FederLesen

Die Zahl 200 und das ewige Leben

Heute hat FederLesen was zu feiern. Am 5. Jänner 2020 habe ich den ersten FederLesen-Beitrag online gestellt und heute, bald fünf Jahre später folgt der zweihundertste Beitrag auf meinem Blog. Ganz schön viel ist da zusammengekommen in den Jahren. Heiteres, Skurriles und gelegentlich habe ich auch das eine oder andere Buch rezensiert. FederLeserinnen und -Leser sind gekommen und gegangen und manche sind geblieben; allen gilt mein Dank!

So, und jetzt will ich über die Zahl 200 etwas schreiben und mir fällt nix ein. Macht nix. Mathematik und Zahlenspielereien sind sowieso nicht das Meine.

Oja, doch! Zweihundert Jahre. Wollen Sie 200 Jahre oder älter werden? Sie sagen das geht nicht? Irgendwann holt jeden der Quiqui, der Sensenmann, und dann ists vorbei. Warten Sie ab, ich habe die Lösung, sogar fürs ewige Leben:

Vorweg, jeder Vorteil (diesfalls das ewige Leben) hat auch seinen Nachteil – Sie müssen auswandern. Nein, nicht in irgendwelche ferne Galaxien, aber immerhin weit genug weg vom (immer wärmer werdenden) mitteleuropäischen Klima in Richtung Arktis. Dort oben, hinter dem Polarkreis liegt Spitzbergen mit seinem Hauptort Longyearbyen (keine Ahnung, wie man das ausspricht). Immerhin leben dort zirka 2500 Menschen und vielleicht werden es nach dem Lesen dieses zweihundertsten FederLesen-Beitrags bald mehr – wer weiß?

Spitzbergen nennt sich übrigens auf norwegisch »Svalbard«, was übersetzt soviel heißt wie »Kühle Küste«. Kühle Küste: Ein klassisches Beispiel eines Euphemismus‘ für einen Ort in dem die Jahresdurchschnittstemperatur bei −6,7 °C liegt. Also, warm ist anders.

Symbolbild: auch Norwegen, aber nicht Spitzbergen, sondern im Süden bei Brevik

Was aber hat das ewigen Leben mit Spitzbergen zu tun, höre ich Sie schon fragen. Ganz einfach: Im Jahr 1950 hat die norwegische Regierung für Spitzbergen ein Gesetz erlassen, dass das Sterben dort verbietet. Ja, Sie haben richtig gelesen, sterben ist auf Spitzbergen verboten. Die letzte Beerdigung am Friedhof von Longyearbyen datiert aus dem Jahr 1938. Zum Ausgleich des Sterbeverbots ist es dort auch verboten zu gebären.

Die Weisheit der norwegischen Regierung, die diesen Doppelbeschluss hervorgebracht hat, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Denn kämen dort laufend Kinder zur Welt und keiner stirbt, wäre der kleine Archipel bald heillos übervölkert. Deshalb dieses Doppelverbot. Welche Strafe auf eine Übertretung der Verbote steht, weiß ich nicht. Lebenslänglich bei Übertreten des Sterbeverbotes ergäbe wenig Sinn.

Keine Kinder, das lässt sich vielleicht mit den Temperaturen erklären. Wer hat bei der Kälte schon Lust auf Sex? Andererseits, irgendwie müssen die sich dort auch die Zeit in der monatelangen polaren Winternacht vertreiben. Ich hab‘ keine Ahnung.

Doch, so weise die norwegische Regierung mit den beiden Verboten war, so schlau sind die Spitzbergerinnen und Spitzberger. Drei Wochen vor dem Geburtstermin wird die werdende Mutter ebenso aufs Festland ausgeflogen wie Personen, die alt und gebrechlich werden und sich nicht mehr selbst versorgen können. Warum? Es gibt dort weder ein Spital, noch ein Altersheim.

Also, wieder nix mit der Unsterblichkeit. Haben sie schon die Koffer gepackt, lange Unterhosen, dicke Wollpullover und Daunenjacken inklusive, um nach Spitzbergen zwecks ewigen Lebens auszuwandern? Tut mir leid, wenn ich Sie enttäuschen musste, aber nach zweihundert FederLesen-Beiträgen wissen Sie wahrscheinlich eh schon, dass da meistens irgendeine Skurrilität verzapft wird.

Trotz Allem, danke fürs Lesen, danke für Ihre Treue und bleiben Sie FederLesen auch für die nächsten 200 Beiträge gewogen und – btw – Ihr FederLesen-Autor freut sich über jedes Like und jedes Teilen.

2024 09 26/Fritz Herzog

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