FederLesen

Wider den Putzfimmel

Rauchen ist ungesund. Alkohol ist ungesund. Zu viel Fleisch ist ungesund. All das verkürzt unser Leben. Wir wissen es und tun es trotzdem, denn wer verzichtet schon gern auf ein gutes Glas Bier oder Wein zu einem Schnitzel oder Bratl. Dass sich die Leber, die Lunge und der Cholesterinspiegel dafür bedanken, davon leben zahllose Ärzte und die gesamte Pharmaindustrie.

Doch es gibt etwas, das zumindest ebenso gefährlich für unsere Gesundheit ist und das ist das zu intensive Putzen. Wenn wir also zu viel saugen und wischen und schrubben und bohnern und polieren und wienern bis alles strahlt und glänzt, so hat das ebenfalls Auswirkungen auf unsere Gesundheit und senkt die Lebenserwartung.

In einer Studie des Doktoranden Øistein Svanes von der Universität Bergen in Norwegen wurden 6235 Personen mit einer Lungenfunktionsstörung über einen Zeitraum von 20 Jahren untersucht und er kommt zu folgendem Ergebnis: »Frauen, die zu Hause putzen oder als Reinigungskräfte arbeiten, hatten einen beschleunigten Rückgang der Lungenfunktion, was darauf hindeutet, dass Expositionen im Zusammenhang mit Reinigungstätigkeiten ein Risiko für die langfristige Gesundheit der Atemwege darstellen können« Die Folgen sind vermehrtes Asthma und andere Funktionsstörungen für das Beuschel. Wer zu viel putzt senkt seine Lebenserwartung. Tägliches Putzen entspricht lungenmäßig dem Konsum von zwanzig Zigaretten täglich. Soweit die Studie.

Was meinen geschätzten FederLeserinnen bei obigem Zitat aus der Studie sicher sofort aufgefallen ist, es werden dort ausdrücklich »Frauen« als gefährdete Personen genannt. Der mittlerweile semi-emanzipierte FederLesen-Autor muss an dieser Stelle eingreifen und auch seine Geschlechtsgenossen auffordern gelegentlich ebenfalls mit anzupacken. »Halbe-Halbe« hieß das einst und gilt noch immer. Geteilte geringere Lebenserwartung ist immerhin besser als einseitige oder anders gesagt, nur wer seine Liebste frühzeitig ins Grab bringen will, lässt sie putzen. Aber das an dieser Stelle nur nebenbei.

Was lernen wir aber überhaupt aus dieser Studie? Wenn wir jedem Fettspritzer in der Küche, jedem Lurch unter dem Bett, allen Spinnweben in den Hohlkehlen unserer Räume und jeder kleinsten Kalkablagerung im Waschbecken und im Häusl wie besessen nachrennen und sofort zum Putzfetzen greifen und alle möglichen Reinigungsmittel mit unbekannten chemischen Zusammensetzungen verspritzen, dann sinkt unsere Lebenserwartung. Zumindest statistisch gesehen. Abgesehen davon, dass wir diese Zeit wahrscheinlich sinnvoller nützen könnten. Nein, nicht hinsetzen, eine Zigarette rauchen und ein Glas Wein trinken, das mag vielleicht entspannender und vergnüglicher sein, verbessert aber nicht die Gesamtsituation. Ein Spaziergang an der frischen Luft, ein wenig Sport oder einfach nur Zeit mit dem Partner oder der Partnerin verbringen, das wären doch sinnvolle Alternativen zum Putzen und höben die Lebenserwartung.

Nicht falsch verstehen, ich will auch kein Saubartel sein, der im Dreck lebt, aber muss die Küche immer glänzen, muss jeder Boden ständig frisch gewienert werden und dürfen die Fenster auch einmal ein bissl staubig sein? Vielleicht bedürfte es einmal einer Studie, die den Zusammenhang zwischen Lebenserwartung und Lebensqualität erforscht – ich wäre gerne behilflich.

2024 05 11/Fritz Herzog

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