FederLesen

Künstliche und andere Intelligenzen

Alle Welt redet von der künstlichen Intelligenz, ihren Vorzügen, was sie alles Gutes für die Menschheit bringen, genauso wie von ihren Gefahren, wie sie uns in die Irre führen und überhaupt vollkommen vertrotteln kann. Da sich FederLesen immer gerne Themen annimmt, die die Welt bewegen, komme auch ich nicht daran vorbei einen Blick auf dieses Thema zu werfen.

Es gibt dabei nur ein Problem: Ich verstehe davon nichts. Meine natürliche reicht nicht aus, die künstliche begreifen zu können. Das Einzige, das mir weniger die Intelligenz als mein Hausverstand sagt, ist, dass es ohne die natürliche Intelligenz von einigen Menschen keine künstliche geben würde. Aber das ist auch schon Alles.

Was aber ist Intelligenz, wie definiert man sie? Da tut sich sogar die Wissenschaft schwer, die sonst nie verlegen ist, über alles Mögliche mehr oder minder Kluges zu sagen. Der amerikanische Psychologe Edwin Boring (ich kann’s mir nicht verkneifen: »nomen est omen«) definierte 1923 Intelligenz so: »Intelligenz ist, was ein Intelligenztest misst«. Das klingt ein bissl nach rundem Kreis oder eckigem Würfel, also nach Pleonasmus. Das Ganze ist aber nicht so dumm, wie es auf den ersten Blick aussieht, denn es sagt nur, dass Intelligenz messbar ist.

Womit ich beim IQ, dem sogenannten Intelligenzquotienten, gelandet bin. Ob es für die künstliche Intelligenz auch einen messbaren IQ gibt weiß ich nicht. Für Menschen jedenfalls.

An dieser Stelle erlauben Sie mir eine kleine persönliche Geschichte zu erzählen. Ich muss so dreizehn oder vierzehn Jahre alt gewesen sein, war in der Vollblüte der Pubertät und meine schulischen Ergebnisse entsprachen so überhaupt nicht den Vorstellungen meiner Eltern und mein Mathematik Professor fasste das in dem markigen Satz »Herzog, du bist nicht nur faul, du bist auch blöd« zusammen (ja, das waren damals noch Old-School-Pädagogen). Meine Eltern wollten wissen ob ersteres, letzteres oder vielleicht tatsächlich beides zutreffend sei und schickten mich zu einem Psycho-Doktor, der mit mir einen Intelligenztest machte. Keine Ahnung mehr vom Ergebnis, es ist auch Wurscht, meine Eltern bezahlten den Doktor und waren zufrieden; an meinen schulischen Leistungen änderte sich nichts; das Hornberger Schießen brachte mehr Erkenntnisse.

Aber zurück zur Intelligenz. Was ist sie? Ist Bildung schon Intelligenz? Ich behaupte nein, denn es gibt gebildete Trotteln ebenso wie wenig gebildete Genies. Ist der Hausverstand Intelligenz? Angeblich gibt’s den Hausverstand beim Billa, obwohl ich ihn dort noch nie angetroffen habe. Ist Intelligenz, wenn jemand fünf Sprachen spricht und Wurzelziehen, Differential- und Integralrechnungen aus dem Effeff lösen kann? Doch auch eher nicht.

Albert Einstein gilt landläufig als ein Inbegriff der Intelligenz und da komme ich nicht umhin, auch, da ich schon längere Zeit keine Buchempfehlung auf FederLesen abgegeben habe, das Buch »Einsteins Hirn« von Franzobel meinen geschätzten FederLeserinnen und -Lesern ans Herz oder unter den Kopfpolster zu legen. Es ist die Geschichte des Pathologen Thomas Harvey, der nach Einsteins Tod dessen Hirn in der Hoffnung entnommen hat, das Geheimnis der Intelligenz zu lüften. Das Buch ist ein einziger skurriler Parforceritt durch die Geschichte dieses Mr.Harveys und dem Gehirn im Formaldehyd Glas.  Ein Buch, ganz im Sinne von FederLesen, ganz große Leseempfehlung.

So viel kann ich verraten: Dem Geheimnis, was Intelligenz ist – gleich ob künstlich oder natürlich – kamen weder Thomas Harvey noch der Autor Franzobel auf die Spur. Vielleich kann uns irgendwann einmal die künstliche das Geheimnis der natürlichen Intelligenz erklären, aber Zweifel sind berechtigt.

2023 05 03/Fritz Herzog

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