Kuchen, Kekse, Cookies
Erlauben Sie mir, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser, gleich einmal mit der Tür ins Haus und mit einem Wortspiel zu beginnen: »Cookies gehen mir auf den Keks«. So, jetzt ist es heraus!
Selbstverständlich meine ich nicht jene Kekse, die im Advent gebacken, frisch, knusprig oder mürb, mit Marmelade gefüllt und mit Schokoglasur überzogen am Weihnachtstag längst alle aufgefuttert sind. Gegen diese ist nichts einzuwenden. Nicht das Geringste.
Ich meine vielmehr jene Kekse – in american-computer-english: Cookies – um die mich mein Notebook und mein Smartphone gefühlte hundert Mal oder öfter am Tag fragt, ob ich sie eh akzeptiere. Nichts Süßes ist an jenen, nicht mürb, nicht knusprig, weit und breit keine Schokolade oder Marmelade, nur nervig. Manchmal, wenn besagte Geräte besonders übermütig sind, bieten sie mir noch zusätzlich seitenlange Erklärungen an, warum und wieso diese Kekse so wichtig sind, ich sie unbedingt brauche und, ja, endlich akzeptieren soll, weil sonst … Ääh, keine Ahnung was sonst, denn selbstverständlich habe ich diesen ganzen Sermon nie gelesen; verstanden hätte ich ihn ohnehin nicht, drum lass ich es lieber gleich bleiben.

Dass es selbst wenn ich diese Cookies akzeptiere (hab‘ ich eine andere Wahl?) dafür als Belohnung keine Kekse gibt, versteht sich da fast von selbst. Nicht einmal ein Rezept für gute solche, die ich im kommenden Advent anrühren und ins Rohr schieben könnte. Eine besondere Chuzpe ist es dann, wenn man ein solches Rezept auf einer der zahlreichen Koch- und Backseiten des Weltweitnetzes sich herunterholt, sogar dann kann man erst Kekse backen, wenn man die Cookies akzeptiert hat; »No-Na« bin ich da versucht zu sagen, und füge vielleicht noch einen Fluch hinten dran, den ich hier auf FederLesen aufgrund der guten Sitte nicht wiedergeben kann.
Ich weiß schon, aus irgendwelchen Gründen, die ich nicht verstehe, braucht der Computer diese Cookies. Mir scheint er ist eine Naschkatze und dafür hätte ich wiederum vollstes Verständnis. Aber kann er das nicht still und leise tun? Kann ich es ihm nicht ein für alle Mal erlauben? So à la: »Das erlaub‘ es Dir und solange ich nichts Gegenteiliges sage, gilt’s«. Aber das geht nicht.
Andererseits ich bin ja nicht die Mutter meines Computers. Mutti sprach seinerzeit auch: »wir essen gleich, da kannst Du jetzt kein Keks haben. Aber wenn Du brav aufisst …«. Okay, ich glaub‘ jetzt ist es heraußen, ich hab‘ die Lösung: Könnte meine Aversion gegen Cookies genau jenes frühkindliche Trauma sein, sich bei Süßem stets zurückzuhalten und sich zuerst dem Spinat oder den Erdäpfeln hinzugeben? Ich liebe Kuchen und überhaupt Süßigkeiten, an einer Cremeschnitte komme ich ebenso wenig vorbei wie an den Schnitten in der rosa Packung und derlei Ähnlichem. Ist es da eine Überraschung, wenn ich meinen elektronischen Geräten diese lukullischen Genüsse zwar nicht gönne, aber trotzdem ihnen immer meine Zustimmung erteile und ihnen nicht erkläre »esst zuerst die tausenden Cookies auf, die ich Euch heute schon genehmigt habe, bevor es neue gibt?
Vielleicht kommt einmal der Tag an dem ich dem Blechtrottel das erklären kann. Vielleicht hilft diese KI ja dabei, wer weiß? Für irgendwas muss das Zeug doch gut sein. Bis dahin helfen Kuchen und Kekse gegen Cookies.
2024 07 26/Fritz Herzog