Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf
Nein, keine Sorge, FederLesen wird nicht biblisch, auch wenn ich heute den Psalm 127 als Überschrift gewählt habe, der ja längst zu so einer Art Sprichwort geworden ist. Aber, ja, heute geht’s um den Schlaf und um das Schlafen.
Doch vorweg eine Frage an meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser, sind Sie mehr der »Morgenstund‘ hat Gold im Mund«- und »Der frühe Vogel fängt den Wurm«-Typ oder gehören Sie mehr zur Kategorie Murmeltier und Siebenschläfer und frönen Sie lieber dem Schönheitsschlaf?

Und wieder einmal hilft uns eine Studie herauszufinden wer wo wieviel schläft. Leider sagt sie nur etwas über die Quantität und nicht die Qualität der Schlafgewohnheiten der Bewohner einzelner Länder aus. Auch dass die Studie in einem Medium namens »Visual Capitalist« veröffentlicht wurde, weist wahrscheinlich auf die Absicht der Autoren hin. Aber sei’s drum, was Besseres hat Ihr FederLesen-Autor in der Schnelligkeit nicht gefunden.
Ich will Sie nicht mit Statistiken quälen, aber die Österreicher und -innen schlafen im Durchschnitt acht Stunden und achtzehn Minuten, übrigens gleichauf mit unseren Lieblingsnachbarn, und liegen in Europa damit eher am unteren Ende der Schlafskala. Weniger büseln nur die Iren, Norweger und Dänen.
Weltweit am wenigsten schlafen die Menschen in Südkorea (7 Stunden 51 Minuten). Liegt darin der Grund für den wirtschaftlichen Erfolg Südkoreas? Wenig schlafen und viel hackeln als Devise? Das Land der Automobil- und Smartphone-Industrie und dem angeblich tollen Bildungssystem gilt doch als wirtschaftlicher Vorzeigestaat.
Angeblich schlafen die Südkoreaner nicht nur wenig, sondern auch noch schlecht. Ob sie in Abwandlung des alten Lieds über die fleißigen Schwaben tagaus tagein singen »Schaffe, schaffe, Smartphone baue« weiß ich nicht. Jedenfalls machten sie aus der Not des schlechten Schlafs eine Tugend und riefen einen Schlafwettbewerb aus; Leistung bis in den Tiefschlaf hinein, das zählt!
Um es öffentlich und unter Aufsicht zu machen riefen sie einen Mittagsschlaf-Wettbewerb aus. Der Begriff »Power-Napping« beinhaltet anscheinend nicht umsonst den Begriff »power« und gewinnt so seine wahre Bedeutung. Eine Bedeutung, die so verharmlosende Begriffe wie »Nickerchen« niemals erreichen können.
Es war Samstag der 18.Mai um die Mittagszeit als sich zahlreiche Südkoreaner im Han River Park in Seoul zum »Power Nap Contest« trafen. Ausgestreckt auf zur Verfügung gestellten Liegen schliefen sie da um die Wette. Mit Pyjama oder in Straßenkleidung, mit Schuhen oder ohne, mit oder ohne Schlafbrille; alles war erlaubt. So schnarchten sie dort um die Wette. Kontrolliert wurde die Schlafqualität auf zweierlei Art und Weise. Da gingen einmal Aufseher herum und kitzelten die Schlafenden mit einer Feder in Nase und Gesicht, simulierten Mückengeräusche und Ähnliches. Aufwachen bedeutete Disqualifikation.
Und es wurde von allen Teilnehmenden der Puls gemessen. Der oder die mit dem niedrigsten Puls hat gewonnen. Leider fand ich nicht heraus, wer Sieger oder Siegerin wurde. Auch egal, wir kennen ihn oder sie ohnehin nicht.
In Europa schlafen übrigens die Spanier am längsten. Dass es dann ausgerechnet in Madrid ebenfalls einen ähnlichen Wettbewerb namens »National Siesta Championship« gibt mag verwundern. Ein Schlafländermatch der Vielschläfer Spaniens gegen die Wenigschläfer Südkoreas wäre vielleicht interessant zu verfolgen.
Doch, genug geschlafen, ich wünsche allen meinen geschätzten FederLeserinnen und -Lesern einen gesunden, tiefen und vor allem ausreichenden Schlaf. »Gute Nacht«, »안녕히 주무세요« (annyeonghi jumuseyo) und »Buenas noches« bis demnächst.
2024 06 04/Fritz Herzog