FederLesen

Die Sonne und das Perineum

Der heutige FederLesen-Beitrag ist, erlauben Sie mir den kleinen Warnhinweis, nichts für moralinsaure alte Jungfern beiderlei Geschlechts oder zart besaitete Waisenknaben (ebenfalls beiderlei Geschlechts). Auch die Alles-was-im-Internet-steht-Glaubenden sollten diesmal eher draußen bleiben.

In diesen herbstlichen Zeiten, wenn die Tage kürzer, die Nächte länger und die Winterdepression zunehmend von uns Besitz ergreift, sehnen wir uns doch alle gelegentlich nach einem erholsamen Sonnenbad. Lässige Bräune allüberall statt fader Blässe wünschen sich die einen, einen gesunden Vitamin-D-Haushalt die anderen.

Gibt es Abhilfe? Nein, nicht für die Ganzkörperbräune. Aber für den Vitamin-D-Status und den Energiehaushalt. Zum Drüberstreuen soll es auch noch die Kreativität und die Libido fördern. Klingt doch zu schön um wahr zu sein?

»Perineum Sunning« nennt sich diese gloriose Entdeckung. Das Perineum, als medizinisches Nackerpatzl kannte ich den Begriff bisher nicht, ist die auch als Damm bezeichnete Körperstelle zwischen Anus und den äußeren Geschlechtsteilen. Hält man diese Stelle in die Sonne, dann träten angeblich die genannten tollen Folgeerscheinungen wie von selbst ein.

Wer diese Entdeckung gemacht hat, konnte ich leider nicht herausfinden, sie wird aber mittlerweile vielfach im Internet angepriesen und auch so mancher Hollywoodstar soll diese Technik schon für sich entdeckt haben. Den Ursprung hat das Perineum Sunning angeblich im Taoismus (no-na, so etwas in der Art hab‘ ich mir eh gedacht). Im Taoismus wird das Perineum »Hui Yi« (passt lautmalerisch, finde ich) genannt und wird dort etwas martialisch als »Tor des Lebens und des Todes« bezeichnet.

Die Perineum Sunning Experten sind, so ihre aktuelle quasiwissenschaftliche Begründung, der Meinung, dass durch den Damm Energie am besten in den Körper eindringen kann. Ich hielt den Anus bislang immer mehr für ein Ausscheidungs- als Einnahmeorgan, aber vielleicht irrte ich mich bisher und irgendeine Erklärung müssen diese Wunderheiler ja haben.

Jedenfalls ist es kostengünstig oder genauer gesagt sogar gratis, was man über die sonst von diversen Influencern und Instagram-Quacksalbern angebotenen Wundermittel nicht behaupten kann, die meist um viel Geld Null Nutzen bringen.

Ohne Ihr Kopfkino, meine sehr verehrten FederLeserinnen und -Leser, allzu sehr zu strapazieren, erlaube ich mir doch die Frage, welche körperlichen Verrenkungen notwendig sind um diese Körperstelle, die im Regelfall nie direktes Sonnenlicht sieht, derselben auszusetzen. Keine Ahnung, vielleicht erleichtert es regelmäßiges Yoga oder ähnliche fernöstliche Verrenkungsübungen.

Mit Absicht habe ich für den heutigen FederLesen-Beitrag diese trüben sonnenlosen Novembertage gewählt, damit sie nicht vorzeitig das Lesen dieses Textes beenden, in den Garten oder auf den Balkon eilen und Ihr Unterteil hoffnungsfroh der Sonne entgegenstrecken. Nebstbei ersuche ich unter Rücksichtnahme auf Ihre Nachbarschaft es nur zu versuchen, wenn sie es hinter einer dichten Thujenhecke tun können oder ihr Balkon über kein vis-à-vis verfügt.

Lassen Sie es am besten überhaupt bleiben. Echte Fachärzte warnen vor diesem Unfug – nicht nur aus Rücksicht auf Ihre Nachbarn, sondern zuallererst auf sich selbst. Eine so empfindliche Körperregion dem Sonnenlicht auszusetzen, kann höchst gefährlich sein – ein schmerzhafter Sonnenbrand wäre noch die harmloseste Folge; und um den sich in dieser Körperregion auszumalen, können sie jetzt ruhig das Kopfkino einschalten.

2023 11 11/Fritz Herzog

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