FederLesen

29. Februar

Dass der 29. Februar nur alle vier Jahre ein solcher sein darf und dass heuer, Anno Domini 2024, wieder einmal ein solcher Platz greift, ist wohl allgemein bekannt. Zumindest wussten es von den alten Ägyptern über den Julius, genannt Cäsar bis zum Papst Gregor, jenem mit der Nummer dreizehn, der uns den jetzigen Kalender beschert hat, alle, dass es sich ohne einen Schalttag auf Dauer mit den Jahreszeiten nicht ausgeht. Ich hab’s nicht nachgerechnet, aber angeblich dauert ein Jahr in Wirklichkeit 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten, 46 Sekunden und ein paar zerquetschte Millisekunderln und da hätte es sich als unpraktisch erwiesen, jedes Jahr zu Silvester die Stunden et cetera hinten anzuhängen. Irgendein Schlaumeier hatte dann die Idee diese Restln zu sammeln und eben alle vier Jahre einen Schalttag einzuführen (alle vier Jahre stimmt auch nicht in allen Fällen, aber das führte hier zu weit).

Alt sind jedenfalls die Witze über die am 29. Februar Geborenen; Du darfst nur alle vier Jahre Geburtstag feiern »Bruhaha, sehr witzig«. Und umgekehrt? Jemand, den am 29. Februar das Zeitliche segnet, darf das an dem Tag nicht? Ist also Unsinn.

Kennen Sie, meine geschätzten FederLeserinnen und Leser, vielleicht jemand Neunundzwanzigsterfebruargeborenen? Ich nicht. Angeblich sollen es etwa 5.800 Personen in Österreich sein, die da Geburtstag haben. Statistisch gesehen müssten es bei 9 Millionen Österreichern und -innen etwas über 6100 sein, wir dürfen also davon ausgehen, dass, um oben genannte blöde Geburtstags-Witze zu umgehen, so manche Entbindung entweder vorverlegt oder auf den 1. März verschoben (geschummelt?) wurde. Geht das so einfach? Ich kenn mich da nicht aus.

Ich will Sie aber gar nicht mit statistischen Spitzfindigkeiten quälen, letztendlich sind die auch vollkommen egal. Es gibt aber ein paar seltsame Bräuche zu diesem Tag. So feiern die Amerikaner an diesem Tag den »National Chili Day«. Wahrscheinlich sind die Chilis so scharf, dass sie vier Jahre lang am Gaumen brennen – oder so.

Heiratsanträge, so die Tradition, sind üblicherweise den Männern vorbehalten. Nicht so in Schaltjahren, und da besonders am 29. Februar, sind diese in manchen Ländern vom weiblichen Geschlecht vorzunehmen. Warum dann in Schaltjahren geschlossene Ehen als unglücklich gelten, bleibt ein Rätsel. In Griechenland beispielsweise, wird aus diesem Grund im Dezember vor einem Schaltjahr besonders viel geheiratet. Aber vielleicht hängt die bevorstehende eheliche Kälte ja auch mit der alten Bauernregel »Schaltjahr ist Kaltjahr« zusammen.

Im Jahr 2016 – es war auch ein Schaltjahr – richtete ein Deutscher folgende Petition an die Regierung: »Wenn wir schon in einem Schaltjahr einen Tag mehr haben, dann sollten wir uns überlegen, ob wir diesen zusätzlichen Tag mit Arbeit oder mit Freizeit verbringen«. Das nenn ich Logik: Wir müssen an diesem Tag hackeln wie immer, bekommen aber nur denselben Monatslohn wie in Nicht-Schaltjahren, drum sollte man an diesem Tag Blau machen dürfen. Aber wie so oft, die plausibelsten Vorschläge werden von unseren Regierungen nicht angenommen.

Ein kleiner Trost zum Schluss: Nix is fix. Vor 400 Millionen Jahren – erinnern Sie sich noch? – dauerte ein Jahr 400 Tage und 22 Stunden und irgendwann in ein paar Millionen Jahren wird der Februar nur mehr 27 Tage haben. Bis dahin wünsche ich allen meinen geschätzten FederLeserinnen und -Lesern einen schönen Schalttag und hoffe, dass an diesem kein Entbindungstermin in Ihrer Familie ansteht.

2024 02 29/Fritz Herzog

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