Flirten Sie gern?
Flirten Sie noch ODER sind Sie verheiratet oder flirten Sie noch UND sind verheiratet? Nein, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser, die Frage war selbstverständlich abstrakt, nicht ganz ernst gemeint und ich habe auch nicht die Absicht in Ihre intimsten Bereiche vorzustoßen. Aber jeder und jede tut es oder tat es, aber kaum jemand hat je untersucht weshalb, wieso und wie wir es tun. Dieser Mangel an erforschten Gründen, Techniken usw. veranlasste eine norwegische und eine amerikanische Universität zu einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit dem wunderschön sperrigen Titel: »Wahrgenommene Effektivität von Flirttaktiken: Die Auswirkungen von Sex, Paarungskontext und individuellen Unterschieden in US-amerikanischen und norwegischen Stichproben«.
Befragt wurden 415 Studentinnen und Studenten aus Norwegen und 577 aus den USA. Das erste Ergebnis: Wenigstens bezüglich des Flirtverhaltens unterscheiden sich die Norweger nicht von den Amis. Wir können daraus schließen, geflirtet wird weltweit mit mehr oder minder denselben Schmähs; wie flach oder tiefschürfend (eher nicht) sie auch sein mögen.

Aber seien wir nicht undankbar, Gottseidank haben wir jetzt jemand, der uns sagen kann warum und wie man es richtig anstellt, um zum gewünschten Erfolg zu kommen; was auch immer als »Erfolg« angesehen wird, denn auch dieser kann individuell definiert werden. Da unterscheiden die Forscher – sie nennen es so völlig unromantisch: »Kontext!« – ob das Ziel des Flirts kurz- oder langfristig ist. Überspitzt formuliert könnte man sagen »One-Night-Stand« oder »Ehe«.
Herausgefunden haben sie auch, dass Humor ein wesentlicher Faktor beim Flirt ist. Nun, da hätten sie auch mich fragen können um da drauf zu kommen, aber manchmal bringen Forschungen eben auch Binsenweisheiten zutage. Doch, und da wird es schon interessanter, Humor ist nicht Humor und auch da kommt es wieder auf den Kontext (siehe oben) an. Strebt man ein kurzfristiges Techtelmechtel an, ist Humor weniger gefragt, als dann, wenn er oder sie auf der Suche nach etwas Dauerhafterem sind. Auch irgendwie logisch: Will man schnell zur Sache kommen, braucht es keine großartigen Fisimatenten, will man jedoch eine länger anhaltende Beziehung, dann sollte der Partner oder die Partnerin eher kein spaßbefreiter Langeweiler sein.
Auch geschlechterspezifische Klischees wurden – Emanzipation hin oder her, es nutzt nix – wieder einmal wissenschaftlich bestätigt. So ist es für Frauen wichtiger den Mann humorvoll zu finden und über seine Witze, mögen sie auch manchmal seicht sein, zu lachen als umgekehrt. Was leider in dem Zusammenhang nicht untersucht wurde war, ob Frauen den Mann witzig finden und lachen oder ob sie lachen, weil sie meinen damit dem Mann zu signalisieren, dass sie ihn witzig finden, obwohl er es gar nicht ist. Das wäre wahrscheinlich ein eigener Forschungsauftrag gewesen.
Herausgefunden hat das Forscherteam auch, dass Frauen tendenziell eher nicht und Männer eher schon auf ein kurzfristiges Pantscherl aus sind. Auch das erachte ich als Binsenweisheit. Und die Moral von der Geschicht‘, eine, die sich meine Geschlechtsgenossen hinter die Ohrwascheln schreiben sollten, wenn sie erfolgreich flirten wollen, formulierten die Forscher in ihrer Studie so: »… Männer (können) ihren Erfolg bei der Partnerakquise verbessern, indem sie die Signalisierung ihrer sexuellen Begeisterung eindämmen.« Also Mauna, reißt euch z’samm und halt’s euch a bissl z’ruck!
Postskriptum: Eben fällt mir ein, heute ist Weltfrauentag! Zufall, dass ich heute dieses Thema gewählt habe? Aber irgendwie passt es doch. In diesem Sinne wünsche ich allem meinen geschätzten FederLeserinnen einen wunderschönen Weltfrauentag, einen Tag, den es 365mal im Jahr geben sollte.
2024 03 08/Fritz Herzog