FederLesen

Der Mandela-Effekt

Mandela, nicht Mandala! Mandalas, das sind diese angeblich lustigen symmetrischen Bildchen und Formen zum Ausmalen. Dieses Ausmalen soll angeblich meditativ beruhigend wirken. Ich gestehe, bei mir bewirkt es eher das Gagenteil, bevor ich so ein Mandala ausgemalt habe, habe ich mehr Bleistiftspitzen abgebrochen und die Bleistifte zu unbrauchbaren Stumpfen zusammengespitzt, als Faber&Castell oder Jolly sie nachproduzieren können. Aber darum soll es heute nicht gehen.

Es geht um den Mandela-Effekt. Nie gehört? Ich bislang auch nicht. Benannt wurde er nach dem ehemaligen Präsidenten Südafrikas, Nelson Mandela. Wie gesagt benannt, erfunden hat er ihn nicht, er kann – oder konnte – nichts für diesen Effekt. Mandela saß jahrelang wegen der Apartheidpolitik im Gefängnis, wurde 1990 endlich entlassen, war 1994-1999 erster schwarzer Präsident Südafrikas und ist 2013 verstorben.

Und wie kam der gute Mann zu seinem Effekt? Angeblich war es so, dass viele Menschen glaubten er sei schon verstorben, obwohl er noch lebte. Wem geht es nicht so, dass man manchmal von etwas überzeugt ist, dass es so sei und in Wirklichkeit stimmt es nicht und ist ganz anders? Diesen Effekt nannte man deshalb nach ihm Mandela-Effekt. Ob er selbst noch zu Lebzeiten von diesem nach ihm benannten Effekt wusste, schließlich lebte er ja noch als alle (oder zumindest viele) ihn schon für dahingeschieden gehalten haben, ist nicht bekannt. Vielleicht wäre er ja stolz gewesen nicht nur in die Geschichtsbücher als großer Bekämpfer und Beendiger der Apartheidpolitik einzugehen, sondern auch in die Bücher wissenschaftlicher Phänomene.

Ich bin sicher, dass meinen geschätzten FederLeserinnen und Lesern so manches andere Beispiel einfallen würde, wo Sie selbst oder andere diesem Effekt zum Opfer gefallen sind von etwas überzeugt zu sein, das sich in der Realität dann als falsch herausgestellt hat. Wahrscheinlich auch nicht immer lustig; manchmal vielleicht peinlich, meistens jedoch egal.

Ein paar kuriose Beispiele gefällig? Wenn Sie Fan von Freddie Mercury und The Queen sind eine Frage: Wie endet der Song »We Are The Champions«? Sicher sagen Sie: »… of the world«. Mitnichten, Mercury singt zwar andauernd »we are the champions of the world« enden tut der Song aber ohne »of the world«. Btw, weil wir schon dabei sind, schreibt man Freddie Mercury oder Freddy Mercury?

Aber auch aus Film und Fernsehen unterliegen wir manchmal Täuschungen die uns – und wir sind 100% überzeugt davon richtig zu liegen – in die Irre führen und falsch sind. Hieß die Fernsehserie »Sex In The City« oder »Sex And The City«, war der Körper von C-3PO aus Star-Wars ganz aus Gold oder hatte er einen Körperteil aus Silber? (beides jeweils letzteres).

Oder aus der Welt der Markenartikel. Heißt das Knusperzeug von Kellogg’s »Fruit-Loops« oder »Froot-Loops«? Nennt sich der Schokoriegel »Kit-Kat« oder »KitKat«? Wenn Sie es für ein Katzenfutter halten, liegen Sie sowieso falsch, aber das nur nebenbei. Spielen Sie Monopoly? Hat der Monopoly Mann neben Zylinder und einem Sack voll Geld auch ein Monokel am Auge oder nicht? Wahrscheinlich tippen Sie auch immer falsch (Auflösungen bitte selber googlen).

Sagen Sie jetzt nicht das alles sei doch egal. Ja, eh, stimmt schon. Gibt wahrlich Wichtigeres, aber vielleicht ist es manchmal gut zu wissen, dass uns unser angebliches Wissen auch ganz ordentlich hinters Licht führen kann. Wenn es so harmlos ist wie die angeführten Beispiele, gut so, und sollte Ihnen nach Aufdeckung eines alten Irrtums die Galle hoch und die Zornesröte ins Gesicht steigen, vielleicht hilft Ihnen zur Beruhigung ein Mandala auszumalen und dabei an Nelson Mandela zu denken.

2024 02 19/Fritz Herzog

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