FederLesen

Eine coole Socke

Von allen Kleidungsstücken, die »Mann« so trägt, scheinen die Socken das stiefmütterlichste Dasein zu fristen. Meist kaum zu sehen, höchstens wenn bei irgendwelchen langweiligen Fernsehdiskussionen zu nachtschlafender Zeit irgendein Klugscheißer seine langatmige Suada damit beginnt, dass er seine Beine übereinanderschlägt und so sein Fußkleid der Öffentlichkeit zur Ansicht preisgibt. Aber sonst? Sonst führen Socken eher ein Leben im Verborgenen.

Einmal nur, so erinnere ich mich, gab es eine sogar politische Socken-Aufregung als ein Minister, dessen Name mir längst entfallen ist und der auch nichts zur Sache tut, im Parlament ohne Schuhe in Socken herumgegangen ist; noch dazu solche in der Parteifarbe. Ob er das in politscher Absicht tat oder einfach nur weil die neuen Schuhe ihn an der Ferse rieben und er dortselbst schon Blasen hatte – wir wissen es nicht und es ist mittlerweile auch Wurscht. Dieses Ereignis sei hier auch nur als die Ausnahme von der Regel der Unsichtbarkeit der Socke erwähnt.

Socken im verruckten Dorf Herrnbaumgarten

Vielleicht ist es auch gut so, dass Socken nicht sichtbar sind. Sind sie doch in den meisten Fällen schwarz oder grau oder dunkelblau – also fad und uninteressant. Ja, ich weiß, es gibt auch bunte mit mehr oder minder lustigen Aufdrucken, aber auch die sind eher die Ausnahme von der Regel.

Übrigens, am anderen Körperende, oben, die Krawatte, da kann es oft gar nicht bunt genug sein. Da die Krawatte gelegentlich tiefenpsychologisch als Phallussymbol interpretiert wird, scheint das bunte Aufmerksamkeit heischen derselben wieder Sinn zu ergeben – aber das wäre eine eigene FederLesen-Geschichte wert.

Doch zurück zur armen Socke. Ist sie wirklich so arm? Kaum ein anderes Kleidungsstück scheint in so vielen Redewendungen vorzukommen. Die »coole Socke« habe ich schon in der Überschrift erwähnt. Oder das »auf die Socken machen« für das Fortgehen; warum das die Socken und nicht die Schuhe machen? Manchmal geht mir auch manches oder mancher oder manche, wenn das oder der oder die mich nervt »auf die Socken« und dann fühle ich mich als »arme Socke«. Und dass jetzt beinahe zwei Wochen seit dem letzten FederLesen-Beitrag vergangen sind liegt auch daran, dass ich gelegentlich eine »faule Socke« bin.

Doch, es dürfte hinlänglich bekannt sein, die Socken schlagen zurück und rächen sich an uns für ihre couturemäßige Bedeutungslosigkeit. Sie entziehen sich uns. Kaum legt man sie brav paarweise in die Waschmaschine, verschwindet eine wie durch Zauberhand und nach vollendetem Waschgang kommt nur ein Einzelstück zu uns zurück. Selbst Flusensiebe sind für flüchtende Socken scheints kein Hindernis. Warum sie sich von ihrem Partner trennen bleibt ein Geheimnis, jedoch dürfte so manche Socke den Weg in den Kanal und weiter in die Kläranlage dem Leben als Paar vorziehen – wieso sollte es bei Socken anders sein als bei so manchem Ehepaar …?

Doch es gibt Hoffnung, dass die Unsichtbarkeit der Socke bald ein Ende hat. Galt es bislang als bekleidungstechnisches No-Go zu Sandalen oder Sneakers mit kurzen Hosen Socken zu tragen, so soll sich das nun ändern. Tik-Tok und einer Influencerin (nein, dass ist keine an Grippe erkrankte Frau!) sei Dank, wurde ein neuer Modetrend ins Leben gerufen. Socken, oder gar Strümpfe zu Sandalen sind voll im Trend. Auch zu kurzer Hose und Sneakers muss »Mann« keine Kurzsocken mehr tragen, die sich hinter dem Schuh verstecken; nein, man darf, ja man soll sie sogar sehen.

Meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser, ich hoffe der Hinweis auf diesen neuen Modetrend »haut sie nicht aus den Socken« und Sie ertragen den Anblick eines besockten oder bestrumpften Männerbeins in diesem Sommer wie eine »coole Socke« und rümpfen nicht die Nase wie vor verschwitzten Socken mit fragwürdigem Odeur.

2024 07 12/Fritz Herzog

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