Hopfen und Malz – Gott erhalt’s
»Mei Bier is net deppat«, jener Satz, den der Autor Ernst Hinterberger der von ihm geschaffenen Figur des Edmund Sackbauer, vulgo Mundl, dargestellt vom kürzlich verstorbenen Karl Merkatz, in den Mund legte, hat mittlerweile beinahe Legendencharakter; zumindest in Wien ist der Ausspruch weltberühmt. Unvergessen bleibt, wie Mundl mit einem hörbaren »Blopp« den Aluminiumverschluss seines Schwechater Lagers öffnete, die Flasche leicht überschäumen ließ, um danach genüsslich aus selbiger trinken.
Ja, Bier galt in früheren Zeiten als Grundnahrungsmittel des Proletariats. Heute gilt es zunehmend als Chic ein Sortiment dutzender Sorten anzubieten. Craft ist das neue Modewort und über die diversen künstlich aromatisierten Sorten hülle ich sowieso lieber den Mantel des Schweigens eines Hopfen-und-Malz-Puristen.
Jedenfalls ist Bier heute längst kein Grundnahrungsmittel mehr, hat aber Eingang in sämtliche Bevölkerungsschichten gefunden. Und dann – so geschehen vor wenigen Tagen, Sie haben es wahrscheinlich auch gelesen oder gehört – streikten die Brauereiarbeiter. In Zeiten hoher Inflation wollten Sie auch eine entsprechende Lohnerhöhung. Der Streik dauerte 24 Stunden. Gott und Gambrinus sei Dank kam es deshalb zu keinen Lieferengpässen und sämtliche Durste (ich weiß, Durst kennt keinen Plural – und trotzdem: Durste!) konnten gestillt werden.

Was aber, wenn einmal nicht die Brauereiarbeiter, sondern die Biertrinker streiken? Unwahrscheinlich, meinen Sie, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser? Nun, dann entführe ich Sie nach Frankfurt im Jahr 1873.
Die Geschichte beginnt ein bissl kompliziert und hat auch mit der damaligen Währungssituation zu tun. Eine Halbe Bier kostete einen »Batzen« und ein Batzen waren vier Kreuzer. Weil das Bier eben einen Batzen kostete, wurde es auch »Batzebier« genannt und bei den Wirten so bestellt. Als die Wirte sich erdreisteten den Preis um einen halben Kreuzer zu erhöhen nahm das Unglück seinen Lauf. Da es keine Halbkreuzer-Münze gab, verlangten sie einfach fünf Kreuzer und gaben für den fehlenden halben Kreuzer eine Art Gutschein aus, der jedoch wieder nur beim selben Wirt eingelöst werden konnte.
Reichlich kompliziert, oder? Das fanden die Frankfurter (also die Menschen, nicht die Würstl!) auch. Eine Gruppe von etwa hundert Männern, sichtlich gestärkt von mehreren Halben, empörte sich derart über die vertrackte Preiserhöhung, dass sie am 21. April 1873 randalierend durch die Stadt zogen und »Mir wolle Batzebier!« skandierten. Immer mehr Menschen schlossen sich ihnen an und so manches Inventar Frankfurter Gastwirtschaften musste dran glauben. Leider endete der Protest tragisch als die überforderte Polizei das Militär zu Hilfe rief: Am Ende gab es zwanzig Tote und ging als »Frankfurter Bierkrawall« in die Geschichte ein.
Die Folge? Die Brauereien nahmen die Preiserhöhung zurück, da ihretwegen nicht Leben und Eigentum bedroht werden sollten. Immerhin, die hatten Charakter!
Und die Moral von der Geschicht‘? Nun, das Bier ist nicht nur »net deppat« wie wir seit Mundl Sackbauer wissen, mit ihm, respektive seinen Trinkern ist auch nicht gut Kirschen essen – oder besser: Bier zu trinken. Zum Abschluss der heutigen FederLesen Geschichte weiß ich jetzt nicht so recht, ob der dieser Beitrag in Zeiten, da die Inflationsrate durch die Decke geht der richtige war. Aber so lange wir einen »Batzen« für Weihnachtsgeschenke ausgeben, werden wir uns – hoffentlich – auch ein paar Kreuzer oder Cent mehr für das eine oder andere Krügerl leisten können. In diesem Sinne »Prost« und noch ein paar schöne Tage restlichen Advents.
2022 12 18/Fritz Herzog