FederLesen

Ciao mit Au gute Vorsätze?

Und? Noch alles gut? Den Jahreswechsel unfallfrei hinter sich gebracht und wieder voll im Leben? Wie geht’s den guten Vorsätzen? Leben sie noch und erfreuen sich nach wie vor eines mehr oder minder glücklichen Daseins? Oder sind sie dahingeschieden und liegen am Gutevorsätzefriedhof neben jenen der Jahre 2023 und all der Jahre davor. »Requiescat in pace«, ruhet in Frieden gute Vorsätze. Oder sollte es nicht besser heißen: »Gib an Friedn, schlecht’s G’wissen«? Passender? Doch! Irgendwie schon. Oder?

Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, aber ich glaube mich zu erinnern schon einmal geschrieben zu haben, dass es nichts gibt, für das es nicht ein Ranking im Internet gäbe. So ist es wenig überraschend, dass es auch eines für die Neujahrsvorsätze gibt.

Ohne auf die Details der Top 10 eingehen zu wollen, sind die ziemlich eintönig, um nicht zu sagen einfallslos. Die Hälfte der Top 10 dreht sich im weitesten Sinn um die Gesundheit; so à la »weniger fressen und saufen und mehr Sport betreiben«. Zwei drehen sich um Pekuniäre, also »sparen und weniger ausgeben« (ist das nicht eine Art Pleonasmus? Wurscht!). Bei den restlichen drei geht es ums Arbeiten (weniger), Familie und Freunde (mehr) und Umweltbewusstsein (auch mehr).

Ohne jetzt meinen geschätzten FederLeserinnen und -Lesern nahetreten zu wollen, falls Sie einen oder gar mehrere der zitierten Vorsätze für 2024 gefasst haben, sage ich trotzdem: sehr einfallsreich sind diese nicht. Ich würde sie sogar als »No-Na-Vorsätze« bezeichnen für die ich weder Silvester, Neujahr oder sonst einen Tag im Jahr bräuchte.

Hab‘ ich eben eh »bräuchte« und nicht »brauche« geschrieben? Ja, die guten Vorsätze und die Möglichkeitsform derselben gehören zu Neujahr wie die Silvesterraketen und das Marzipanschweinderl. Erstere verpuffen auch in Sekundenschnelle und letzteres ist meist mit ein, zwei Happen verzehrt und damit auch weg.

Gute Vorsätze und der Imperativ schließen sich aus. Wer will mir da was vorschreiben? Der Ehepartner, der Hausarzt oder – wie heißt es in der Werbung so schön: »tragen Sie Ihren Arzt zum Apotheker«, oder so ähnlich – der Doktor Böhm aus der Apotheke mit seiner Mariendistel für meine Leber? Nein Danke!

Verstehen Sie mich an dieser Stelle nicht falsch, ich will die wahrscheinlich guten Absichten hinter den guten Vorsätzen nicht madig machen, aber bestehen sie auch den Stresstest des Alltags? Wir schreiben mittlerweile den 3. Jänner und die eingangs gestellte Frage ob sie heute noch am Leben sind, scheint berechtigt. Ist es die Frustration des Nichtschaffens wert einem von Vornherein unrealistischem Ziel nachzujagen? Diese Frage muss jeder und jede für sich selbst beantworten.

Ihr FederLesen-Autor hat da wieder einmal leicht oberg’scheit daherzureden, er hat sich – man könnte frech sagen: sicherheitshalber – keine guten Vorsätze für 2024 vorgenommen. Oder doch: Neben der FederLeserei endlich wieder einmal ein Buch zu schreiben; aber das ist eine ganz andere Geschichte…

2024 01 03/Fritz Herzog

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