwärts, weit über Opa und Oma hinaus, zurückverfolgen.

Irgendwo standen die Forscher dann an. Beim Mann vor etwa 59.000 Jahren und bei den Frauen vor 143.000 Jahren. Unbestritten ein paar Jährchen früher, was weiter bedeutet, Eva lebte vor Adam, war also lange vor ihm auf der Welt.

Sie werden jetzt sagen »Ha, wie hat sich Eva die 80.000 Jahre dazwischen vermehrt, so alt wurde nicht einmal Methusalem«, nun, da muss ich meine FederLeser noch ein weiteres Mal enttäuschen, es lag – wieder einmal – an einer männlichen Schwäche. Natürlich hatte Eva den einen oder anderen Liebhaber, der für den entsprechenden Nachwuchs sorgte, aber deren Gene waren so schwachmatisch, dass erst der Adam mit ein bissl kräftigeren Genen eben jene 80.000 Jahre später daherkommen musste und eine Ur-Ur-Enkelin besagter Eva mit seinen stärkeren Genen beglückte. Auf den lassen wir Männlein uns bis heutzutage zurückführen.

Von dieser Eva (vor 143.000 Jahren) und von jenem Adam (vor 59.000 Jahren) stammen wir alle ab. Mit »wir alle« meine ich jene fast acht Milliarden Menschen, die derzeit diese Erde bewohnen. Also wenigstens das »wachset und mehret euch«, das ER uns nach der paradiesischen Apfelgeschichte mit auf den Weg gegeben hat, haben wir ernst genommen. Warum? Wir wissen es: Weil’s Spaß macht!

Und – und jetzt muss ich ausnahmsweise ein wenig ernst werden – das Schöne an diesen Forschungsergebnissen ist die Feststellung, dass es keine Menschenrassen gibt. Wir stammen alle von dieser Ur-Eva und diesem Ur-Adam ab. In Wirklichkeit sind wir nämlich alle Afrikaner. Das fälschlich als Rasse bezeichnete unterschiedliche Aussehen von Menschen führen die Forscher ausschließlich auf klimatische Umstände in ihren jeweiligen Lebensräumen zurück.

Ich weiß schon, es ist schwer verdaulich, dass der Nachbar, der Kollege oder irgendein Anverwandter, der Ihnen so gehörig auf die Nerven geht, mit Ihnen genetisch verwandt ist, aber da kann man halt nix machen; außer vielleicht gelegentlich ein bissl darüber nachdenken.

(Nächste Woche Fortsetzung: Eva ist unschuldig)

2022 02 07/Fritz Herzog

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten