FederLesen

Ananas-Dating

Die Zeiten als man hierzulande zu den Erdbeeren Ananas sagte sind vorbei. An diese fälschliche Bezeichnung der Erdbeere erinnern sich wahrscheinlich nur Mitglieder der Generation FederLesen-Autor plus. Nein, heute geht es um die Ananas, also jene exotische Frucht, die es früher nur in Dosen, heutzutage im Supermarkt Ihres Misstrauens und am Obst- und Gemüsestandl Ihres Vertrauens stapelweise ganzjährig gibt.

Wer meint die Ananas sei ausschließlich zum Essen geeignet, der irrt. Neuerdings erlebt die Ananas einen völlig neuen Verwendungszweck, der über den Verzehr hinausgeht, in gewisser Weise aber doch mit Genuss zu tun hat. Hoffentlich! Die Idee geht von Spanien aus, genauer gesagt von einer dort ansässigen Supermarktkette und hat mittlerweile via Internet und einer Filmchen Plattform weltweite Bedeutung erlangt.

Ohne der spanischen Supermarktkette nahetreten zu wollen, war wahrscheinlich die ursprüngliche Idee die einer Geschäftsankurbelung. Dass diese so eingeschlagen hat, hätten sich vermutlich nicht einmal deren gewiefte Marketingfuzzies gedacht.

Die Sache ist leicht erklärt: Wer zwischen 19 und 20 Uhr im Supermarkt eine Ananas verkehrt herum in sein Einkaufswagerl legt signalisiert damit, dass er oder sie auf Partnersuche ist. Begegnet also der Don Juan abends im Supermarkt einer Juanita und beide haben eine verkehrt herum liegende Ananas in ihrem Wagerl, so steht dem Techtelmechtel und dem »One-Night-Stand« nichts mehr im Wege. Natürlich erst nach vorherigem gemeinsamen Verspeisen der süßen Früchte – oder vielleicht eine davor und eine danach; so genau wollen wir da nicht in den diversen spanischen Schlafzimmer herumspechteln.

Da der Spaß so eingeschlagen hat, wurde die ananasige Partnersuche weiter verfeinert. Sind Sie, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser zwischen 19 und 25 Jahre alt, so schieben Sie Ihr Wagerl mit der verkehrten Ananas in der Kühlabteilung auf und ab bis Sie Ihren Dating Partner finden (wahrscheinlich dort, um die aufgestauten erotischen Hitzen ein wenig abzukühlen). Sind Sie zwischen 25 und 40 dann begeben Sie sich in der Fischabteilung auf Suche (ob das olfaktorisch aphrodisierend wirkt wage ich zu bezweifeln, aber so ist es) und die Generation 40plus sollte sich in der Weinabteilung aufhalten (das verstehe ich, da ist schließlich der Genuss zu Hause).

Die Anbandelung erfolgt dann immer auf die gleiche Art und Weise: Einfach absichtlich oder unabsichtlich mit den Einkaufswagerln zusammenstoßen, der Rest ergibt sich dann; Sie werden schon wissen wie.

Übrigens, und ich will hier gar nicht auf alle eingehen, gibt es noch eine Menge anderer Codes welche Produkte im Einkaufswagerl welche Vorlieben oder Wünsche bedeuten. Von Linsen (Suche nach einer dauerhaften Beziehung) über Pralinen (etwas Unverbindliches) bis hin zu Müllsäcken oder Insektenspray (Vorliebe für Sadomasochistisches) stehen fast sämtliche erotischen Türen offen.

Mit einem Wort, egal was man einkauft, was im Wagerl liegt, man ist abends nicht mehr vor Anbandelungen im Supermarkt sicher. Will man Derartiges vermeiden, sei es, weil man beispielsweise schon in einer Beziehung lebt, dann geht man am besten gemeinsam mit seiner oder seinem Liebsten einkaufen. Will man jedoch schlicht und einfach heute seine Ruhe vom anderen Geschlecht haben, dann sollte man überhaupt außerhalb der gefährlichen Zeiten zwischen 19 und 20 Uhr in den Supermarkt gehen.

Und wenn es schon eine Ananas vom anderen Ende der Welt sein muss, dann bitte einfach aufessen wie sie ist und sie nicht zu so Geschmacksnerven vergewaltigenden Speisen wie Pizza Hawaii oder Toast Hawaii missbrauchen. Aber das nur nebenbei.

2024 09 13/Fritz Herzog

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