»Verfliegst« und zugenäht
Es soll schon vorgekommen sein, dass jemand, blind sich mehr auf sein Navi als den Hausverstand verlassend, mit seinem Auto auf einem einsamen Waldweg gelandet ist und dort weder vor noch zurück konnte. Und wer beim Wandern noch nie eine Abzweigung verpasst hat und einen mehrkilometrigen Umweg latschen musste, der werfe ohnehin den ersten dort am Weg liegenden Stein.
Aber beim Fliegen? Kann man sich tatsächlich verfliegen? Kann man sich verflixt nochmal verfliegen? Der Pilot kennt üblicherweise sein Reiseziel und ins falsche Flugzeug einzusteigen ist mit den heutigen alcatraz- und fortknoxfähigen Kontrollen auf den Flughäfen ohnehin nahezu unmöglich geworden. Da verfliegt sich bestenfalls der Koffer.
Zwischenfrage an meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser: Wie buchen Sie eine Flugreise? Ich für meinen Teil mache es üblicherweise über eine dieser Plattformen, wo man die Preise halbwegs gut vergleichen kann. Aber genau da ist Vorsicht geboten, genau da kann es ganz leicht zu Verwechslungen kommen und die Reise geht ganz woanders hin als gewünscht.
Vorsichtig zu sein gilt es bei ähnlich klingenden Städtenamen. Noch relativ harmlos war es kürzlich als ein junger Mann, der seine Freundin in Budapest besuchen wollte versehentlich Bukarest buchte; wahrscheinlich verursachte die Vorfreude auf schöne Stunden der Zweisamkeit bei ihm einen Ausfall der seinerzeit im Geografie Unterricht gefüllten Synapsen seines Oberstübchens.
Was aber ist, und alles ist angeblich schon vorgekommen, wenn zwei Orte tatsächlich gleich heißen. So wollte einmal ein Reisender nach Sidney in Australien, landete aber im gleichnamigen Ort, einem 5000 Einwohner Kaff im US-Bundesstaat Montana (dass die dort überhaupt einen Flughafen haben!). Vorsicht ist auch geboten, wenn Sie nach Costa Rica reisen wollen. Dort liegt der schöne Ort San José. Blöd nur, dass es einen Ort gleichen Namens in der Wüste des Silikon Valleys gibt, eine Gegend in die mit Ausnahme von ein paar Digital-Junkies und Startup-Gründern eher wenige Menschen reisen wollen.
Aufzupassen gilt es – nicht nur für Legastheniker – auch bei der Eingabe der IATA-Codes; das sind jene, aus drei Buchstaben bestehenden Kurzbezeichnungen aller Flughäfen. Ein junges Pärchen aus Birmingham in England wollte in den Urlaub fliegen, verwechselte allerdings Birmingham/England (BHX) mit Birmingham/Alabama (BHM). Dumm gelaufen und aus dem schönen Urlaub wurde wohl nix; Abflugort verwechseln ist sicher noch blöder als den Zielort, aber vielleicht freut sich dort dann wenigstens ein auf ein Standby-Ticket Wartender über den freiwerdenden Platz im Flieger.
Es heißt also aufpassen, wenn Sie jetzt demnächst einen Flug für Ihren Sommerurlaub buchen, dass Sie nicht statt in Mallorca (PMI) versehentlich PMA eingeben und irgendwo in Tansania landen oder statt in Heraklion (HER) auf Kreta versehentlich in Herat (HEA) in Afghanistan. Und auch beim Rückflug gilt es Vorsicht walten zu lassen sonst landen Sie womöglich statt in Schwechat (VIE) auf einem Flughafen in Vietnam (VII) oder gar auf den Salomonen (VIU) oder auf einer kleinen Insel in Papua-Neuguinea (VIV); den Airport-Shuttle nach Hause werden Sie dort vergeblich suchen.
Am sichersten ist es ohnehin Urlaub in Österreich zu machen. Aufpassen müssen Sie vielleicht beim Ziel Kirchberg, ob Sie in Tirol, am Wagram, am Wechsel, an der Raab oder am Walde meinten. Überall dort kann man sich schlimmstenfalls auf einem Waldweg verlaufen. Und sollten Sie einmal statt am Semmering in Simmering landen, so wäre das auch nicht das allergrößte Malheur.
2023 04 16/Fritz Herzog