FederLesen

In the Summertime

Die Semester im Alter des FederLesen-Autors plus werden sich vielleicht erinnern, als im Jahr der Glückseligkeit 1970 Mungo Jerry mit »In the Summertime« ihren One-Hit-Wonder landeten. Eine Textzeile lautete::

»Have a drink, have a drive

Go out and see what you can find«

Hollaridio, waren das Zeiten! Trinken, Autofahren und schauen, was passiert; Mädchen ohne Ende und so weiter.

Fünfzig Jahre danach sieht die Welt ein bissl anders aus. Mit dem Auto über die Straßen rasen ist verpönt, »don’t drink & drive« gilt sowieso und von #metoo rede ich noch gar nicht. Den Jammerern und Raunzern ins Stammbuch geschrieben sei, dass die Welt – Gott sei’s gedudelt und gepfiffen – in dieser Zeit doch ein wenig eine bessere geworden ist.

Nur, Sommer, Sonne, Urlaubszeit, die sind geblieben, Energiekrise hin, Inflation her, der Drang dem heißen österreichischen Sommer in noch heißere südliche Gefilde zu entfliehen um dort weiter zu schwitzen ist unverändert vorhanden. Da bin ich gar keine Ausnahme (auch wenn’s mich heuer mit meiner Liebsten ausnahmsweise gen Norden ziehen wird).

Urlaub ist, wenn man die Bequemlichkeit des eigenen Heims verlässt, um dieses gegen ein unbequemes winziges Hotelzimmern einzutauschen, sagt der Zyniker in mir. Der Optimist in mir sagt hingegen: Neues sehen, kennenlernen, erfahren, den eigenen Horizont erweitern und erholt zurück dorthin zu kommen, wo man doch am liebsten ist: zu Hause!

Mehr oder minder Erheiterndes liest man dann sommers immer wieder darüber, was jemandem so während einer Reise unterlaufen ist. Von einem betrunkenen Passagier zum Beispiel, der den Flug von Manchester nach Mallorca im Gepäcknetz verbracht hat oder von einer Frau mit Glutenintoleranz, die wegen eines Croissants von den Emiraten bis nach Los Angeles zum Leidwesen der übrigen Passagiere das Bordklosett okkupiert hat. Oder von einer jungen Frau, die sich zuerst nackt ausgezogen hat und, als man ihr höflich beizubringen versuchte, dass dies nicht ganz schicklich und an Bord auch völlig unüblich sei, eine Flugbegleiterin gebissen hat.

Immer wieder hört und liest man auch von Schlägereien an Bord von Flugzeugen. Erst unlängst musste deswegen ein Pilot auf den Azoren zwischenlanden um die beiden Raufhanseln der dortigen Polizei zu übergeben. Doch nicht genug, hatte die Crew deshalb ihre höchstzulässige Flugzeit überschritten und durfte nicht mehr weiterfliegen. Mit 24 Stunden Verspätung erreichten die Urlauber ihr Ziel in der Dominikanischen Republik.

Eine Verspätung gab es auch, als man in Saudi-Arabien vor dem Abflug bei einer Frau im BH einen Joint entdeckt hatte. Wie er dort hineingekommen ist, kann man sich ja denken, doch von wem er dort entdeckt wurde und wer ihn dort hervorgeholt hat, darüber ist wieder einmal Nichts bekannt. Jedenfalls hatte der Flug Verspätung und die Dame kam überhaupt erst mit sechsmonatiger haftbedingter Verspätung nach Hause.

Hat es all diese Dinge zu Zeiten von Mungo Jerry auch schon gegeben? Ich weiß es nicht, vermutlich nicht oder zumindest nicht so gehäuft. Um zur eingangs aufgestellten Behauptung, dass die Welt seither doch eine bessere geworden ist zurückzukommen, muss ich ein wenig korrigieren: Ja und nein, lautet meine jetzige Antwort. Es war wahrlich nicht alles Gold was glänzt, wenn man an den berühmten »summer of love« 1969 und diese Flower-Power-Zeiten zurückdenkt, aber ein bissl sentimental zurückschauen wird man ja noch dürfen.

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen geschätzten FederLeserinnen und -Lesern entspannte, erholsame und vor allem stressfreie Ferien 2023 und machen Sie aus dem Sommer 2023 ihren ganz persönlichen »summer of love«.

2023 06 29/Fritz Herzog

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